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GASTSPIELER: Ein kurzer Ausflug in die Welt der französischen Videospiele

Ein Gastbeitrag von Eric Retzlaff
Mehr zum GASTSPIELER Special erfahrt ihr hier.
Inhalt: close-up-1839974_1920
  1. Die Kunst- und Kulturdebatte
  2. Französische Spielekunst
    – Éric Chahi: Another World
    – Frédérick Raynal: Alone in the Dark
    – Michel Ancel: Rayman
  3. Gibt es eine französische Spielessenz?
    – Liste der Entwickler und Publisher, alphabetisch
  4. Kreative Freiräume vs. Kommerz
  5. Fazit

Um mich mal am deutsch-französischen Diskurs zu beteiligen, halte ich es für wichtig, etwas mehr Einblick in französische Videospiele zu geben. Warum? Weil es eigentlich nicht so viele gebündelte Informationen zu dem Thema gibt und die Sprachbarriere oft dafür sorgt, dass man sich im angloamerikanischen Sprachraum bestens auskennt, aber über Frankreich dann doch relativ wenig weiß. Auf das Thema bin ich über die StayForever Podcasts von Christian Schmidt und Gunnar Lott gestoßen, die immer wieder französische Spieler anschneiden. Also Butter bei die Fische und selbst was dazu beitragen! Weiterlesen →

GASTSPIELER: Eine Wundertüte des Ersten Weltkriegs: Battlefield 1 aus Sicht eines Historikers

Ein Gastbeitrag von Iris Traumann
Mehr zum GASTSPIELER Special erfahrt ihr hier.
Titelbild
1914 und hundert Jahre später…

Lange warteten Fans der Battlefield-Reihe auf ein Setting im Ersten Weltkrieg. Battlefield 1 erschien im Oktober 2016 und wurde, genau wie seine Vorgänger, von Digital Illusions Creative Entertainment AB (DICE) in Schweden entwickelt.

Die Geschichte des Ersten Weltkrieges kennen viele noch aus der Schulzeit. 2014 waren es 100 Jahre, dass sich die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ ereignete. In Medien, Dokumentationen, ja auch in Videospielen (wie z.B. Valiant Hearts) wurde eine Erinnerungskultur praktiziert, die wohl doch an den meisten vorbeiging oder aufgrund übertriebenen medialen Inputs und moralischen Diskussionen gerade von jungen Leuten ignoriert wurde. Zu sehr sind viele es leid, immer wieder mit moralisch erhobenem Zeigefinger an die Kriege Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert zu werden.

100 Jahre sind lange her. Und wir, die wir in Westeuropa leben, kennen seit circa 70 Jahren in unseren eigenen Gefilden den Krieg nur aus Filmen (meist aus Hollywood) oder eben Videospielen. Selbstverständlich schafft dies eine unwirkliche Distanz zu unserer Vergangenheit. Vielleicht ist dies gut, vielleicht auch nicht. Bedenken sollte man, dass vor allem bei der Battlefield-Serie, die auch andere Kriege des 20. Jahrhunderts behandelt, mitunter auch der amerikanische Markt bedient wird. Und viele Amerikaner und Nicht-Europäer haben über den Ersten Weltkrieg, zumindest aus medialer Sicht, wenig Kenntnis über die Ursachen und Ausmaße dieses Krieges. Meistens, zumindest fiel mir dies in vielen Foren auf, wird der Erste Weltkrieg mit dem Zweiten Weltkrieg von vielen jungen Amerikanern  gleichgesetzt oder gar „vermengt“. Es ist schon seltsam, wenn man Posts liest, die Soldaten des Kaiserreichs unter Wilhelm II. als „Nazis“ bezeichnen. Weiterlesen →

Eine Ästhetik des Abnormalen: Körperliche Behinderungen in Killer 7

Ich durfte einen Gastbeitrag auf Pixeldiskurs.de veröffentlichen!
Eine Ästhetik des Abnormalen: Körperliche Behinderungen in killer7 ist seit heute online.

