Liebe Leserinnen und Leser,

herzlich willkommen zum Quest-Log #14!

In den letzten Wochen hat sich viel getan bei uns: SPIELKRITIK ist ins fünfte Jahr seines Bestehens gestartet und welcher Zeitpunkt wäre besser, um die nächste Stufe zu zünden und richtig durchzustarten?

Der Monat ist noch nicht einmal ganz rum, da haben wir schon neue Höhen erklommen, sowohl bei den monatlichen Seitenaufrufe als auch bei der Zahl der einzelnen Besucher. Der Grund dafür sind einige exzellente Platzierungen in den Google-Suchergebnissen, die dem einen oder anderen älteren Artikel ungewohnt viele Leser bescheren. Aber natürlich hat auch der konstante Strom neuer Artikel seinen Anteil daran, von denen es in den letzten Wochen reichlich gab: Pascal hat gleich vier neue Kritiken zu mal mehr, mal weniger aufregenden Indie-Games veröffentlicht, und die ersten 150 Plätze seiner ambitionierten Top 500 der letzten 10 Jahre noch dazu. Ich habe den Auftakt des vierten SPIELKRITIK »slowtalk« veröffentlicht, den ich zusammen mit Christian Serra geführt habe. Unser Thema ist die Nintendo Fun Vision, ein Spielemagazin aus den 1990ern, was insbesondere unter unseren Twitter-Followern auf große Resonanz stieß. Außerdem hatten wir seit längerer Zeit wieder einmal zwei Ausgaben von Lesenswert innerhalb eines Monats.

Das Highlight im Mai dürfte allerdings der Artikel von Jessica gewesen sein, in welchem sie die Visual-Novel »Eliza« aus der Sicht einer Psychologin betrachtet: In der Nahzukunfts-Dystopie von Eliza entdeckt Jessica eine fundierte Auseinandersetzung mit der Frage nach der Bedeutung der therapeutischen Beziehung in der Psychotherapie sowie einen subtilen Kommentar auf unser gegenwärtiges Gesundheitssystem. Nachdem Jessica vor einigen Wochen bereits einen Beitrag im Rahmen unserer Reihe GASTSPIELER veröffentlichte, handelt es sich hierbei um ihren ersten regulären Artikel für SPIELKRITIK.

Richtig gelesen. Pünktlich zum Start ins fünfte SPIELKRITIK-Jahr wächst unsere Redaktion erneut – diesmal um gleich zwei Neuzugänge auf einmal. Jessica Kathmann ist nun ein fester Teil unseres Teams, genauso wie der ebenfalls schon von zwei Gastartikeln bekannte Dennis Gerecke. Zwei sehr unterschiedliche, d.h. auf unterschiedlichen Gebieten versierte Autoren, die ich im Verlauf der Monate, als ich ihre Gastartikel betreut habe, als gleichermaßen angenehme wie ambitionierte Schreiber kennengelernt habe. Ich freue mich schon sehr darauf, wie sie den, wie ich fand, in letzter Zeit mitunter etwas engen Bezugsrahmen von SPIELKRITIK.com in unterschiedliche Richtungen aufbrechen werden! Jessicas ersten regulären Artikel habe ich gerade schon vorgestellt; einen ersten regulären Artikel von Dennis wird es sicherlich im Juni geben.

Soweit der in meinen Augen höchst erfreuliche Stand der Dinge. Einige weitere Überraschungen dürften im Juni noch folgen, doch für den Moment entlasse ich euch in den Quest-Log. Diesmal ausnahmsweise ohne einen Freund des Hauses, allerdings mit unseren beiden Redaktionsneuzugängen, ihren persönlichen Inventories und ihren Meinungen zum Thema des Monats. Letzteres ist diesmal etwas leichter, dürfte nicht so schwer im Magen liegen – obwohl, wer weiß… Es geht um Essen und Trinken während des Spielens. Lasst uns gern im Kommentarbereich wissen, ob und welche Snacks und Getränke euer Spielvergnügen begleiten. Wir sind gespannt! [sk]


