Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum Quest-Log an Halloween bzw. am Reformationstag!

Die letzten Tage waren etwas stressig – auf einen Freund des Hauses mussten wir deshalb verzichten. Ansonsten aber gibt’s das volle Paket – mit den aktuellen Favoriten der Redaktion, mit einem Bestandsartikel des Monats (wieder empfohlen von Jessica), und natürlich mit einem neuen Thema das Monats. Passend zum bevorstehenden Release der neuen Konsolengeneration lautet das:

„Unsere Spiele der ausgehenden Konsolengeneration“

Die Konsolenspieler unter uns verraten, welche Spiele der letzten sieben Jahre sie am meisten begeisterten und tatsächlich schafft es jeder, ein gewisses Zelda zumindest zu erwähnen. Doch halt, es warten Überraschungen.

Übrigens: Nachdem der Oktober bei SPIELKRITIK sogar noch ruhiger war als der September, dürft ihr euch im November auf reichlich Inhalte freuen. Versprochen. Am Montag geht’s los.

Bis dahin, viel Spaß beim Quest-Log! (Und beim Kommentieren!) [sk]


INVENTORY: Die aktuellen Favoriten der Redaktion
foto7_2Sylvio @spielkritik

Spielt: God of War: Chains of Olympus, Metroid: Zero Mission, The Wolf Among Us, Days Gone, Machi Koro mit Großstadt-Erweiterung (analoges Kartenspiel)
Liest: Gunther Hirschfelder & Manuel Trummer: Bier – Eine Geschichte von der Steinzeit bis heute
Schaut: Systemsprenger, Ava (Frkr. 2017)
Hört: Helge Schneider: 22 sehr, sehr gute Lieder, Pet Shop Boys: Actually, Alice Cooper: Brutal Planet
Und sonst? Freut sich darüber, nach vielen vollgepackten Monaten diverse Dinge unter Dach und Fach und damit endlich mal wieder etwas Luft zu haben.

ybhkbibl_400x400Iris

Spielt: Baldur’s Gate 3, Terminator: Resistance, EVE Online, Star Wars Jedi: Fallen Order
Liest: Rick and Morty vs. Dungeons & Dragons, Koogi: Killing Stalking
Schaut: I Am Mother, Sherlock Holmes (BBC), The Orville
Hört: Lady Gaga: Chromatica, Akira Yamaoka & Mary Elizabeth McGlynn: AKIЯA16, Helge Schneider: 22 sehr, sehr gute Lieder
Und sonst? Ist total überfordert mit den ganzen tollen Spielen, die demnächst rauskommen, dabei hatte sie sich vorgenommen erst einmal ihre Steam-Bibliothek durchzuspielen.

OKhjZsqh_400x400Pascal @pascalthehoff

Spielt: Crash Bandicoot 4, Ghostrunner, The Red Lantern, Song of Bloom, ScourgeBringer
Liest: Hideo Yokoyama: 50 (半落ち, Han’ochi)
Schaut: Ready or Not, Borat 2, The Invisible Man, Black Panthers: Vanguard of the Revolution
Hört: Sault, Joni Mitchell, Neil Young, IDLES, Nubya Garcia
Und sonst? Hat auf seiner Liste der Spiele, die er 2020 noch spielen möchte, so viel Kram, dass es eng werden könnte. („Vielleicht wird Cyberpunk 2077 ja noch auf 2021 verschoben.“)

Erik @snoopykoira

Spielt: Weiterhin Dragon Quest XI S: Echoes of an Elusive Age.
Liest: Nichts.
Schaut: Ebenfalls nichts.
Hört: tricot, Rina Sawayama, Polkadot Stingray, Chon, Polyphia, Necry Talkie
Und sonst? Hat neulich 13 Sentinels: Aegis Rim beendet und ist sehr froh, dass ihn ein Videospiel nach langer Zeit mal wieder bedingungslos begeistern konnte.

