Eine Hiobsbotschaft, die doch eher unerwartet kommt: Wie die Messe in Leipzig meldet, steht die DreamHack Leipzig vor dem Aus. Der „schwedische Lizenzinhaber DreamHack AB wird den Vertrag mit der Leipziger Messe nicht fortführen“, heißt es in der Pressemeldung der Leipziger Messe. Die ursprünglich für Ende Januar 2022 geplante siebte Ausgabe des Gaming-Festivals wird somit nicht stattfinden. Ein Verlust, nicht nur für Leipzig und Umgebung – und beachtenswert auch dann, wenn man mit eSports eher weniger am Hut hat. Denn die DreamHack Leipzig ist leider nicht das einzige deutsche Gaming-Event, dem zwei Jahre Corona-Pandemie schlecht bekommen sind. Zeit für eine Bestandsaufnahme.


Wachstum, Wachstum, Schluss

Das Aus der DreamHack Leipzig kommt überraschend: Seit 2016 wuchs die Veranstaltung auf dem Gelände der Leipziger Messe stetig – von zunächst 13.000 auf zuletzt mehr als 23.000 Besuchern. Es war eine Veranstaltung für Enthusiasten, in deren Mittelpunkt professionelle, teils hoch dotierte eSports-Wettbewerbe standen, begleitet von den Ständen verschiedener Hardware-Hersteller, die High-End-Gaming-Hardware und dediziertes eSports-Equipment präsentierten. Daran angeschlossen fand, in einer separaten Halle, die größte LAN-Party Deutschlands statt, mit zuletzt 1.700 Teilnehmern. Die Gesamtbesucherzahlen blieben zwar auch im Rekordjahr 2020 auf einem Level, das im Vergleich zur Kölner Gamescom (wie auch zur ehemaligen Leipziger Games Convention) bescheiden anmutet, doch vor dem Hintergrund der mittlerweile auch in Deutschland schnell wachsenden eSports-Begeisterung sah es nicht so aus, als sei die Zukunft des selbsterklärten „Gaming-Festivals“ in irgendeiner Weise in Gefahr.

Besucherzahlen der DreamHack Leipzig laut Veranstalterangaben:
2016: 13.000
2017: 15.100
2018: 18.500
2019: 20.600
2020: 23.300
2021: reines Online-Event

Ihre Premiere feierte die DreamHack Leipzig im Jahr 2016. Die Leipziger Messe richtete den deutschen Ableger der seit den 90er Jahren in Schweden abgehaltenen Mutterveranstaltung in Zusammenarbeit mit Schenker Technologies/XMG aus, einem in Leipzig ansässigen Hardware-Hersteller. Sieben Jahre nach dem Aus der Games Convention kam so wieder Gamer-Spirit an den Ort der seinerzeit größten Spielemesse der Welt, was in Leipzig und Umgebung dankbar aufgenommen wurde.

Ich selbst war im Januar 2018 erstmals vor Ort, wobei ich dazusagen sollte, dass ich ohne Presseakkreditierung vermutlich nicht hingegangen wäre. Denn ganz ehrlich: eSports ist doch eher einer der Bereiche der Videospielkultur, die mich weniger „abholen“. Zwar stehe ich dem Ganzen nicht ablehnend gegenüber, aber wenn ich einen zweistelligen Eurobetrag zahlen soll, um dem Spektakel für einige Stunden beizuwohnen, dann überwog bei mir – Stand damals – die Skepsis.

Doch wie gesagt, ich ging hin. Und das, was mir geboten wurde, überraschte mich uneingeschränkt positiv. Daher plante ich für 2019 einen deutlich umfangreicheren Besuch. Ich kam an allen drei Tagen und schrieb einen umfassenden Bericht für das GAIN Magazin, der inzwischen auch bei SPIELKRITIK zu lesen ist. Auch 2020 kam ich wieder und schätzte neben der Veranstaltung selbst nicht zuletzt die Gelegenheit, Freunde und Kollegen zu treffen und sich über die DreamHack und andere Dinge auszutauschen. Zumal man auf der Messe Leipzig weiß, wie man Pressevertretern ein angenehmes Umfeld bietet, in dem sich arbeiten und entspannen lässt. (Kleiner Seitenhieb nach Berlin.)


