Bonusfolge: Der GameCube wird 15! (Mai 2017)

Exakt 20 Jahre ist es her, da durften endlich auch europäische Nintendo-Fans den lila Spielewürfel vom Händler ihres Vertrauens abholen. Und was war damit nicht alles möglich: In fotorealistischer Pracht durchs Star-Wars-Universum düsen. Mit Luigi ein Spukhaus erkunden. Mit Affen rumkugeln, mit Burnout crashen, und mit dem Jetski über meterhohe, dreidimensional modellierte Wellen rasen. Oder auch: Sonic auf einer Nintendo-Konsole spielen.

Der GameCube war spät dran, war die letzte der damaligen Next-Gen-Konsolen. Beinahe acht Monate dauerte es seit der Veröffentlichung in Japan, bis Nintendo die Konsole nach Europa brachte. Im Gegenzug startete der GameCube hier mit einem der wohl besten Start-Line-Ups einer Konsole ever und auch die zweite Generation von Spielen, darunter einige der größten Klassiker der Plattform – wie Pikmin, Super Smash Bros. Melee und Super Mario Sunshine – war nur wenige Monate entfernt. Dass Nintendo kurz vor Release die UVP von ursprünglich angekündigten 249 Euro auf 199 Euro senkte, versüßte den Europa-Launch zusätzlich und war die perfekte Antwort auf Microsofts schnell kassierte 479-Euro-Provokation.

Keine 20, aber mittlerweile auch schon wieder 5 Jahre ist es her, dass wir hier bei SPIELKRITIK den damals 15. Jahrestag der Europa-Veröffentlichung des GameCube mit einem Geburtstags-Special feierten. Genauso wie wir das zwei Monate zuvor auch zu Ehren der ersten Xbox getan hatten.

Und weil Beiträge zu 15, pardon, 20 Jahren alten Konsolen kein Haltbarkeitsdatum kennen, will ich die einzelnen Texte nachfolgend noch einmal vorstellen. Life’s a game!


Part I – mit:
  • SpongeBob SquarePants: Revenge of the Flying Dutchman – von Daniel Minner
  • Donkey Konga – von Daniel Siebiesiuk

Unter anderem waren unsere Leser auch diesmal angeregt, ihre persönlichen Geheimtipps vorzustellen, die zu entdecken auch 15 Jahre später noch lohnt. Unter denen, die der Bitte nachkamen, war auch Daniel Siebiesiuk, der mit Donkey Konga ein Spiel vorstellt, das ich ebenfalls sehr schätze. Nintendo hat nicht viele Musik- und Rhythmus-Spiele im Portfolio, doch das wilde Trommelfeuerwerk für den GameCube ist ein Spaßgarant auf jeder Party – Jahre bevor das Genre mit Guitar Hero and Rock Band explodierte.

Die andere Empfehlung stammt von meinem damaligen Spielkritik-Kollegen Daniel Minner, der eines der frühen SpongeBob-Spiele sehr mochte, obwohl die ausschließlich englische Sprache für ihn als damals 13-Jährigen nicht gerade optimal war. Ich habe nie ein SpongeBob-Spiel gespielt; weder dieses, noch ein anderes. Das könnte sich allerdings noch ändern, da der Quasi-Nachfolger des von Daniel vorgestellten Revenge of the Flying Dutchman – SpongeBob SquarePants: Battle for Bikini Bottom – vor nicht allzu langer Zeit ein Remake spendiert bekam. Auch die Spiele aus der zweiten und dritten Reihe profitieren mittlerweile also vom Nostalgie-Bonus.


Part II – mit:
  • Eternal Darkness – a game that goes the extra mile to scare you – by Charlotte Cutts

Der zweite Post unsers Geburtstagsspecials umfasst nur einen einzigen, dafür aber etwas längeren Text. Charlotte Cutts, der man auf englischen Spiele-Websites, etwa bei Destructoid, bereits begegnet sein kann, hat einen der bis heute wenigen englischsprachigen Beiträge für Spielkritik geschrieben. Zwar ist Eternal Darkness, meine ich, etwas zu bekannt, um tatsächlich als Geheimtipp zu gelten, ist aber eines meiner Lieblingsspiele – und da sagte ich zu diesem lesenswerten Artikel über die Brüche der vierten Wand natürlich nicht nein.