[…] Die Mitglieder der killer7 erscheinen als ‚Freaks’ und werden im Spiel auch explizit als solche bezeichnet, wobei kein Unterschied gemacht wird zwischen denen, die körperliche Behinderungen aufweisen, und denen, die das nicht tun. Generell sind die behinderten Figuren den anderen in Gänze gleichgestellt: Beispielsweise ist der blinde Con Smith nicht nur ein unabdingbares Mitglied des Ensembles, weil er einzigartige Fertigkeiten mitbringt (von denen einige einen Bezug zu seiner Behinderung haben und andere nicht), er ist in seiner Profession als Assassine auch nicht auf die Hilfe anderer angewiesen. […]

Dazu ein paar Worte. Der Februar stand bei Pixeldiskurs im Zeichen des Themenmonats „Spiele und Behinderungen“, der sich unter anderem mit der Darstellung von körperlichen Behinderungen in Videospielen beschäftigt hat, aber auch damit, wie behinderte Personen digitale Spiele erleben. Weiterlesen →

GASTSPIELER: Eine Geschichte des Misserfolgs: Videospiel-Verfilmungen

Ein Gastbeitrag von Christian Neffe
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Die Erde tut sich auf. Giftige Dämpfe steigen in die Luft, blutrote Flüsse, der Himmel verdunkelt sich. Frosch-Regen. Der geübte Videospieler weiß, was dieses Szenario bedeutet: Eine neue Videospiel-Verfilmung steht in den Startlöchern. Weiterlesen →

GASTSPIELER: Wider den Elitismus

Ein Gastbeitrag von Matthias Schillig
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Früher war nicht alles besser

Ich würde mir wünschen, die Menschen lernten entspannter miteinander umzugehen.

Man mag es in Anbetracht meiner jugendlichen Erscheinung kaum erahnen, doch ist es mir vergönnt, schon seit mehreren Dekaden auf diesem Erdenrund zu wandeln. Innerhalb dieser Zeit habe ich es vollbracht, bemerkenswert wenig nennenswerte Dinge zu vollbringen, was vor allem dem Umstand geschuldet sein mag, dass ich den Großteil meines bisherigen Lebens mit Videospielen verbracht habe. Die ersten virtuellen Abenteuer auf dem Sega Master System der Geschwister bestehend, breitete sich meine Interessensphäre schnell in alle Richtungen aus, krakengleich alle elektronischen Unterhaltungsplattformen umklammernd, welche nicht schnell genug aus meiner Reichweite entfernt werden konnten.

Nach vielen Jahren meines Lebens mag ich zynischer und anspruchsvoller geworden sein, doch ist meine Leidenschaft, trotz ihrer etwas anders gearteten Natur noch immer ungebrochen. Es weiß mich wahrlich zu faszinieren, wie sich das Medium der Videospiele weiterentwickelt hat, wie viele Möglichkeiten des Spielens heutzutage existieren und vor allem, welche immensen Anteile der Bevölkerung sich nun der virtuellen Unterhaltung hinzugeben pflegen. Eine Sache jedoch hat mich in der gesamten Zeit begleitet und statt langsam zu verschwinden, scheint derlei heutzutage noch wesentlich verbreiteter zu sein, als zu jenen Zeiten, in denen ich mein Alter in einstelligen Zahlen anzugeben vermochte.