Persönlich bedauere ich das Aus der DreamHack Leipzig daher sehr, auch ohne besondere eSport-Affinität (oder gerade deshalb, wegen der Einblicke, die die Veranstaltung einem Laien wie mir bot). Besonders bedauerlich ist dabei, dass ich mich des Gefühls nicht erwehren kann, dass das Schicksal der DreamHack Leipzig ohne die Erschwernisse der Corona-Pandemie – mit einer angenommenen, erfolgreichen DreamHack 2021 im Rücken – ein anderes gewesen wäre.

Genauere Gründe für das Aus werden nicht genannt, doch die Wortwahl der Pressemitteilung deutet an, dass nicht die Leipziger Messe des Interesse verloren hat, sondern dass eine Fortführung am Unwillen des Lizenzgebers scheiterte, der DreamHack AB in Schweden, die 2020 mit der ESL fusionierte.

Somit ist zumindest in der Theorie nicht ausgeschlossen, dass Leipzig auch in Zukunft Austragungsort für professionellen eSport sein wird (respektive sein möchte). Das notwendige Know-How und die technische Infrastruktur – die etwa den Ansprüchen genügt, die eine LAN mit 1.700 Teilnehmern an die Internetverbindung stellt – sind außerdem bereits vorhanden. Dennoch ist fraglich, ob es der Leipziger Messe gelingen kann, ein vergleichbares Event ohne eine etabliere Marke wie der DreamHack auf die Beine zu stellen, oder wer ein möglicher alternative Partner sein könnte, denn selbstverständlich sind die DreamHack AB und die ESL nicht die einzigen Organisatoren von Vor-Ort-eSports-Wettbewerben.


Déjà-vu?

Erinnerungen an das Aus der Games Convention im Jahr 2009 werden wach und stimmen eher pessimistisch. Anders als gern kolportiert, zog „die Messe“ damals nicht nach Köln um, sondern blieb in Leipzig. Dass das Ganze dennoch als „Umzug“ empfunden wurde, lag an der Entscheidung des BIU (ein Vorgänger des heutigen Game-Branchenverbandes), anstelle der Games Convention die neue Gamescom in Köln zu unterstützen, die ein nahezu identisches Konzept verfolgte. Für Leipzig bedeutete diese Entscheidung den Verlust der meisten größeren Aussteller, dem die kleineren Aussteller schließlich folgten. So stand die Leipziger Messe ohne den BIU als ideellen Träger und ohne namhafte Aussteller dar, was das Ende der Games Convention in der gewohnten Form bedeutete.

Geschlagen geben wollte die Leipziger Messe sich nicht und plante auch ohne BIU eine Fortführung der Veranstaltung. Das gelang schlussendlich aber nur in deutlich kleinerem Rahmen und mit einem nischigeren Schwerpunkt: Die sogenannte Games Convention Online setzte ganz auf den damals gerade aufkommenden Trend der – oftmals free-to-play – Online-, Mobile- und Browser-Games. Damit hatte man die Zeichen der Zeit in Leipzig zwar gut erkannt, war aber vielleicht auch ein paar Jahre zu früh dran. Die Besucherzahlen der ersten Games Convention Online im Jahr 2009 blieben hinter den Erwartungen zurück und das Gebotene enttäuschte wohl auch manche, die ganz naiv (wieder)kamen und sich stirnrunzelnd wunderten, dass die Messe auf einmal so viel kleiner und kaum irgendwo eine Konsole zu entdecken war.