Profilbild JessicaJessica @JessicaKathmann

Spielt: The Cat Lady, Lost Winds, Jessika
Liest: Franz Kafka: Tagebücher 1910-1923
Schaut: Lucifer
Hört: Matthijn Buwalda: Rechtop Mens (Livekonzert)
Und sonst? Schließt sich mit den weiter steigenden Corona-Fallzahlen noch mehr ein…  (*seufz*)

dennis-1
Dennis @VG_Analyse

Spielt: Half-Life: Alyx, What the Golf, Wasteland 2
Liest: GAIN Magazin Ausgabe #13
Schaut: Tenet, Die Känguru-Chroniken, Election
Hört: Das neue Die-Ärzte-Album: Hell
Und sonst? Sammelt seine ersten VR-Erfahrungen und bekommt jetzt das längst vergessene Gefühl einer Motion Sickness erneut zu spüren.


SIDE QUEST: Unsere Spiele der ausgehenden Konsolengeneration
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Dennis meint:

Es mag etwas langweilig klingen, aber The Legend of Zelda: Breath of The Wild ist mein Spiel dieser Konsolengeneration – dicht gefolgt von God of War. Die Zelda-Reihe schafft es immer wieder, innovative Features spielerisch genial umzusetzen und clever in die Spielwelt zu integrieren. In einer von Open-World-Titel geprägten Ära ist eine offene Spielwelt zwar nicht neu, hier aber so gut realisiert worden wie in keinem anderen Spiel. Breath of the Wild lässt mich die konstruktiv verbundenen Umgebungen selbstständig erkunden. Die vier Dungeons sind ebenfalls sehr originell gestaltet. In God of War mochte ich das exzellente Kampfsystem, das im Gegensatz zu Souls-Spielen auch technisch fehlerfrei funktioniert. Zwar sind die Levels nicht annähernd so gut verknüpft wie in einem Breath oft the Wild. Dafür hat mich der „Ocarina-of-Time-Moment“, in dem Kratos eine bestimmte Waffe wiedererlangt, umgehauen. Spiele brauchen nur wie Zelda zu sein, schon bin ich begeistert.

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Pascal meint:

Ein dreistelliger Betrag meiner liebsten Spiele der letzten Generation ist entblößt in meiner Top 500-Liste, die ich wohl noch für Jahre referenzieren werde. Beim Betrachten der Spitze freue ich mich jedoch, wie divers und unvorhersehbar die vergangene Generation war. Indie-Games etablierten sich als mächtiges Gegengewicht zum AAA-Brei der auslaufenden PS3-/Xbox 360-Ära und gaben positive Impulse für Mainstream-Trends der PS4-/Xbox One-Ära. Spiele trauen sich immer häufiger, ernste Themen anzupacken, haben aber gleichzeitig ihre unbeschwerten Wurzeln wiedergefunden. Übrigens: Ein wenig unfair, Nintendo beim obigen Vergleich nicht zu erwähnen. Schließlich hatte insbesondere die Wii U einige der besten Spiele der vergangenen Generation. Und ich rede nicht (nur) von Zelda: Breath of the Wild.

Erik meint:

Ich möchte auch ungern Breath of the Wild wählen, auch wenn es wahrscheinlich einer der heißesten Kandidaten für das Spiel der Generation wäre. Aber das wäre zu offensichtlich. Deswegen: Hollow Knight. Ich konnte mich vorher weder für Metroidvanias noch für Souls-esque Titel begeistern. Ich verlaufe mich schnell, übersehe Sachen und hab nicht immer Lust, nach jedem verlorenen Kampf auf Wanderschaft zu gehen. Die Souls-Reihe kann mir eigentlich immer noch gestohlen bleiben, vom Rest hat mich Hollow Knight mühelos überzeugen können. Außerdem waren sowohl das Movement als auch das Kämpfen in Hollow Knight unfassbar tight, womit man mich immer um den Finger wickeln kann. Honourable Mentions gehen raus an: 13 Sentinels: Aegis Rim, Death Stranding, The Last Guardian und Yakuza 0. Erstens liebe ich die alle bedingungslos und zweitens zeigen sie, was Videospiele überhaupt können, wenn sie aus ihrer Komfortzone heraustreten.

