Schlagwort-Archive: sexismus

Lesenswert: hohe Wertungen, reaktionäre Politik, nostalgisches Zelda, offene Zukunft / Hörenswert: Indies aus dem Saftladen, Sex in Games

Immer donnerstags neu: Die Lese- und Hörtipps der Woche. Heute: Das Problem mit hohen Wertungen – und der Hass auf niedrige. Wie die reaktionäre Weltsicht eines Tom Clancy unter den Tisch gekehrt wird. Oben drauf, einmal mehr, Zelda: Breath of the Wild: Sascha Kretzschmar sieht die Nostalgie darin, Chris Plante die Zukunft der AAA-Entwicklungen.
Für die Ohren: Fabu aka. Doomian im Gespräch mit Berliner Indie-Entwicklern, Sexspiel-Expertin Nina Kiel als Gast im jungen Podcast-Format Culturevania. [sk]

Gedankenspiele: Über die Inflation positiver Wertungen
(superlevel.de, Marcus Dittmar)

[…] Die tatsächliche Meinungsbildung hat längst stattgefunden, wenn der erste Rezensent seine Eindrücke skizziert. Spielerezensionen sind immer seltener ein Mittel der Aufklärung, sie sind vielmehr Grundlage für die Bestätigung der eigenen Meinung geworden. Für den ein oder anderen bricht durchaus eine kleine Welt zusammen, wenn er diese nicht findet. […]

„Es ist nur ein Spiel“: Eine Ausrede, die nicht mehr gilt
(videogametourism.at, Rainer Sigl)

[…] Tom Clancys Politthriller – ob als Literatur oder im Spiel – tragen ihre strukturelle, letztlich reaktionäre, US-imperialistische Weltsicht und Ideologie nicht offensiv als Statement am Revers – wie man sieht, geht es sogar bisweilen durch, ihnen eine politische Agenda ganz abzusprechen. Stattdessen ist, auch bedingt durch die obsessive Faszination für militärtechnische Details, stets von „Realismus“ die Rede: ein Realismus der Technologie, der Waffen, im Fall von „The Division“ im hyperrealistischen Nachbau von New York, im Fall von „Wildlands“ in jenem eines genau nachgestalteten exotischen südamerikanischen Schauplatzes. […] Weiterlesen →

Lesenswert: Vietnam, Replaying Japan 2016, DoA Xtreme, Assassin’s Creed III, Public Domain Characters, Übersetzungen

In sechs Artikeln um die Welt: Feldforschungen in Vietnam und Game Studies in Leipzig: Replaying Japan 2016. Kulturelle Differenzen: Japanische Sexualität in Dead or Alive Xtreme und amerikanische Ureinwohner in Assassin’s Creed III. Worte am Anfang und am Schluss: Gemeinfreie Figuren als Videospielgrundlage und die schwierige Suche nach der besten Übersetzung. Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken – und bis nächste Woche!

Spielendes Vietnam
(pitforman.wordpress.com, Dirk Poerschke)

[…] Zuerst dachte ich, es gäbe keine digitale Spielkultur. In Kaufhäuser oder Märkten sieht man nirgends Games. Werbung für Spiele fehlt auch völlig. Selbst in einen Fachmarkt für Elektronik waren auf über 5 Etagen keine Spiele, nicht einmal Konsolen oder ähnliches zu finden. Dann half mir Duke The Hobbit Hoang, ein Tattoo Künstler […] weiter. Natürlich spielt man Games in Vietnam. Er hatte bis vor 3 Jahren noch als Zeichner für Game-Entwickler gearbeitet und ist dann schweren Herzens ausgestiegen. Viele Firmen produzieren in Vietnam mobile Spiele für Handy und Tablet, Free to play Games sind ein ziemlicher Renner. Für Spiele mit etwas mehr Aufwand (die seinem eigenen Anspruch eher entsprachen) ist Vietnam ein super hartes Pflaster. […]

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(j-junk.de, Idolmeister)

[…] Iwatani erläuterte auf witzige Weise in seiner Keynote seine Gamedesign-Philosophie: Er möchte inklusive, gewaltfreie Spiele machen, die jeden ansprechen. Dazu muss der Spieler sofort intuitiv erkennen können, was man in dem Spiel machen muss (in der Tat zeigte er sogar ein Video von einem Schimpansen, der richtig gut Pac-Man zocken konnte). Iwatani erklärte dann, wie diese Philosophie in die Programmierung Pac-Mans einfloss (z.B. die Geister-KI). Interessant: Pac-Man war ursprünglich viel langsamer und wurde nur beschleunigt, damit der Qualitätscheck schneller abgeschlossen werden konnte — dabei stellte das Team fest, dass ein schnelleres Pac-Man viel spaßiger ist! […]

PixelSENF #7: Problemstellungen ohne Gesamtbild
(derschauder.blogspot.de, Rainer Schauder)

[…] Denn aller oberflächlichen Betrachtungen und Interpretationen zum Trotz, leidet Dead Or Alive in der Außenwahrnehmung hauptsächlich an einer Unterschätzung des Kontexts und an einer Überschätzung der Bedeutung von Sexualität aus Sicht des Beobachters. […] Weiterlesen →

Lesenswert: Luigi’s Mansion Arcade, Nicht-News, Breath of the Wild, Barbie, Miyazaki, 34 mal Castlevania

Heute: Luigis Ausflug in die Arcades, Lobhudelei als News, ungezähmtes Zelda, „bedrohliche“ Barbies, Breath of the Wild’s Link to Miyazaki, und ganze 34 mal Castlevania. Viel Spaß beim Stöbern und Lesen!

