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Die Xbox wird 15! Das Geburtstagsspecial (IV)

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Chinese Box. So nennt man im Englischen eine Schachtel, die, wenn sie geöffnet wird, mehrere kleinere Schachteln oder (versteckte) Fächer offenbart, im übertragenen Sinne aber auch eine Sache, deren Komplexität und Inhalt auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind. Eine „X-Box“ sozusagen, bei der das X für das verheißungsvolle Unbekannte steht, das den erwartet, der willens ist, das Kästchen zu öffnen und seine Schätze an sich zu nehmen.

Mir war die klassische Xbox, wie ich in meinem eigenen Beitrag am Beginn unseres Specials bereits erzählt habe, bis heute ziemlich fremd geblieben. Durch eure Beiträge habe ich auf sehr lebendige Weise sehr viel über diese Konsole lernen können, aus der Perspektive derer, die sie tatsächlich selbst erfahren und geschätzt haben. Authentische, individuelle Eindrücke, wie sie ein simples Durchlesen eines Wikipedia-Artikels nie hätte bieten können, und wie sie wohl auch eine nachträgliche Retro-Erfahrung nur bedingt reproduzieren kann.

Die Distanz von zehn, sechzehn Jahren hat diesen Rückblick sehr spannend werden lassen. Interessant war dabei auch, dass viele Gastkommentatoren offenbar die Notwendigkeit sahen, den Lesern von heute die Xbox überhaupt erst einmal vorzustellen, obwohl ich dazu gar nicht aufgerufen hatte. Etwas Apologetisches zieht sich durch fast alle eure Beiträge. Dennoch meine ich das gar nicht als Kritik, da es mit Blick auf die Xbox offenbar Sinn ergibt und weil zumindest ich sehr viel dabei gelernt habe. Wie mag es da erst den Jungspunden ergehen, die damals weder die Xbox noch einen ihrer Konkurrenten erlebt haben?

Bill, der Brückenbauer

Im Verlauf dieses Specials ist mir vor allem eine Sache zum ersten Mal so richtig bewusst geworden: Dass die Xbox gar nicht so sehr am Rand der Videospielkultur stand, wie ich das in meiner Unkenntnis immer empfunden habe. Weiterlesen →

Die Xbox wird 15! Das Geburtstagsspecial (III)

Eine Woche lang feiern wir bei SPIELKRITIK den 15. Geburtstag der klassischen Xbox.

Heute können wir euch drei weitere Gastkommentare präsentieren, die einige unserer treuen Leser uns haben zukommen lassen. Björn stellt euch sein Lieblings-Xbox-Spiel vor, der Kollege von Yesterplay 80 erzählt, wozu die Xbox über die von Microsoft unterstützten Funktionen hinaus noch fähig war, und auch HooliNerd fasst aus seiner Perspektive noch einmal kurz zusammen, wieso ihm die Xbox unvergessen ist und welche Titel er am liebsten spielte. Alle Beiträge zum Special findet ihr hier. [sk]


Spieletipp: OutRun 2
(von Björn, aka. SpeckObst)

Die erste Xbox war so etwas wie die zweite Dreamcast und wurde daher gerade zu Beginn sehr stark von Sega unterstützt. Panzer Dragoon Orta, Crazy Taxi 3, Jet Set Radio Future, Shenmue 2. Alles hervorragende und bis heute interessante Spiele, die Microsofts Einstieg in den Konsolenkampf zu mehr als nur einer Anlaufstelle für westliche Action oder Shooter machten.

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Und obwohl über all diese Titel wahrscheinlich zu wenig gesprochen wird, ist es ganz eindeutig OutRun 2, das nie seine verdiente Aufmerksamkeit bekam. Ein fantastischer Arcade-Port, den wir heute in dieser Form niemals auf Disk gepresst bekämen. Schließlich wäre der Aufschrei über einen Vollpreis-Titel mit zugegeben wenig Spielinhalten ziemlich groß. Aber 2003 konnte – oder besser gesagt musste – man so etwas noch samt DVD-Hülle in die Händler-Regale stellen. Weiterlesen →

Die Xbox wird 15! Das Geburtstagsspecial (II)

„Life is short, play more.“

So lautete der Slogan einer kontroversen Xbox-Werbekampagne. Und tatsächlich sind sage und schreibe 15 Jahre vergangen, seit der Microsoft-Erstling in Europa gelandet ist!

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Ich freue mich, dass der erste Teil unseres Specials zum 15. Geburtstag der klassischen Xbox gestern so gut angekommen ist! Vor gut zwei Wochen hatten wir euch dazu eingeladen, uns eure Erinnerungen und Eindrücke, eure Lieblingsspiele und Geheimtipps zukommen zu lassen. Zwei dieser Einsendungen lest ihr hier: Zuerst bietet euch Eric einen umfangreichen Überblick über das System und seine besten Spiele, danach erzählt Christine, welche Bereicherung die Xbox für ihre eigene Videospiel-Karriere war.