Ich spreche von den extremen Grabenkämpfen zwischen einzelnen Gruppen von Videospielfans. Tatsächlich ist dieses Phänomen unter Menschen ja auch jenseits der Sphäre dieses Hobbys weit verbreitet, jedoch wirkt es in diesem Kontext in besonderem Maße bizarr, ja oftmals schlicht lächerlich. Weiterlesen →

GASTSPIELER: Der Effekt der ludo-narrativen Dissonanz

Ein Gastbeitrag von Sascha Kretzschmar
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Die moderne Ära der Videospiele begann für mich mit der ersten Playstation. Allen voran bewies Metal Gear Solid, dass die fortgeschrittene 3D-Technik dazu in der Lage ist, eine Videospielgeschichte filmisch zu inszenieren. Videospiele waren fortan nicht nur dazu da, dem Spieler ein forderndes Gameplay zu liefern, sondern Entwickler hatten nun die Möglichkeit, einen interaktiven Film zu erschaffen. Die Interaktion mit dem Medium ist exakt, was Videospiele für mich so interessant macht. Der Spieler bekommt nicht nur eine Geschichte abgespielt, sondern nimmt aktiv an dieser teil. Zwischen der Geschichte im Spiel und den Aktionen des Spielers kann allerdings eine Abweichung auftreten, die das Eintauchen des Spielers in die Spielwelt behindern kann. Diese Abweichung wurde von Clint Hocking (Chefdesigner Far Cry 2 und Ex-Creative Designer von LucasArts) bereits 2007 in einem Blogeintrag über Bioshock als ludonarrative Dissonanz beschrieben. Der Begriff beschreibt den Konflikt zwischen der Geschichte, die ein Videospiel erzählt, und dem Gameplay, das die Meta-Narrative für den Spieler bildet.

Diskrepanz von Gameplay und Geschichte

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Das Reboot von Tomb Raider aus 2013 ist hierfür ein geeignetes Beispiel. Das Reboot erzählt die Ursprungsgeschichte von Lara Croft. Der Spieler übernimmt die Kontrolle der unerfahrenen Protagonistin, die auf einer Insel gestrandet zu überleben versucht. Weiterlesen →

GASTSPIELER: Halbzeitfazit und alle Autoren

Fünf Gastartikel, ein Zwischenfazit

Kurzer Blick zurück: Seit Mitte Dezember hat SPIELKRITIK mit der Aktion GASTSPIELER Neuland beitreten: Mehrere handverlesene Autoren waren eingeladen, einen Gastartikel ihrer Wahl zu verfassen und die ersten Ergebnisse dieses Aufrufs sind seit einigen Wochen auf Spielkritik.com zu lesen. Alle Hintergründe des Specials und einen kurzen Rückblick auf das vergangene Jahr könnt ihr in diesem Editiorial nachlesen.

Mein Fazit zu den ersten fünf Artikeln könnte nun kaum besser ausfallen: Mit ihren durchweg lesenswerten Beiträgen haben die Gastautoren SPIELKRITIK um frische Themen und Perspektiven bereichert, es wurden Kontakte geknüpft und einige Aufmerksamkeit außerhalb der kleinen Blogger-Bubble generiert, wie u.a. erst kürzlich eine Erwähnung in den Wochenend-Lesetipps von GamersGlobal gezeigt hat. Klickzahlen allein verraten natürlich nichts über die Qualität eines Artikels, trotzdem sei angemerkt, dass sich der Tagesdurchschnitt sowohl der Klicks als auch der Besucherzahlen auf Spielkritik.com seit Beginn des Specials in etwa verdoppelt hat und auch während der gegenwärtigen „Halbzeitpause“ auf diesem Niveau verblieben ist. Genau so sehr freut es mich, wie viel Beachtung die Gastartikel selbst erhalten haben: Alle fünf Artikel rangieren unter den meistgelesenen Beiträgen auf Spielkritik.com, zwei von ihnen sind sogar dicht dran, den Spitzenplatz für sich zu beanspruchen. Dass die Artikel nicht nur angeklickt und dann vergessen wurden, zeigt die große Zahl von Leserkommentaren. Mitunter wurden Diskussionen losgetreten, deren Gehalt und Unterhaltsamkeit den Artikeln selbst in nichts nachstehen. Auch dafür ein herzliches Dankeschön!