In Pressemitteilungen zeigte sich die Leipziger Messe zwar zufrieden, doch richtig glücklich waren offenbar nur wenige. Bereits die für 2010 geplante zweite Ausgabe wurde relativ kurzfristig – wohl wegen eines Mangels an willigen Ausstellern – in eine reine Fachbesuchermesse umgewandelt. Nachdem die unspektakulär über die Bühne gegangen war, hörte man von der stolzen Marke Games Convention – die für einige Jahre sogar nach Singapur expandierte – schließlich nichts mehr.


Eine Folge der Pandemie?

Doch zurück in die Gegenwart: Mit Blick auf eine mögliche Nachfolgeveranstaltung der DreamHack Leipzig stellt sich die Frage, welchen Anteil die Corona-Pandemie am Aus der Veranstaltung hatte oder ob auch andere Faktoren eine Rolle spielten – ob sich das Ende nicht vielleicht schon andeutete?

Denke ich an die letzte DreamHack zurück, so hatte ich selbst subjektiv den Eindruck, dass 2020 in Sachen Aussteller und Wettbewerbe etwas weniger geboten wurde als im Vorjahr, wogegen das Event von 2018 zu 2019 sehr viel spürbarer gewachsen war. (Zwar hatte man 2020 mit der „DreamLeague Season 13: The Leipzig Major“ in Dota 2 den bis dahin höchst dotierten Wettbewerb in der Geschichte der DreamHack Leipzig gewinnen können, doch seine Abtrennung vom Rest des Messe, verbunden mit der Notwendigkeit spezieller Eintrittskarten, sorgte für Verwirrung und schien mir aus Besuchersicht sehr unbefriedigend.)

Ich fragte mich, ob das vorläufige Ende der Besucherzahlen-Fahnenstange nicht vielleicht schon erreicht war und war fast ein wenig überrascht, als es am Ende hieß, dass 2020 dann doch einige Besucher mehr gekommen waren als noch 2019. Ungeachtet dieses subjektiven Eindrucks: Auf ein mögliches Aus der DreamHack Leipzig deutete aus meiner Sicht nichts hin. Die Veranstaltung wirkte fest etabliert; die DreamHack 2021 war beschlossene Sache, der Termin stand.

Dann kam Corona und wollte so schnell nicht wieder gehen; und um die DreamHack 2021 nicht ganz absagen zu müssen, fand sie im Januar als reines Online-Event statt. Das versuchte man als „back to the roots“ zu verkaufen, aber so richtig aufregend war das natürlich nicht, denn für ein Online-eSports-Event braucht es nun wirklich keine Leipziger Messe. Gleichzeitig wurde in der diesbezüglichen Pressemeldung vom Oktober 2020 eine Rückkehr in die Messehallen angekündigt; vom 28. bis zum 30. Januar 2022 sollte es so weit sein. Unwahrscheinlich, dass man das verlautet hätte, wenn die Lizenzverlängererung bereits damals in der Schwebe lag. (Gleichwohl fällt auf, dass die abschließende Pressemeldung vom Januar 2021 auf die Nennung eines präzisen Termins für 2022 verzichtet.)

Nun lässt die aktuelle Entwicklung der Pandemie eine Vor-Ort-Veranstaltung im Januar 2022 nicht komplett unmöglich erscheinen (erst kürzlich veranstalte die Leipziger Messe die erste größere Messe seit Beginn der Corona-Beschränkungen). Doch von Planungssicherheit kann vor dem Hintergrund einer unberechenbaren Entwicklung in den Wintermonaten und einer mitunter ähnlich unberechenbaren Corona-Politik offenbar nicht die Rede sein. Fände die DreamHack im Sommer statt, stellte sich die Lage vielleicht anders dar, aber der traditionelle Wintertermin kommt mit Blick auf die Pandemie ungelegen. Planungssicherheit für ein Vor-Ort-Event wäre somit wohl erst 2023 wieder gegeben. Das macht die Absage des schwedischen Lizenzgebers ein Stück weit verständlich, denn bis dahin ist es noch lange hin, auch wenn möglicherweise auch andere Faktoren eine Rolle spielten.

