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Lesenswert: Vietnam, Replaying Japan 2016, DoA Xtreme, Assassin’s Creed III, Public Domain Characters, Übersetzungen

In sechs Artikeln um die Welt: Feldforschungen in Vietnam und Game Studies in Leipzig: Replaying Japan 2016. Kulturelle Differenzen: Japanische Sexualität in Dead or Alive Xtreme und amerikanische Ureinwohner in Assassin’s Creed III. Worte am Anfang und am Schluss: Gemeinfreie Figuren als Videospielgrundlage und die schwierige Suche nach der besten Übersetzung. Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken – und bis nächste Woche!

Spielendes Vietnam
(pitforman.wordpress.com, Dirk Poerschke)

[…] Zuerst dachte ich, es gäbe keine digitale Spielkultur. In Kaufhäuser oder Märkten sieht man nirgends Games. Werbung für Spiele fehlt auch völlig. Selbst in einen Fachmarkt für Elektronik waren auf über 5 Etagen keine Spiele, nicht einmal Konsolen oder ähnliches zu finden. Dann half mir Duke The Hobbit Hoang, ein Tattoo Künstler […] weiter. Natürlich spielt man Games in Vietnam. Er hatte bis vor 3 Jahren noch als Zeichner für Game-Entwickler gearbeitet und ist dann schweren Herzens ausgestiegen. Viele Firmen produzieren in Vietnam mobile Spiele für Handy und Tablet, Free to play Games sind ein ziemlicher Renner. Für Spiele mit etwas mehr Aufwand (die seinem eigenen Anspruch eher entsprachen) ist Vietnam ein super hartes Pflaster. […]

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(j-junk.de, Idolmeister)

[…] Iwatani erläuterte auf witzige Weise in seiner Keynote seine Gamedesign-Philosophie: Er möchte inklusive, gewaltfreie Spiele machen, die jeden ansprechen. Dazu muss der Spieler sofort intuitiv erkennen können, was man in dem Spiel machen muss (in der Tat zeigte er sogar ein Video von einem Schimpansen, der richtig gut Pac-Man zocken konnte). Iwatani erklärte dann, wie diese Philosophie in die Programmierung Pac-Mans einfloss (z.B. die Geister-KI). Interessant: Pac-Man war ursprünglich viel langsamer und wurde nur beschleunigt, damit der Qualitätscheck schneller abgeschlossen werden konnte — dabei stellte das Team fest, dass ein schnelleres Pac-Man viel spaßiger ist! […]

PixelSENF #7: Problemstellungen ohne Gesamtbild
(derschauder.blogspot.de, Rainer Schauder)

[…] Denn aller oberflächlichen Betrachtungen und Interpretationen zum Trotz, leidet Dead Or Alive in der Außenwahrnehmung hauptsächlich an einer Unterschätzung des Kontexts und an einer Überschätzung der Bedeutung von Sexualität aus Sicht des Beobachters. […] Weiterlesen →

Kritik: Beach Spikers: Virtua Beach Volleyball

Beach Spikers von Sega AM 2 ist nicht nur ein exzellenter Port eines exzellenten Arcade-Games, es ist vor allem auch eines der besten Multiplayer-Spiele auf dem GameCube.

Die Olympischen Sommerspiele in Rio nähern sich schon wieder ihrem Ende. Schon früh im Verlauf dieser Spiele zog ein Sport Aufmerksamkeit auf sich, der für eine Austragung in Brasilien wie gemacht schien: Beachvolleyball konnte das Publikum begeistern wie noch nie zuvor. Am Ende durften sich brasilianische und deutsche Teams über Gold freuen. Im Laufe der Jahre hat es die Randsportart auch schon zur einen oder anderen Videospielumsetzung gebracht (sicherlich öfters, als das etwa bei Hallenvolleyball der Fall sein dürfte): „Blobby Volley“ sieht man selbst heute noch auf Schulcomputern laufen und das Dead or Alive Xtreme Franchise war erst kürzlich wieder in einiger Munde. Der Volleyball-Part der Tecmo-Produktion spielte in diesen Diskussionen allerdings kaum noch eine Rolle und so befindet sich Beachvolleyball auf Konsolen derzeit im Dornröschenschlaf.