Schreibt uns: Wie war das bei euch? Und welche der vielen außergewöhnlichen Funktionen der Xbox habt ihr genutzt? Wir freuen uns, wenn ihr unseren Lesern und den Autoren einen Comment hinterlasst! [sk]


Die Entdeckung der schwarzen Schatzkiste
(von Eric Retzlaff, von RetroStage)

Für mich ist die Xbox (schreibe meist XBOX) eine unterschätzte Konsole, welche die Community immer als „Feindobjekt“ deklariert hat: Microsoft war/ist böse, die Xbox glich mehr einem PC als einer Konsole und immer wurde bemängelt, dass es zu wenige Exklusiv-Spiele gab, zu wenige Must-Haves, noch dazu sei generell der Support zu gering gewesen.

In der Tat: nur von 2001 bis 2006 lief die „effektive“ Xbox-Zeit, danach wurde sehr schnell auf die X360 gewechselt. Diese wirkte eleganter, kam nicht mehr so „brachial“ herüber und sollte vor allen Dingen günstiger herzustellen sein. Man munkelte, dass Microsoft mit jeder verkauften Xbox gigantische Summen an Geld verprasste, weil die Kombination leistungsfähiger Luxus-Hardware mit Festplatte zu teuer für den Massenmarkt war. Wir erinnern uns an die Konkurrenz: Die PS2 schrumpfte zur Slim (2004) und der GameCube wurde Mitte 2005 hierzulande schon für 66 Euro angeboten – inklusive Mario Kart! Weiterlesen →

Die Xbox wird 15! Das Geburtstagsspecial (I)

Heute vor 15 Jahren, am 14. März 2002 erschien die Xbox in Europa.

Wir befinden uns im Jahre 2017 n.Chr. Die ganze Videospiel-Welt erkundet auf ihrer Nintendo Switch mal wieder Hyrule. Die ganze!? Nein! Eine Handvoll unbeugsamer Games-Blogger leistet Widerstand und blickt zurück… Auf die erste Xbox! Heute vor genau 15 Jahren, am 14. März 2002, bereicherte Microsoft die europäische Heimkonsolen-Landschaft um die bis dahin leistungsstärkste Konsole. Der ideale Zeitpunkt also, um an dieses prägende Ereignis zu erinnern – und SPIELKRITIK.com endlich auch um eine ordentliche Portion Xbox zu bereichern.

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Ich freue mich, dass insgesamt fünf Spielkritik-Leser unserer Einladung gefolgt sind und ihre eigenen Erinnerungen, Anekdoten und Empfehlungen rund um den dicken schwarzen Kasten in Worte gepackt haben. Den Anfang machen heute Daniel und ich, oben drauf gibt’s einen Spiele-Geheimtipp von Roberto von Polygonien.de – und morgen dann den Rest eurer Einsendungen. Dafür vielen Dank und viel Spaß beim Lesen! 🙂

Und wenn ihr schon hier seid: Lasst uns doch ein paar Comments da! Was war euer erster Kontakt mit der Xbox? Was hat euch zum Kauf bewogen – oder davon abgehalten? Wann habt ihr zuletzt mit eurer alten Xbox gespielt? Was waren eure Lieblingsspiele, oder, falls ihr auf anderen Systemen daheim wart, auf welche habt ihr neidisch geschaut? [sk]


Die unfassbare Xbox: Eine Spurensuche
(von Spielkritik-Chefredakteur Sylvio Konkol)

Die Generation der Xbox, der PlayStation 2 und des GameCube war die erste, die ich bewusst als solche wahrgenommen habe. Weiterlesen →

Das Harvest Moon 64 Bauerntagebuch (III). Die Tage 8 bis 14.

Der Frühling des ersten Jahres: Routine stellt sich ein.

8. Tag

Regen. Im grauen Morgenlicht ernte ich die letzten noch verbliebenen Rüben. latest-3.pngDanach laufe ich ins Dorf, um weiteres Saatgut zu besorgen. Während ich warte, dass die Geschäfte öffnen, spaziere ich über den verregneten, menschenleeren Marktplatz und fühle mich zur selben Zeit verloren und frei. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, oder ob ich einfach nur dem Regen entfliehen möchte, aber zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Flower Bud Village setze ich einen Fuß in die kleine Dorfkirche. Der dicke Pastor mit den runden Brillengläsern schaut aus wie einer englischen Krimiserie entsprungen, ein alter Kohleofen hält das Gebäude warm und vermag auch mich ein wenig aufzuwärmen.

Beim Samenhändler begegne ich heute gleich zwei attraktiven Frauen, mit denen ich das Vergnügen bisher kaum hatte: die Tochter der Floristin selbst, sowie die charmante Konditorstochter. Nachdem ich die benötigten Samen gekauft habe, spaziere ich zur Green Ranch, die südlich des Dorfzentrums bzw. südwestlich von meiner eigenen Farm liegt: Nun, wo meine Einkünfte eine gewisse Stabilität erreicht haben, möchte ich gern wissen, was ich für Nutztiere aufbringen müsste. Leider sind sogar die Hühner für meine Verhältnisse noch viel zu teuer: 1500 G.