Die Leipziger Messe lässt derweil verlauten, dass man die Community gern behalten möchte. Man wolle „alles daransetzen, Gaming zurück in unsere Hallen zu holen“, heißt es in der offiziellen Pressemitteilung. Auch ein Statement bei Discord, aus dem René Meyer bei Heise zitiert, klingt recht selbstbewusst, ja fast schon optimistisch: „Und immer dann, wenn sich eine Tür schließt, öffnet sich ja bekanntlich auch eine andere. Und da wir uns nun schon alle kennen, wir gemeinsam einen nicht geringen Teil des Events mit Herz und Seele selbst auf die Beine gestellt haben, schauen wir doch einfach mal, was die Zukunft für uns Gamer hier in Leipzig so mit sich bringt.“


Unsichere Zeiten, nicht nur in Leipzig

Diese Aussage lässt offen, ob eine mögliche Nachfolgeveranstaltung sich abermals auf eSport fokussieren wird, oder ob man in Leipzig mit einem breiter aufgestellten Games-Event liebäugelt. Dass in Deutschland inzwischen Platz ist, für mehr als eine große Spielemesse – und dass die Kölner Gamescom nicht für alle potentiellen Aussteller ein optimales Präsentationsumfeld bietet – das ließ sich in den Jahren vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie bereits sehen.

Fernab von Köln hatten sich vor allem im Osten und im Norden Deutschlands eine ganze Reihe von kleineren Gaming-Events entwickelt; und ich sage bewusst Events, denn nicht in allen Fällen (und auch nicht mit Blick auf die DreamHack) kann tatsächlich von Messen gesprochen werden.

Besucherzahlen von Gaming-Events in Deutschland vor Corona:
Gamevention Hamburg: 10.214 (2019, erste Ausgabe)
MAG Erfurt: 13.000 (2019, zweite Ausgabe)
EGX Berlin: 15.600 (2019, zweite Ausgabe)
DreamHack Leipzig: 23.300 (2020, fünfte Ausgabe)
Gamescom: 373.000 (2019, elfte Ausgabe)

Im Vergleich:
E3 in Los Angeles: 66.100 (2019, 25. Ausgabe)
Tokyo Game Show: 262.080 (2019, 24. Jahrgang)
Finale Games Convention Leipzig: 203.000 (2008, siebte Ausgabe)

Nun lässt sich das Aus der DreamHack nicht allein mit der Corona-Pandemie erklären, doch lehnt man sich mit Sicherheit auch nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man sagt, dass die erschwerten Bedingungen der Fortführung der Veranstaltung nicht eben förderlich waren. Entsprechend stellt sich auch mit Blick auf die anderen Events die Frage, wie groß und wie bleibend der Schaden ist, den die Pandemie möglicherweise angerichtet hat: Während die DreamHack Leipzig im Januar 2020 – wenige Wochen bevor das Coronavirus Deutschland erreichte – noch ganz ohne Pandemie-bedingte Einschränkungen stattfinden konnte, mussten (und müssen) MAG Erfurt, EGX Berlin und die erst 2019 ins Leben gerufene Gamevention Hamburg bereits zwei(!) Jahre in Folge pausieren.


Stiller Tod: EGX Berlin

Mit Blick auf die EGX Berlin hat diese Zwangspause bereits ihren Tribut gezollt: Die 2018 ins Leben gerufene Veranstaltung machte bereits 2019 nicht den stabilsten, um nicht zu sagen einen ganz schön hemdsärmeligen Eindruck, auch wenn sie sich mit dem Kommen Hideo Kojimas (mit Fatih Akin im Schlepptau) eines großen Highlights rühmen konnte. Die EGX hätte von einer terminlichen Zusammenlegung mit der Gamesweek Berlin profitieren können, wie sie für den Oktober 2020 zunächst angekündigt war, als noch Grund zu der Annahme bestand, dass die Corona-Pandemie eine eher kurzlebige Erscheinung sein würde. Schließlich musste die Berliner EGX aber gänzlich abgesagt werden und auch 2021 wurde – und wird – es nichts.