Luigi’s Mansion Arcade
(themaximumutmost.wordpress.com, pine717)

[…] Luigi’s Mansion Arcade is probably best grouped with the lightgun games, although it’s not really a shooter.  The machine features two (one for each player) fairly hefty and solid replicas of Luigi’s Poltergust 5000, which is the gun peripheral used to play the game.  […]  There are two buttons on the arcade game’s Poltergust peripheral.  One on the top is used to blast a bright flash of light (the Strobulb) that stuns the ghosts and makes them vulnerable to attack.  Once stunned, the button on the Poltergust’s grip can be used to start vacuuming in the specters. […]

Nicht-News im Spielejournalismus
(textualien.wordpress.com, Andi Dittmann)

[…] Eine weitere Nicht-News erscheint schon im Oktober 2015. Sie heißt „Mass Effect: Andromeda – Bis zum Winter keine neue Details“. Eins muss man der GameStar lassen: Die Überschriften fassen die News wunderbar zusammen. Wesentlich mehr Inhalt gibt es in der News nicht.  Wobei? „In der Zwischenzeit gehen die Arbeiten an Mass Effect: Andromeda jedoch gut voran. Das geht aus einem aktuellen Tweet von Chris Wynn hervor.“ Achso? Die arbeiten weiter dran? Verrückt. Das aller-aller-aller-schlimmste aber ist es, wenn GameStar ungefiltert die eigene Lobhudelei des Entwicklerteams abtippt: […] „Mass Effect: Andromeda – E3-Präsentation soll Fans angeblich vom Hocker hauen“. […]

The Zelda of Legend
(meandnintendo.wordpress.com, anon)

[…] It wasn’t clear just how much of the original Zelda‘s spirit would make up this new game’s DNA until this past week, when The Legend of Zelda: Breath of the Wild received its full E3 coming out party. Gamers were treated to a glimpse of a massive open 3D world with biomes and if-you-can-see-it-you-can-reach-it landmarks off on the horizon. It is the first Zelda game since who-knows-how-long, probably since the original, where the player turns on the game, guides Link out of the cave he wakes up in after Rip Van Winkling it for 100 years, chooses a direction, and just… goes. The path is undefined. The world is untamed. The frontier is unending. It is (or at least it has been presented as) a game that truly is about exploring a vast world, getting lost, and finding your own way. […] Weiterlesen →

Kommentar: „Man muss auch ehrlich sein.“ (II)

„I’m sorry but this review is inherently wrong.“

Hierbei handelt es sich um die Fortsetzung des Beitrags von letzter Woche. Ich hatte eigentlich gar nicht die Absicht, meinen Kommentar Metal-Gear-Solid-V-Ground-Zeroes-01zum Dead or Alive Xtreme 3 Review von NplusX.de zu einer solchen, recht umfangreichen Auseinandersetzung mit der Gattung des Spieletests im Allgemeinen zu entwickeln, aber was passiert ist, ist passiert… Doch zuerst noch einmal zurück zum Ausgangspunkt:

NplusX-Redakteur Andreas Held mutmaßt nicht nur, dass „subjektive Grundhaltungen […] zu bestimmten gesellschaftspolitischen Themen“ Wertungen selbst dort negativ beeinflusst haben könnten, wo diese Haltungen im Rezensionstext nirgendwo zum Ausdruck kommen. Er ist auch der Ansicht, dass Sexismuskritik äußernde „Redakteure […] ein Review zu einem Videospiel als Plattform für ihre persönliche gesellschaftspolitische Agenda missbrauchen könnten“. Wenig später beklagt er: „[Es gibt] Aktivisten, die gegen solche Spiele vorgehen, als hätten wir keine größeren Probleme in unserer Gesellschafft [sic] – wie zum Beispiel Atomwaffen oder den IS.“ Ich brauche wohl kaum zu erklären, wie dumm dieser Vergleich ist (möchte allerdings anregen, dass vor einem solchen Hintergrund eine entschiedenere Kritik am reaktionären Militarismus gewisser Shooter-Franchises angebracht sein könnte). Doch sei’s drum. Was Held mit seinem krummen Vergleich eigentlich sagt, ist dieses: Sexismus in Videospielen ist irrelevant (womit er spätestens hier selbst eine „gesellschaftspolitische“ Position zum Ausdruck bringt, was er innerhalb von Videospiel-Reviews zuvor noch selbstgerecht als Missbrauch verurteilte). Ferner ist Helds Kritik an dieser Stelle nicht länger auf Spieletests beschränkt, sodass nicht klar ist, ob er damit der kritischen kulturellen und auch sozio-politischen Betrachtung von Videospielen grundsätzlich jede Legitimität absprechen möchte. Weiterlesen →