BACKTRACKING: Der Bestandsartikel des Monats

Empfohlen von Sylvio: Unter falscher Flagge: Freedom Fighters und der Krieg im Irak

Hierbei handelt es sich um den ersten Beitrag in einer Rubrik, unter der ich Beiträge zusammenfasse, die einzelne Spiele (oder Aspekte aus diesen Spielen) in einen größeren Kontext setzen und die damit über eine Diskussion der Spiele an sich weit hinausgehen. (Erst kürzlich erschien mit Jessicas Psychologinnen-Perspektive auf Eliza ein neuer Artikel in dieser Reihe.) Im Falle von Freedom Fighters sind dieser größere Kontext die Vereinigten Staaten nach 9/11 und der Irakkrieg des Jahres 2003. Unter dem Tarnmantel einer vermeintlich konservativen bis rückschrittlichen Patriotismusfantasie, in der es gilt, russische Invasoren aus New York zu vertreiben, versteckten die Dänen von IO-Interactive eine subversive Kritik am US-Imperialismus der Bush-Ära, welche sich vor Spec Ops: The Line nicht verstecken muss und offenkundig sowohl vom Publisher EA als auch von vielen Spiele-Redakteuren der Zeit nicht als solche erkannt wurde.

Der Artikel ist inzwischen über drei Jahre alt; manche Dinge würde ich heute anders formulieren, andere noch tiefer recherchieren. Auch Vergleiche zu anderen Spielen, in denen imperialistische Tendenzen der US-Außenpolitik ähnlich kritisch dargestellt werden (wie Spec Ops: The Line oder die Metal Gear Solid-Reihe), konnte ich damals nicht einbringen, weil ich die fraglichen Spiele noch nicht aus erster Hand kannte. Alles in allem bin ich mit dem Artikel aber noch immer recht zufrieden – vor allem mit dem letzten Abschnitt, der die Frage nach der tatsächlichen Rezeption durch die Mehrheit der Spieler stellt (also in Unterscheidung zu den Erkenntnissen, die ich und andere als Ergebnis eines »close-playing« gewonnen haben).

Diese Differenzierung erscheint mir heute noch wichtiger als damals. Sie lässt sich ohne Weiteres auf andere Spiele übertragen, deren Rezeption dadurch beeinflusst ist, dass gewisse progressive Untertöne entweder nicht erkannt werden (von Spielern) oder krass überbewertet werden – von Experten, die nicht hinterfragen, ob die Einsichten, die sie aus dem Subtext dieser Spiele destillieren, von der Masse der Spieler zumindest im Grundsatz geteilt werden. Spielekritik ist elitär und hat elitär zu sein – muss danach streben, »mehr« zu sehen, als der »einfache« Spieler sieht. Doch sie darf den Horizont des letzteren nie aus den Augen verlieren, darf seine Perspektive nicht geringschätzen oder für ungültig erklären. Vielmehr sollte sie sie aufgreifen, wertschätzen – und dann erweitern.


INVENTORY: Die aktuellen Favoriten der Redaktion
foto7_2Sylvio @mussakku_laden

Spielt: Bound, Soma, Cities Skylines, Hitman: Legacy Pack
Liest: Peter J. Brenner: Neue deutsche Literaturgeschichte, Peter Handke: Wunschloses Unglück
Schaut: James May: Unser Mann in Japan, Imperium, Mr. Long
Hört: Lana Del Rey: Norman Fucking Rockwell!, David Bowie: Singles Collection
Und sonst? Ist echt dankbar, dass seine Uni die Nichtanrechnung des Semesters wegen Corona erlaubt und er deshalb sein letztes Semester doch noch in der Uni erleben kann.

ybhkbibl_400x400Iris @HiVidGa

Spielt: Skyrim: Special Edition, Saints Row: The Third Remastered, Tales of the Neon Sea
Liest: Fachliteratur zur Immobilienverwaltung (wegen ihres Kurses), Fanfiction zu Mass Effect
Schaut: Joker, 1917, First Love (Takashi Miike)
Hört: Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen
Und sonst? Bedauert, dass die historische Zusammenarbeit mit dem Indiestudio nicht geklappt hat; hofft aber, dass sie dieses Jahr ihr IHK-Zertifikat abschließen und ihren Freund in Madrid besuchen kann.