Und 2022? Vollkommen unbeachtet berichtete die eher kleine Gaming-Website NAT-Games erst vor wenigen Tagen, dass auch 2022 keine EGX Berlin geplant ist. Dies habe der Veranstalter der Messe, die Reed Exhibitions Deutschland GmbH, auf Anfrage mitgeteilt. Auch über 2022 hinaus sei „nicht final zu sagen“, „[ob] und in welcher Form [man sich] zukünftig wieder in Deutschland in dem Gaming-Bereich mit einer Veranstaltung betätigen“ werde, zitiert NAT-Games den Director Regional Projects Gregor Bischkopf. Das klingt nicht sehr optimistisch und passt dazu, dass auch die offizielle Website des Berlin-Ablegers der EGX nur noch eine 404-Meldung ausspuckt und der offizielle Twitter-Account letztmalig im Mai 2020 tweetete. „Dead as a dodo“, muss man hier wohl konstatieren, und bei allem, was an der EGX auch weniger gut war, ist es schade drum. Ich vermisse meine jährliche Berlin-Reise jetzt schon.


Eierlegende Wollmilchsau: Gamevention (Hamburg/Neumünster)

Optimistischer blickt die Gamevention in die Zukunft, von der die meisten vermutlich noch nicht einmal gehört haben. Gerade einmal etwas mehr als 10.000 Besucher wohnten der Premiere in Hamburg im Jahr 2019 bei, was den Veranstalter aber offenbar zufrieden stellte. Eine Fortsetzung in 2020 war geplant, bis sie pandemiebedingt abgesagt werden musste, und auch 2021 blieben die Hallen leeer. Doch anders als im Falle der EGX Berlin soll es mit der Gamevention 2022 weitergehen. Und zwar so richtig. Und zwar nicht in Hamburg (womit die Hansestadt nach der MAG, siehe unten, innerhalb weniger Jahre ein zweites Mal eine Spielemesse verliert).

Im August wurden die Holstenhallen im Schleswig-Holsteinischen Neumünster als neuer Veranstaltungsort bekannt gegeben, wobei die Dimensionen der Veranstaltung im gleichen Atemzug deutlich wachsen sollen. Über 85.000 Quadratmeter soll sich die Messe erstrecken (mehr, als die Games Convention in ihren frühen Jahren umfasste). Für Stirnrunzeln sorgt bei mir aber mehr denn je das Konzept der Veranstaltung. Bereits bei ihrer Premiere in Hamburg im Jahr 2019 wirkte die Gamevention etwas unfokussiert und die Pläne für 2022 verstärken diesen Eindruck noch. Zwar scheint der Veranstalter, eine gewisse We Love Esports GmbH, eSports in den Mittelpunkt zu stellen, nimmt nebenher aber alles mit, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Laut GamesWirtschaft verspricht man neben eSports-Landesmeisterschaften und Informationsständen auch ein „buntes Cosplay-Programm“, Kleinkünstler und „Manga-Stationen“, einen Mittelaltermarkt, ein LARP-Gelände, Musik-Acts wie Schandmaul und Faun, sowie – oho! – Einsatzwägen von Polizei und Feuerwehr. Das ist „bunt“, vielleicht zu bunt, und wie sich das alles verträgt – und wie groß schlussendlich der Games-Anteil sein wird – das wird sich zeigen müssen.

