Christoph Freys The Space Between, enthalten im itch.io-Bundle for Racial Justice and Equality, assoziierte ich sofort beim Start mit der Kunst der Moderne. Surrealistische Grafik und ein beklemmendes Spielgefühl begleiten durch das etwa einstündige Erlebnis, das irgendwo zwischen Visual Novel, Walking Simulator und Adventure anzusiedeln ist. Das Spiel erzählt die Geschichte eines Architekten, der auch in der Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen Mauern aufbaut und damit kämpft, Menschen an sich heran zu lassen.

Das herausstechendste Merkmal von The Space Between ist der spezielle Artstyle: Verwaschene Texturen, Low-Poly-Objekte und ein konstantes leichtes Wabern der Oberflächen sorgen für eine gehörige Portion Surrealismus. In meinem Fall leider auch für eine Portion Motion Sickness. Das Ganze unterstreicht allerdings das beklemmende Gefühl, das einen beim Spielen begleitet. In gewisser Weise kann es als physischer Niederschlag der Gefühlswelt des Protagonisten Martin verstanden werden.

Als Spieler*innen tun wir aktiv nur wenig: Wir steuern den Architekten Martin in der Ego-Perspektive und können gelegentlich mit einem Tastendruck eine Tür öffnen oder eine vorgegebene einfache Handlung ausführen. Die Geschichte verläuft streng linear; Puzzles oder andere Herausforderungen gibt es nicht. Dialoge laufen automatisch und ohne jegliche Eingabe durch die Spieler*innen ab. Ein sehr langsames und ausbremsendes Pacing macht das Spiel streckenweise quälend: Die Gehgeschwindigkeit erinnert an eine Zeitlupe und die Dialogzeilen lassen sich bequem mehrfach lesen. Das passt allerdings zum Thema Loslassen von Kontrolle, mit dem Martin kämpft.

Das Spiel verhandelt das Ringen eines Menschen um Nähe und Intimität, der diese kaum zulassen kann. Eine Ebene dieser Verhandlung stellen die Dialoge mit einer Frau namens Clara dar, die an einer Beziehung mit ihm interessiert ist. Auf dem Weg zum und durch das Theater, für dessen Bau Martin zuständig ist, entfalten sich tiefsinnige Dialoge über Nähe und Distanz und Martins Eigenschaft, nicht nur physische Wände aufzubauen. Das Theater selbst und der Raum, den er sich im Keller des Theaters gebaut hat, dienen dabei als Sinnbild und Aufhänger für Fragen rund um Authentizität und Intimität.

The Space Between ist eine spezielle Erfahrung, die sich vermutlich nur einem kleinen Publikum erschließt. Das Spiel bietet viele Möglichkeiten zur Deutung, wie eine dreiteilige Analyse von Catherine Brinegar auf RE:BIND eindrucksvoll vorführt. Neben der durchaus gelungenen Verhandlung physischer und mentaler Mauern wird mir allerdings vor allem meine Motion Sickness und das (vermutlich gewollt) schlechte Pacing in Erinnerung bleiben. [jk]


The Space Between
Christoph Frey
PC (Windows) [2019]