Part III – mit:
  • Geist – von Roberto Kracht
  • Second Sight und das Unbehagen im Videospiel – von Sylvio Konkol

Roberto ist für Konsolen-Geburtstage immer zu haben: Bereits zum Xbox-Geburtstag trug er einen Spieletipp bei, und als wir ein paar Jahre später den 20. Geburtstag der Sega Dreamcast feierten, war er sogar mit mehreren Texten vertreten. Im Falle des GameCube fiel seine Wahl auf Geist – ein ungewöhnlicher First-Person-Shooter mit ausgeprägtem Adventure-Anteil, der von einigen Verschiebungen geplagt war. Mir ist noch immer meine Anspielsession auf der Games Convention 2005 in Erinnerung – die mich durch die Augen eines Kaninchen auf die Spielwelt blicken ließ. Leider war das aber auch die beste Szene in einem einzigartigen, aber leider allzu guten Spiel.

Ein anderes Spiel kann ich dafür immer wieder spielen, und zwar Second Sight. Ein Titel aus der viel zu kurzen Ära, als die TimeSplitters-Macher Free Radical Design auf der Höhe ihres Erfolgs waren und an mehreren Spielen parallel arbeiteten. Ich hatte das Spiel in bester Erinnerung – vor allem wegen seiner wirklich guten Story. Zwei parallele Handlungen, die sich zudem auch spielerisch stark unterscheiden, werden in einem raffinierten Schluss-Twist zusammengeführt. Dass ich Second Sight gerade 2017 noch einmal spielte, und mit Roberto zum paranormalen Duo ansetzte, war übrigens einem Uni-Seminar zum Thema Parapsychologie geschuldet. Schade, dass mir die Zeit fehlte, diesen Aspekt näher zu verfolgen.


Das war es dann auch schon. Gar nicht mal so viel, oder? Umfasste unser Special zum 15. Geburtstag der Xbox noch 5 Postings mit 9 eigenständigen Texten, waren es beim Geburtstag des GameCube nur noch 3 Postings mit zusammen 5 Texten. Hatten uns zum Geburtstag der Xbox sechs Gastbeiträge erreicht, waren es beim GameCube gerade einmal drei.

Ich war überrascht, dass die Resonanz hier geringer war, da der GameCube, der sich in Europa in etwa genauso oft verkaufte wie die Xbox, die im Rückblick geschätztere Konsole zu sein schien. Aber vielleicht war genau das der Grund für die etwas geringere Resonanz? Nintendo-Spiele sind auch Jahre nach Erscheinen noch präsent, und entsprechende Rückblicke gibt es wie Sand am Meer. Ein Special zum Geburtstag der ersten Xbox – zumal zu einem Zeitpunkt, als die Marke ein besonders schwaches Standing hatte – war da weitaus ungewöhnlicher, was ihre Fans offenbar zu würdigen mussten.

Ein anderer Grund mag sein, dass ich nach den Erfahrungen vom Xbox-Geburtstag – der nur wenige konkrete Spiele-Empfehlungen hervorbrachte – im Falle des GameCube schon im Aufruf betonte, dass ich diesmal Spiele-Geheimtipps in den Mittelpunkt stellen wollte, während Beiträge anderer Art im Vorfeld abgesprochen werden sollten (um inhaltliche Dopplungen, wie es sie im Falle des Xbox-Specials gab, zu vermeiden). Dieser Wunsch wurde zwar beherzigt, könnte den einen oder anderen Autor allerdings abgeschreckt haben. Es ist also gar nicht so leicht, die richtige Balance zu finden, und Restriktionen so zu wählen, dass sie zwar die Kreativität beflügeln, potentielle Gastautoren aber möglichst nicht ausschließen.


Falls euch dieser Rückblick gefallen hat, schaut doch einmal in die regulären Folgen von „Backtracking“ rein. Dort schaue ich zurück auf die Artikel, die im gleichen Monat vor exakt fünf Jahren bei SPIELKRITIK erschienen sind. Der Rückblick auf den Rest des Mai 2017 erwartet euch im Laufe des Monats. [sk]

Beitragsbild: Collage, GameCube-Werbeanzeige und eigenes Foto.