OKhjZsqh_400x400Pascal @PascalGrasshoff

Spielt: Cloudpunk, Klonoa, mal wieder Alien: Isolation
Liest: Eine Dissertation zu Gender-Darstellungen in Rock Band.
Schaut: Brooklyn Nine-Nine, Tim Rogers‘ dreistündige Review zum FFVII-Remake
Hört: Rina Sawayama, Weyes Blood, die neuen Carly Rae Jepsen B-Sides
Und sonst? Hätte nicht erwartet, wie positiv sich Arbeit im Homeoffice auf sein Gemüt auswirken würde. (Die gesparte Pendelzeit fließt in Spielkritik-Texte.)

Erik @snoopykoira

Spielt: VA-11 HALL-A
Liest: Haruki Murakami: Wilde Schafsjagd, zu viel wissenschaftliche Literatur
Schaut: YouTube-Videos, für mehr ist momentan kaum Zeit.
Hört: Anri, Fall Out Boy
Und sonst? Freut sich über Tim Rogers‘ (und Action Buttons) Rückkehr.

Profilbild JessicaJessica @JessicaKathmann

Spielt: Stronghold HD (mal wieder!), The Inner World: The Last Windmonk, Assassins Creed: Odyssey, Rakuen
Liest: Katharina Mittlböck: Persönlichkeitsentwicklung und Digitales Rollenspiel – Gaming aus psychoanalytisch-pädagogischer Sicht
Schaut: Lost
Hört: Robert Carl Blank: Biplane Model Kit
Und sonst? Hat grade mal wieder viel Spaß am Backen.

dennis-1
Dennis @VG_Analyse

Spielt: The Last of Us, The Stanley Parable, Star Wars: Episode I: Battle for Naboo
Liest: Zum Pissen Reichts: Das etwas andere Buch rund ums Trinken von Franz Zwerschina
Schaut: Midsommar, Wege zum Ruhm, Star Wars Episode 1-6
Hört: Stay Forever Podcast: Ausgefragt, Folge 4 mit Gunnar und Chris
Und sonst? Hat sich am Herrentag endlich mal wieder mit Freunden getroffen, um gemeinsam, auf Abstand, einen leckeren Obstwein zu trinken. (Prost!)


SIDE QUEST: Essen & Trinken beim Spielen

Jessica meint:

Nein, meinen Speiseplan kann man definitiv nicht an meiner Tastatur ablesen; beim Spielen wird höchstens mal an ein paar Nüssen geknabbert und eine Chips-in-die-Tastatur-Krümlerin bin ich auch nicht: Bröseliges oder fettiges Zeug kann ich beim Spielen nicht brauchen. Die Hauptmahlzeiten möchte ich genießen anstatt sie mir auf Anderes konzentriert nebenher in den Mund zu schieben. Meistens komme ich ohnehin erst nach dem Abendessen zum Spielen und da gibt’s dann für gewöhnlich auch keine Knabbereien mehr… Ein Glas Wasser (und abends ab und an auch mal ein Glas Wein) steht allerdings immer in Griffweite. ;)

Pascal meint:

Penibler Sauberkeitsfimmel und Futtern mit Controller? Geht alles, wenn man nur will! Kommt natürlich ein wenig aufs Spiel an – rundenbasierte RPGs eignen sich besser für einhändige Bedienung als Platformer. Doch manchmal ist der richtige Snack der perfekte Treat für den gewünschten pawlowschen Effekt: Das gute Spiel und der gute Snack verstärken ihre positive Resonanz gegenseitig. Gerade bei neuen Spielen, die ich am Wochenende zum ersten Mal genieße, degustiere ich gerne – ganz Ruhrpott-proletarisch – ein zeremonielles New Game-Feierabendbier. Nur blöd, wenn das Spiel dann langsam startet und man durchs Genussmittel umso schneller müde wird.

