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Kommentar: Götter, die das Leid nicht kennen – Krankheit und Behinderung im Videospiel

Harder, Better, Faster, Stronger

Es läuft bei uns, soviel ist klar: Wir erstellen einen Avatar frei nach unseren Wünschen. Größe, Hautfarbe, Stats. Natürlich sind wir gezwungen, Kompromisse zu machen, wir können schließlich nicht vom Start weg der unbesiegbare Held sein, im Umgang mit der Axt genau so versiert wie in Feuermagie und Heilzaubern. Doch das ist kein Problem, schließlich wissen wir, wir werden stärker werden. Jeder besiegte Gegner bringt uns voran, immer weiter, immer aufwärts, die Vollkommenheit vor Augen. Stufe 100, das Maximum – wir wissen, dass wir es erreichen können, wenn wir die Zeit nur investieren. Das ewige Level, auf dem wir nimmermüde Halbgötter unsere Schlachten schlagen – und nur das nächste Add-On, das den Levelcap erhöht, kann uns unsere Vollkommenheit noch nehmen.

latest-1Falls uns doch einmal so richtig zugesetzt wird: der Verbandskasten oder die Magic Potion werden’s schon richten. In modernen Ego-Shootern braucht es nicht einmal mehr das; es genügt, wenn wir wenige Sekunden hinter einer Ecke Schutz suchen und schwuppdiwupp: die Wunden sind geheilt. Und sollten wir von der Wahl unserer Skills irgendwann einmal gelangweilt sein – das notwendige Item, um sie zurücksetzen und die gesammelten Skill Points neu zu vergeben, wartet auch schon in unserem Inventar. Unheimlich komfortabel ist das alles. Als Konsumenten werden wir von den meisten Spielen umhegt und gepflegt wie der junge Siddhartha Gautama in seinem Palast, dem Alter, Krankheit und Tod vorenthalten werden – schließlich soll er Herrscher werden und nicht Buddha.

Norm und Normabweichung

Es ist einige Wochen her, dass ich Garcian Smith aus Killer 7 vorgestellt habe, im Rahmen einer neuen Reihe von Artikeln, deren Absicht es ist, beachtenswerte schwarze Videospiel-Protagonisten ins Rampenlicht zu rücken. Im Zuge dessen sind mir allerdings noch einige weitere, ungewöhnliche Dinge am Cast von Killer 7 aufgefallen, die es lohnt hier einmal anzusprechen. Weiterlesen →

Extraordinary Gentlemen: Black Characters in Games – Folge 1: Garcian Smith in Killer 7

„We don’t get many black folk in this town.“ (Killer 7)

Mir war natürlich klar, dass Schwarze in Form von Videospielcharakteren deutlich unterrepräsentiert sind. Als ich meine Nintendo- und SEGA-lastige Spielebibliothek vor diesem Hintergrund durchgegangen bin und nach erwähnenswerten schwarzen Charakteren abgesucht habe – vor allem natürlich nach solchen, die sich vom Spieler kontrollieren lassen – war ich dann aber doch erstaunt, wie furchtbar wenige es tatsächlich sind. In deutlicher Erinnerung waren mir aus dem Kreise dieser wenigen Figuren wiederum nur wenige, was vor allem damit erklärt sein dürfte, dass die meisten von ihnen dem Stereotyp des ernst dreinblickenden, muskelbepackten Hünen folgen und entsprechend austauschbar erscheinen. Natürlich ist es dann auch nicht verwunderlich, dass insbesondere solche Games eine Rarität sind, die uns einen einzelnen schwarzen Protagonisten steuern lassen – im Unterschied zu Spielen, meine ich, die ein vergleichsweise breites Ensemble an spielbaren Charakteren präsentieren. In letztere Kategorie fallen vor allem Prügelspiele, und das schon seit der Goldenen Ära des Genres in den 90ern. Doch während kein anderes Genre eine solche Diversität – nicht nur in Hinblick auf Ethnie oder „Rasse“, sondern beispielsweise auch Subkulturen und Geschlechter – aufweist, kommen diese Darstellungen über die Reproduktion verbreiteter Stereotypen doch nur selten hinaus, sodass die Auftritte von schwarzen Kämpfern und Kämpferinnen in Prügelspielen in den meisten Fällen einen eher ambivalenten Eindruck hinterlassen.

Es ist leicht, Garcian Smith aus Capcoms „Killer 7“ ebenfalls als einen solchen Ensemble-Charakter abzutun, was ein Grund sein könnte, warum er in Diskussionen um Schwarze in Videospielen nur selten genannt wird. Unter den sieben titelgebenden Attentätern erscheint Garcian – wenigstens auf den ersten Blick – als ein spielbarer Charakter unter vielen. Die Gestaltung der US-Boxart, sowie der grässlichen Boxart speziell der Playstation 2 Version in Japan, scheinen diesen Eindruck zu bestätigen. Weiterlesen →

Lesenswert: Super Mario Sprites, Rassismus, Kolonialismus, Wertungsanomalien, Popkultur

Die Leseaufforderungen der Woche – immer donnerstags bei Spielkritik.com. Diese Woche: Civilization VI und Mafia III in außerordentlichen Reviews. Reale und imaginierte Ungerechtigkeiten. Unterdrückung. Horror. Kariertes Papier. Bis nächste Woche.

Ride or Die: Mafia III Review
(ontologicalgeek.com, Tanya DePass)

[…] I never got into games like Mafia because it was all gun­play, same old tropes on repeat. I’ve had my fill of being a scruffy white dude, or in this case a white gang­ster out to get his before every­one else. By giv­ing Lincoln cen­ter stage for a revenge tale, espe­cially with­out excus­ing or shy­ing from race, I was hooked. […] I’m used to the occa­sional fool, but since stream­ing Mafia III? I’ve been told to die, asked to turn up the bright­ness in the game because they couldn’t see Lincoln. […]

Colonization VI
(indieflock.net, FalseShepard)

[…] Der Kolonialismus ist ein wichtiger Teil der Weltgeschichte und für Nationen wie England und Spanien sogar derart maßgeblich, dass es Sinn macht, ihn in ihrem speziellen Nationalfähigkeiten zu verankern. Doch ist die Perspektive, aus der auf die Kolonialzeit geblickt wird, eine sehr einseitige: Letztendlich bringt er nur Vorteile. Raj, die Schatzflotte, koloniale Steuern und Rotröcke bringen mein Reich alle auf ihre Art weiter und schaden im Spiel auch niemandem direkt. Auch die Rollenverteilung ist klar; Von den zehn europäischen Völkern sind die Hälfte Kolonialmächte, Leidende gibt es lediglich vier: Indien, Brasilien, Kongo und die Azteken. […]  Weiterlesen →