Kommentar: „Man muss auch ehrlich sein.“ (I)

Oder: Der Widerstand gegen Sexismus-Kritik an Videospielen

Ich versuche heute mal, mich kurz zu fassen und komme gleich zum Punkt:

DoAOb Dead or Alive Xtreme 3 nun ein leidlich unterhaltsames oder ein grottenschlechtes Spiel ist, ob die sexualisierten Darstellungen der Protagonistinnen als sexistisch zu werten sind, und wie entschieden man diesen Sexismus verdammt, oder verharmlost, oder ob man das Spiel nicht ohnehin doch gerade wegen diesen sexualisierten Darstellungen spielt, und inwiefern das dann wiederum verwerflich wäre – das sind Fragen, auf die hier nur ganz am Rande eingegangen werden wird und auf die an anderer Stelle eine Antwort gesucht werden sollte. Einen besonders klugen Beitrag zur aktuellen Debatte um (angeblichen) Sexismus und (angebliche) Zensur habe ich vor einigen Tagen erst verlinkt.

Mir soll es an dieser Stelle einmal nur darum gehen, auf welche Weise NplusX.de und Redakteur Andreas Held mit der Problematik umgehen, und auf welcher Basis sie argumentieren. Ich muss gestehen, dass ich mit NplusX.de (zuvor WiiUX.de, davor NintendoWiiX.net und GameCubeX.net; und irgendwann hatte die Site im deutschsprachigen Raum sogar mal eine gewisse Relevanz) ohnehin so meine Schwierigkeiten habe, aber der aktuelle Importest zu Dead or Alive Xtreme 3 ist, wie ich finde, ein weiterer Tiefpunkt in der Berichterstattung. Es zeigen sich an diesem Beispiel aber auch sehr schön einige grundsätzliche Probleme, die einer sinnvollen Entwicklung solcher Debatten immer wieder im Wege stehen.

Die Verschwörungstheorie

Eigentlich kann man ans Helds merkwürdig verkrampftem Artikel allerhand kritisieren, aber ob er langweilig und schlecht strukturiert ist, tut hier wenig zur Sache. Interessanter und auch bezeichnender ist, wie sich der Autor dagegen erwehrt, wenn kritische Ansichten zur sexualisierten Darstellung der Protagonistinnen die Wertungen für Dead of Alive Xtreme 3 mutmaßlich negativ beeinflussen. Held spricht solchen Sichtweisen nicht nur ihre Legitimität ab (worauf ich weiter unten zu sprechen komme), er wittert auch eine regelrechte Verschwörung. Weiterlesen →

Lesenswert: Zensur, Kulturkritik, Prince Interactive, n-Space

Immer donnerstags: Die WordPress-Empfehlungen der Woche. Viel Spaß beim Lesen.

Why Does „Censorship“ Only Bother Us When Boobs Are Involved?
(chi-scroller.com, Chris Hodges)

[…] What probably bothers me most about the whole thing is that the topic of censorship never seems to be on most gamers’ radars until someone threatens to take their chance to see boobs and asses away. Then all of a sudden everyone is up in arms, launching petitions, threatening boycotts, writing “political” rants when they wouldn’t normally say anything remotely political. If you truly care about censorship and freedom of expression, than you need to care whenever it happens, not just when it involves covering up female skin. […]

Games in der Kulturkritik: Och, menno!
(thevirtualmirror.wordpress.com, Wolfgang Walk)

[…] Nun ist es so, dass in der Spielebranche eigentlich rundheraus bejubelt wurde, als Spiele der Status eines Kulturgutes zuerkannt wurde. Was einigen dabei nicht so klar gewesen zu sein scheint: Dass diese öffentliche Anerkennung intellektuelle Arbeit nach sich ziehen wird. Denn natürlich stehen Spiele, die sich ja auch gerne (und mit einigem Recht) als Leitmedium dieses Jahrhunderts bezeichnen lassen, damit noch wesentlich mehr ins Zentrum der öffentlichen Betrachtung. Der Status als Kulturgut hat also auf der einen Seite das Recht mit sich gebracht, ernsthaft und mit intellektueller Ehrlichkeit und Akribie betrachtet zu werden – und auf der anderen Seite wird man jetzt zum Leidwesen so mancher Entwickler und Spieler (teilweise) intellektuell ehrlich und mit Akribie betrachtet. Das Ergebnis fällt halt nicht immer so aus, wie man das gerne hätte. […] Weiterlesen →