Sylvio meint:

Games und Bier (auch alkoholfreies) gehören für mich zusammen, seit ich vor 15 Jahren Black Mirror spielte, das Original von Future Games aus dem Jahre 2003. Es war mein erstes Point-&-Click-Adventure. Eines, das ich mit großer Begeisterung spielte, dass mir aber auch zeigte, dass das Genre nur mit einem Bier (oder zwei, oder drei…) wirklich zu »ertragen« ist. Was scheren mich die Längen der Dialoge und das langwierige Klicken durch die einzelnen Objekte eines Raumes – in der Zwischenzeit trinke ich Bier. Umgekehrt sind Point-&-Click Adventures (vor allem die aus den frühen 2000ern, die vertont sind und sich mit einer Hand steuern lassen) ideale Begleiter zu guten Bieren – solchen, die man langsam und »bewusst« genießt, die als bloße Durstlöscher während eines schweißtreibenden Actionspiels vergeudet wären. Point-&-Click-Adventures verhalten sich zum Bier wie Käse zum Wein – das eine kann seinen Geschmack ohne das andere nicht richtig entfalten.

Erik meint:

Nein. Ich habe nicht das Bedürfnis, meine Controller (vor allem nicht meine Tastatur; ich müsste jede Taste einzeln abnehmen) ständig reinigen zu müssen, weil sie entweder fettig sind oder Krümel reingefallen sind. Getränke? Von mir aus. Ich bin vielleicht ungeschickt, habe aber noch nie ein Glas oder eine Flasche versehentlich umgekippt. Allerdings achte ich auch darauf, meine Gläser oder Flaschen gerade so weit wegzustellen, dass sie im Fall der Fälle meine Peripherie nicht ertränken würden. Welche Getränke? In Reihenfolge: Grüner Tee, Eistee, Energy Drinks, Cola, Malzbier (Es würde an erster Stelle stehen, aber ich halte mich davon ab, es zu kaufen, weil ich es nur noch trinken würde.)

Dennis meint:

Wenn ich ein virtuelles Abenteuer erlebe, möchte ich mich grundsätzlich nicht mit zusätzlichen Nebentätigkeiten wie Essen oder Trinken beschäftigen. Ein Spiel ist ein Werk, das mir etwas mitteilt und meine volle Aufmerksamkeit verdient – selbst wenn eine Zwischensequenz das Gameplay unterbricht und ich beide Hände für einen Snack frei hätte. Als vor kurzem meine Spielfigur in Call of Duty: Warzone das Zeitliche segnete, habe ich mir jedoch zwischenzeitlich ein paar Chips im Mund hineingestopft, bis mich meine Freunde wieder ins Spielgeschehen zurückholten. Im Gegensatz zum Singleplayer-Erlebnis verbinde ich mit Multiplayer-Spielen eine gesellige Zwischendurch-Unterhaltung, die mich manchmal auch zum alkoholischen Genuss animiert. Für den nächsten N64-Abend zu viert stehen schon die Cocktails bereit. Prost!


Logbucheintrag Ende. Ende Juni melden wir uns wieder – mit neuen Empfehlungen alter Beiträge, neuen Favoriten in Film, Funk und Fernsehen, und neuen Meinungen zu einem neuen Thema des Monats. Und natürlich mit einem neuen Freund (oder einer neuen Freundin) des Hauses. Bis dahin!