Für alle, die das GASTSPIELER Special noch nicht kennen oder einzelne Episoden verpasst haben, gibt es hier noch einmal einen Überblick über alle bisherigen Autoren und Autorinnen mitsamt ihrer Themen. Wenn euch ein Artikel gefällt, würde ich mich freuen, wenn auch ihr den Autoren eure Wertschätzung zukommen lasst, indem ihr sie mit Feedback in Form eines kurzen Kommentars unter ihren Artikeln belohnt – oder gleich selbst in eine der Diskussionen mit einsteigt. Weiterlesen →

GASTSPIELER: Ehre, wem Ehre gebührt?

Ein Gastbeitrag von Roberto Kracht
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Genau wie Filme, Bücher oder Musik werden auch Videospiele nicht von Robotern in irgendwelchen Fabriken erschaffen, sondern von Menschen, die das Werk durch ihre Persönlichkeit und ihre Erfahrungen nachhaltig prägen. Und spätestens jetzt, wo das Medium auch endlich anfängt, die inhaltlichen Ketten eines reinen Entertainment-Produkts abzuschütteln, sollte man eigentlich erwarten, dass auch die herausragenden Menschen hinter den Projekten als solche anerkannt werden, oder?

In den Neunzigern, als Videospiele die dritte Dimension eroberten und man allmählich begann, sie nicht mehr nur als reines Spielzeug für Kinder und „Freaks“ zu betrachten, rückten auch die Entwickler mehr ins Rampenlicht. Einer von ihnen war der junge John Romero. daikatana_bitch_adZusammen mit dem Programmierer-Genie John Carmack und einem kleinen Team namens id Software hatte er DOOM geschaffen, das zu einem globalen Phänomen wurde und nicht nur andere Entwickler, sondern die gesamte Popkultur beeinflusste. Im Gegensatz zu seinen Kollegen, die ihren Erfolg eher im Stillen genossen, avancierte er daraufhin mit seinem exzentrischen Auftreten und einer guten Portion Charisma zu einer Art Rockstar der Videospielwelt. In Europa hatte man zum Beispiel Peter Molyneux, der zwar im Vergleich mit Romero geradezu bieder wirkte, aber vor Ideen nur so sprühte und der Welt mit einem ähnlichen Enthusiasmus von seinen Projekten erzählte.

Jener Enthusiasmus und der Hang dazu, den Medien und Fans mit beinahe kindlicher Freude von Ideen zu erzählen bevor überhaupt klar ist, ob sie es auch wirklich ins fertige Spiel schaffen, wurde ihnen dann auch zum Verhängnis. Nachdem die ersten Spiele nicht mehr die Erwartungen der Fans erfüllen konnten, sah man sie nämlich nicht als Künstler, die einen Blick in den kreativen Prozess gewährten, sondern als Vertreter, die ihnen mit falschen Versprechungen ein mieses Produkt aufschwatzen wollten. Weiterlesen →

GASTSPIELER: Von Spieleberatern und Co-Piloten

Ein Gastbeitrag von Patrick Pohsberg
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Ich weiß, es ist schwer zu glauben, aber es gab mal eine Zeit in der Spiele relativ schwer waren und man nicht einfach ins Internet gehen und sich auf Youtube einen Walkthrough anschauen konnte. So schwer, die letzten Level eines Spiels nur den besten hartnäckigsten aller Spielern vorzuenthalten. So schwer, Nintendo dazu zu veranlassen, neben den üblichen Anleitungsheftchen, in denen primär die Funktionsweise des Spiels erklärt wird, auch noch die sogenannten Spieleberater zu veröffentlichen.

In Zeiten ohne Internet und dem Videospieljournalismus noch in seinen Kinderschuhen, waren Spieleberater neben dem nicht immer ganz verlässlichen Austausch auf dem Schulhof eine solide Quelle für Tipps und Tricks zum Lösen meiner Lieblingsspiele. Da ich damals™ nur ziemlich begrenzten Zugriff auf unseren (Super) Nintendo hatte, verbrachte ich in meiner Kindheit viele Stunden abseits des Fernsehers damit, diese meist um die 80-seitigen Bücher zu studieren. Weiterlesen →