Für ein erweitertes Stirnrunzeln sorgen nämlich auch die wirklich gepfefferten Eintrittspreise: Zwischen 39 und 99 Euro werden fällig. 2019 in Hamburg waren es noch 22 bis 32 Euro. Die Preise der Gamescom lagen zuletzt deutlich darunter. Ob sich aus diesem wilden Potpourri und in der norddeutschen Provinz wirklich das angepeilte zweitgrößte Gaming-Event Deutschlands entwickeln kann? Ich bin skeptisch; aber in Ermangelung von Konkurrenz könnte es mit Blick auf die reinen Besucherzahlen wohl klappen.


Im Survival-Mode: MAG Erfurt

Und dann ist da noch die MAG Erfurt, deren Wurzeln ebenfalls in Hamburg liegen, wo sie 2015 – noch unter dem Namen „MaGnology“ – erstmals stattfand, bevor sie 2018 nach Erfurt zog. Wie die Gamevention ist auch die MAG Erfurt keine (reine) Gaming-Messe, doch wirkt das Konzept – mit den weiteren Schwerpunkten Anime, Manga und Japan – insgesamt schlüssiger. Hinter der Veranstaltung steht die Super Crowd Entertainment GmbH, die auch für den Indie Arena Booth verantwortlich zeichnet, und die unter anderem PietSmiet zu ihren Gesellschaftern zählt. Entsprechend gut ist die Vernetzung mit der Influencer-Szene, und entsprechend viele sogenannte „Creator“ waren auf der MAG Erfurt zugegen.

Dass nach zwei Ausgaben die Corona-Pandemie kam, wird auch der MAG Erfurt zugesetzt haben. Nach der Absage im September 2020 wurde eine gamifizierte Online-Ausgabe aus dem Hut gezaubert, wobei man sich immerhin recht kreativ anstellte. Auch sonst gelingt es der MAG Erfurt nach meinem Empfinden recht gut, den Kontakt zur Community aufrecht zu erhalten, und damit auch die Vorfreude auf eine kommende Vor-Ort-Veranstaltung. Für November 2021 ist aber zunächst eine weitere Online-Ausgabe angekündigt; der Veranstalter verspricht ein „interaktives Multiplayer-Event, bei dem ihr euch kreativ entfalten könnt“.

Obschon ich persönlich solchen Formaten wenig abgewinnen kann, bin ich doch sehr froh, dass man (sich) nicht aufgibt und erkennbar mit viel Herzblut die Dürreperiode zu überbrücken versucht. Dabei gilt für die MAG Erfurt – in kleinerem Maßstab – vermutlich dasselbe, was der gute Christian Haubitz vor einigen Wochen mit Blick auf die Gamescom sehr treffend konstatierte: „Die digitale #gamescom2021 war das Vorhaben, die Marke mit minimalem Aufwand bei minimalen Einnahmen für ihre Wiederbelebung als Präsenzmesse im Jahr 2022 am Leben zu erhalten.“

Der MAG Erfurt wünsche ich dieses Durchhaltevermögen ganz besonders, da Event und Organisatoren einen wirklich sympathischen Eindruck auf mich machten und mein Besuch im Jahr 2019 mir ganz einfach Spaß bereite. Ich wäre 2022 auf jeden Fall wieder in Erfurt dabei.


Und Leipzig? Darf hoffen, dass im kommenden Jahr zumindest die Lange Nacht der Computerspiele wieder stattfinden kann (nachdem auch die zwei Jahre in Folge ins Internet ausweichen musste). Die hat natürlich einen ganz anderen Charakter als die DreamHack, ist aber ebenfalls ein wunderbarer Treffpunkt für Spielerinnen und Spieler, an dem sich stets Neues entdecken lässt. (Und ein bisschen eSport ist ja auch immer Teil des Programms.) Sicher ist nichts, aber der 07. Mai 2022 ist als Termin schon einmal angesetzt und wenn das Infektionsgeschehen keine unerfreulichen Wendungen nimmt, darf man, denke ich, vorsichtig optimistisch sein. Ich drücke die Daumen. [sk]


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