Im Stall treffe ich das rothaarige Mädchen Ann, die Tochter des Besitzers, die auf mich wie ein stereotypisches, unbekümmertes Bauernmädchen wirkt, und damit eher uninteressant… Ich denke wieder an das Mädchen vom Weingut, das ich seit Tagen nicht gesehen habe, und beschließe, sie so bald als möglich aufzusuchen. Weiterlesen →

Das Harvest Moon 64 Bauerntagebuch (II). Die Tage 2 bis 7.

Farming like it’s 1999! Hier geht’s zum ersten Teil des Bauerntagebuchs.
Der Frühling des ersten Jahres. hm64cover

2. Tag

Ich muss so bald wie möglich Geld verdienen und habe mir vorgenommen, heute mindestens eine Parzelle Ackerland zu bestellen. Doch die Tage sind kurz und so gelingt mir auch heute nicht mehr, als zumindest die Böden zweier Parzellen vorzubereiten. Danach muss ich nämlich feststellen, dass der örtlichen Samenhändler bereits geschlossen hat… Geschäfte, die 5 Uhr nachmittags schließen: Auch daran muss ich mich erst wieder gewöhnen.

Mir kommen Zweifel, ob ich meiner Aufgabe wirklich gewachsen bin. Ich wusste natürlich, dass viel Arbeit, mitunter stupide Arbeit auf mich warten würde, hätte mir das Leben auf dem Land allerdings entspannter vorgestellt… Da ich ohne Saatgut nicht viel tun kann, besuche ich die kleine Kneipe, auf die mich auch der Bürgermeister schon hingewiesen hatte. Fünf Leute sind im Raum, den Inhaber eingeschlossen. Die Preise scheine mir für eine Dorfkneipe allerdings ordentlich gepfeffert: 300 für ein Glas Wein, sogar 350 für ein Bier! Das entspricht ziemlich genau dem, was ich auch in meinen Taschen habe, was aber für den Kauf der Saaten am nächsten Tag reichen muss. Immerhin darf ich ein Glas Wasser umsonst haben.

karenMir fällt ein hübsches Mädchen ins Auge, das mit ihren kolorierten Haarsträhnen so gar nicht in das Bild der traditionsverliebten Dörfler passen will. Als ich sie anspreche, reagiert sie ruppig und signalisiert mir, dass ich sie in Ruhe lassen soll. Nun gut… In einer Ecke sitzt ein kräftiger Herr, der zwar nicht gut riecht, dessen bärtige Grummeligkeit mir aber irgendwie sympathisch erscheint – aber auch er hat keine Lust, mit mir, dem Fremden, dem Neuling zu schwatzen. Einzig ein braungebrannter junger Kerl zeigt sich aufgeschlossen. Ungefragt erzählt er mir von den Differenzen zwischen irgendeinem Elternpaar und ihrer Tochter, der das Leben auf dem Dorf offenbar zu öde ist… Ein Mädchen vom Dorf, das sich nach den Orten sehnt, denen ich gerade entflohen bin? Das bringt mich ins Grübeln. Auf dem Weg nach Hause mache ich einen kleinen Umweg in den Wald um Moon Mountain und sammle ein paar Beeren. Dann kehre ich zurück in mein karges, düsteres Heim und ich fühle mich ein wenig einsam. Weiterlesen →

Farming like it’s 1999! Das Harvest Moon 64 Bauerntagebuch (I). Der 1. Tag.

Heute vor genau 20 Jahren kam das Nintendo 64 nach Europa.

Ebenfalls vor rund 20 Jahren gelangte zum ersten Mal ein Titel der Harvest-Moon-Reihe in den Westen: Harvest Moon erschien als eines der letzten Super-Nintendo-Spiele in den USA und etwas später auch in Europa (und wird von nicht wenigen noch immer als der charismatischste Teil der Reihe angesehen).

Natsume nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, den hierzulande kaum bekannten zweiten Heimkonsolenableger der damals noch unverbrauchten Reihe – Harvest Moon 64 – erstmals auf die Virtual Console zu bringen – und damit zum ersten Mal überhaupt auch nach Europa, wo das Spiel nach dem 1999er US-Release, einer ersten Ankündigung und etlichen Verschiebungen letzten Endes nie erschienen war.

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Ich habe dem Chicago von Watchdogs und dem Shibuya von Tokyo Mirage Sessions den Rücken gekehrt, den langsamen Zug nach Flower Bud Village bestiegen und mich in ein nostalgisches Bauerndasein gestürzt, das ich bisher nur aus weniger offiziellen Formen der Emulation kannte…


Der Frühling des ersten Jahres.

1. Tag

Heute bin ich einem kargen, düsteren Zimmer aufgewacht: das einzige Zimmer im Haus meines verstorbenen Großvaters. Einen Moment lang frage ich mich, was ich mir dabei gedacht habe, dem Glitzer und der Erregtheit der Großstadt zu entsagen, um hier im Nirgendwo Äcker zu bestellen und Kühe zu melken. Ist es Nostalgie? Weiterlesen →