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Sylvio meint:

Im Verlauf von vier Konsolengenerationen habe ich so einiges erlebt. Immer seltener kommt es vor, dass ein Spiel es schafft, mich wirklich zu überraschen – wirklich mit etwas Neuem zu konfrontieren, vor wirklich neue Herausforderungen zu stellen, in eine wirklich andere Welt zu entführen – mit anderen Worten: mir das Gefühl zu geben, das ich hatte, als ich vor über 20 Jahren Zelda: Link’s Awakening spielte. Nein, ich spreche nicht von Breath of the Wild. Kingdom Come: Deliverance ist es gelungen, dieses Gefühl erneut zu wecken. Und das tschechische Mittelalter-Epos beschränkt sich nicht darauf, ein herausragendes Videospiel zu sein: Es bedient sich seines Mediums, um ein modernes Nationalepos zu schaffen. Damit begreift Kingdom Come: Deliverance das Medium Computerspiel als dezidiert politisches Medium wie kaum ein (AAA-)Titel vor ihm. Es erkennt das bewusstseinsprägende Potential seines Mediums und umfängt es mit offenen Armen. KCD ist ein Vorbote der Rolle, die Videospiele in Zukunft spielen könnten, vermutlich werden. Und deshalb – for better or worse – das wegweisende Spiel der ausgehenden Konsolengeneration.


BACKTRACKING: Der Bestandsartikel des Monats

Profilbild Jessica

Life Is Strange – Und wer ist eigentlich Robert Capa? (empfohlen von Jessica) 

Der Bestandsartikel, den ich für den Oktober ausgesucht habe, ist ein recht ungewöhnlicher. Sylvios „Life Is Strange – Und wer ist eigentlich Robert Capa?“ nimmt uns mit auf einen besonderen Weg, der vom Spiel ausgehend zuerst für eine ganze Weile in die Realität führt. Wer „Life Is Strange“ gespielt hat, weiß, dass die Fotografie darin eine prominente Rolle einnimmt.

Robert Capa, der im Spiel an einer Stelle erwähnt wird, ist ein realer Mensch, der für seine Kriegsfotografie bekannt wurde, unter anderem für ein Werk mit dem Titel „Last Man to Die“. Sylvio zeigt uns für einen Artikel über Videospiele ungewöhnlich lang die Geschichte und wichtige Werke dieses Fotojournalisten auf. Wozu? Um dann elegant den Bogen zurück zu „Life Is Strange“ zu schlagen und die Fotografie mit der Spielmechanik des Zeit-Zurückdrehens zu verbinden:

Man muss Life Is Strange nicht einmal kennen, um sich beim Betrachten der Sequenz bei dem Gedanken zu ertappen, die Zeit zurückdrehen zu wollen, um den sterbenden Soldaten nur irgendwie zu retten. Robert Capa fotografierte Bowman so unmittelbar vor und nach seinem Tod, dass seine Fotos zwangsläufig die Frage des „Was wäre wenn…?“ in sich tragen, den Wunsch nach Korrektur, nach der „Berichtigung“ des bereits Geschehenen, der ein so zentrales Motiv in Life Is Strange ist […]. Doch es braucht keine Gedankenspiele um Zeitreisen und alternative Realitäten, um beim Betrachten von Capas „Last Man to Die“ die unzähligen und zugleich unsichtbaren Beziehungen zwischen einzelnen Menschen und den sie umgebenden Dingen ungewohnt deutlich, wie vergrößert wahrzunehmen.

So führt der eingeschlagene Weg in gewisser Weise wieder zum Anfang: zurück zum Spiel, aber eröffnet uns eine ganz neue Perspektive auf dieses. [jk]


Logbucheintrag Ende. Ende November melden wir uns wieder – mit neuen Empfehlungen alter Beiträge, neuen Favoriten in Film, Funk und Fernsehen, und neuen Meinungen zu einem neuen Thema des Monats. Und dann auch wieder mit einem neuen Freund (oder einer neuen Freundin) des Hauses. Bis dahin!

Beitragsbild dieser Ausgabe: Screenshot aus Resident Evil 7: Biohazard (Capcom, 2017).