Das war einmal anders: Für die kurze Dauer von gerade einmal zwei Jahren explodierte das Sub-Genre geradezu: Das Jahr 2003 sah nicht nur die Veröffentlichung von Dead or Alive Xtreme Beach Volleyball, damals noch ein XBox-Vorzeigetitel und begleitet von viel Kritikerlob, sondern auch vom etwas anarchischeren Outlaw Volleyball (ebenfalls XBox) sowie Acclaims Summer Heat Beach Volleyball auf der Playstation 2. Bereits im Vorjahr hatte es Segas „Beach Spikers: Virtua Beach Volleyball“ aus der Spielhalle exklusiv auf den GameCube geschafft – und dankenswerterweise auch nach Europa. Weiterlesen →

Kommentar: „Man muss auch ehrlich sein.“ (II)

„I’m sorry but this review is inherently wrong.“

Hierbei handelt es sich um die Fortsetzung des Beitrags von letzter Woche. Ich hatte eigentlich gar nicht die Absicht, meinen Kommentar Metal-Gear-Solid-V-Ground-Zeroes-01zum Dead or Alive Xtreme 3 Review von NplusX.de zu einer solchen, recht umfangreichen Auseinandersetzung mit der Gattung des Spieletests im Allgemeinen zu entwickeln, aber was passiert ist, ist passiert… Doch zuerst noch einmal zurück zum Ausgangspunkt:

NplusX-Redakteur Andreas Held mutmaßt nicht nur, dass „subjektive Grundhaltungen […] zu bestimmten gesellschaftspolitischen Themen“ Wertungen selbst dort negativ beeinflusst haben könnten, wo diese Haltungen im Rezensionstext nirgendwo zum Ausdruck kommen. Er ist auch der Ansicht, dass Sexismuskritik äußernde „Redakteure […] ein Review zu einem Videospiel als Plattform für ihre persönliche gesellschaftspolitische Agenda missbrauchen könnten“. Wenig später beklagt er: „[Es gibt] Aktivisten, die gegen solche Spiele vorgehen, als hätten wir keine größeren Probleme in unserer Gesellschafft [sic] – wie zum Beispiel Atomwaffen oder den IS.“ Ich brauche wohl kaum zu erklären, wie dumm dieser Vergleich ist (möchte allerdings anregen, dass vor einem solchen Hintergrund eine entschiedenere Kritik am reaktionären Militarismus gewisser Shooter-Franchises angebracht sein könnte). Doch sei’s drum. Was Held mit seinem krummen Vergleich eigentlich sagt, ist dieses: Sexismus in Videospielen ist irrelevant (womit er spätestens hier selbst eine „gesellschaftspolitische“ Position zum Ausdruck bringt, was er innerhalb von Videospiel-Reviews zuvor noch selbstgerecht als Missbrauch verurteilte). Ferner ist Helds Kritik an dieser Stelle nicht länger auf Spieletests beschränkt, sodass nicht klar ist, ob er damit der kritischen kulturellen und auch sozio-politischen Betrachtung von Videospielen grundsätzlich jede Legitimität absprechen möchte. Weiterlesen →

Kommentar: „Man muss auch ehrlich sein.“ (I)

Oder: Der Widerstand gegen Sexismus-Kritik an Videospielen

Ich versuche heute mal, mich kurz zu fassen und komme gleich zum Punkt:

DoAOb Dead or Alive Xtreme 3 nun ein leidlich unterhaltsames oder ein grottenschlechtes Spiel ist, ob die sexualisierten Darstellungen der Protagonistinnen als sexistisch zu werten sind, und wie entschieden man diesen Sexismus verdammt, oder verharmlost, oder ob man das Spiel nicht ohnehin doch gerade wegen diesen sexualisierten Darstellungen spielt, und inwiefern das dann wiederum verwerflich wäre – das sind Fragen, auf die hier nur ganz am Rande eingegangen werden wird und auf die an anderer Stelle eine Antwort gesucht werden sollte. Einen besonders klugen Beitrag zur aktuellen Debatte um (angeblichen) Sexismus und (angebliche) Zensur habe ich vor einigen Tagen erst verlinkt.

Mir soll es an dieser Stelle einmal nur darum gehen, auf welche Weise NplusX.de und Redakteur Andreas Held mit der Problematik umgehen, und auf welcher Basis sie argumentieren. Ich muss gestehen, dass ich mit NplusX.de (zuvor WiiUX.de, davor NintendoWiiX.net und GameCubeX.net; und irgendwann hatte die Site im deutschsprachigen Raum sogar mal eine gewisse Relevanz) ohnehin so meine Schwierigkeiten habe, aber der aktuelle Importest zu Dead or Alive Xtreme 3 ist, wie ich finde, ein weiterer Tiefpunkt in der Berichterstattung. Es zeigen sich an diesem Beispiel aber auch sehr schön einige grundsätzliche Probleme, die einer sinnvollen Entwicklung solcher Debatten immer wieder im Wege stehen.

Die Verschwörungstheorie

Eigentlich kann man ans Helds merkwürdig verkrampftem Artikel allerhand kritisieren, aber ob er langweilig und schlecht strukturiert ist, tut hier wenig zur Sache. Interessanter und auch bezeichnender ist, wie sich der Autor dagegen erwehrt, wenn kritische Ansichten zur sexualisierten Darstellung der Protagonistinnen die Wertungen für Dead of Alive Xtreme 3 mutmaßlich negativ beeinflussen. Held spricht solchen Sichtweisen nicht nur ihre Legitimität ab (worauf ich weiter unten zu sprechen komme), er wittert auch eine regelrechte Verschwörung. Weiterlesen →