Der SPIELKRITIK „slowtalk“ – der Podcast zum Lesen. ;)

Geschlagene vier Monate lang sprachen Christian und ich über das vielleicht ungewöhnlichste Nintendo-Magazin der 1990er. Die Nintendo Fun Vision – das einzige deutschsprachige Spielemagazin mit der offiziellen Nintendo-Lizenz und deshalb auch das einzige (neben Nintendos hauseigenem Club Nintendo Magazin), das den Namen Nintendo bereits im Titel tragen durfte. Was das für die Fun Vision bedeutete, was das Heft von seinen unabhängigen Konkurrenten – der Total!, der N-Zone und der 64 Power – unterschied, in welchen Punkten die Fun Vision scheiterte, und vieles andere mehr erfahrt ihr in unserem Gespräch. 

Einblicke in das Heft dürfen natürlich auch nicht fehlen – in diesem, wie auch in den kommenden Teilen dieses vierten SPIELKRITIK „slowtalks“Lernt mit uns ein Heft kennen, das auch uns zuvor fast unbekannt war, das wir im Verlauf unserer Unterhaltung aber immer besser kennenlernten. Viel Spaß!

PS: Habt ihr die Fun Vision vielleicht sogar selbst gelesen? Dann freuen wir uns auf eure Kommentare ganz besonders! [sk]


#01: sylvio // Willkommen!

foto7_2Liebe Leserinnen und Leser, hallo Christian. Schön, dass ihr dabei seid. Ich freue mich, nach längerer Zeit wieder einmal die Gelegenheit und die Zeit gefunden zu haben, einen unseren SPIELKRITIK „slowtalks“ zu führen. Eine Sache ist anders als in den Ausgaben: Und zwar werden wir uns diesmal nicht zu viert, sondern in gemütlicher Zweisamkeit unterhalten. Im Gegenzug ist unser Thema weniger abstrakt, als es das in der Vergangenheit oft war, sondern buchstäblich ganz leicht greifbar. Wir möchten über alte Videospiel-Zeitschriften sprechen. Und zwar nicht über irgendwelche, sondern über die Nintendo Fun Vision.

Doch bevor wir mehr über die Hefte sagen, möchte ich an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich meinen Gesprächspartner begrüßen, Christian Serra. Einige von euch kennen ihn eventuell von seinen Gastartikeln auf VSG, von seinem eigenen Retro-Blog unter binaryscroll.net, von Twitter oder auch von Spielkritik, wo wir ihn vor einigen Monaten als ersten Freund des Hauses im Quest-Log begrüßten. Hallo Christian, schön, dass du dabei bist!

#02: christian // Vorstellung

christian_serra_questlogHallo Sylvio! Danke für die Einladung zu diesem slowtalk, ich freue mich sehr, mich über eines meiner Lieblingsthemen zu unterhalten: alte Videospiel-Zeitschriften.

Für diejenigen, denen die Nintendo Fun Vision unbekannt ist, stelle ich das Heft kurz vor: Die Nintendo Fun Vision wurde in den 90ern herausgegeben und behandelte exklusiv Nintendo-Spiele, was bei dem Namen natürlich keine große Überraschung ist. Laut einem auf jedem Cover prangenden Siegel handelte es sich um ein durch Nintendo lizenziertes Produkt, weshalb die vielen inhaltlichen Parallelen zum offiziellen Club Nintendo Magazin vermutlich kein Zufall sind: Neben Toplisten und beantworteten Leserbriefen bietet die Fun Vision Lösungshilfen mit Screenshots und Karten sowie größtenteils neutrale, beschreibende Spieleberichte. Im Gegensatz zum Club Nintendo Magazin finden sich in der Fun Vision allerdings auch kritische Anmerkungen.

So viel an dieser Stelle zum Heft an sich. Was mich erst einmal interessieren würde, Sylvio: Wie kamst du selbst zur Nintendo Fun Vision? Kanntest du die Hefte schon von damals?

#03: sylvio // Erstkontakt

Danke für die kurze Vorstellung schon mal, wobei über die Eigentümlichkeiten der Fun Vision auf jeden Fall noch zu sprechen sein wird.

Ich kenne die Fun Vision „von damals“, aber nur sehr bedingt: Seit 1997 begleitete mich das Club Nintendo Magazin, und seit 2000 las ich dann regelmäßig die big.N. Letztere ist manchen vielleicht eher als 64 Power bekannt, wie sie bis Ende 1999 noch geheißen hatte. Daneben kaufte ich mir hin und wieder eine N-Zone und ganz vereinzelt Multiplattform-Magazine (meist solche, die sich an ein eher jüngeres Publikum richteten, also Bravo Screenfun, Mausklick oder Kids Zone).

Berührungspunkte mit der Nintendo Fun Vision hatte ich dagegen fast keine. Eigentlich nur einen, und zwar mit der Ausgabe 2/2000. Die mit dem goldenen Donkey Kong auf dem Cover. Das war allerdings die vorletzte Ausgabe, bevor das Heft eingestellt wurde, was eine innigere Beziehung dann natürlich von vornherein verhinderte. Denkbar, dass ich auch noch eine zweite Ausgabe mein Eigen nannte, vielleicht die 3/2000 (also die allerletzte) oder eine etwas ältere. Allerdings konnte ich das Heft (oder die Hefte) im Vorfeld unserer Unterhaltung nicht mehr finden.

Dass ich nun trotzdem mit dir über die Fun Vision sprechen kann, liegt daran, dass ich das Glück hatte, Anfang des letzten Jahres in unserem örtlichen Retro-Games-Geschäft auf zwei hervorragend erhaltene Exemplare zu stoßen: die Ausgaben 7-8/1999 (Juli/August) und 11-12/1999 (November/Dezember). Einen Euro kosteten die jeweils und ich hätte noch mehr Hefte mitnehmen können, weil ich aber keine besondere Beziehung zur Fun Vision hatte, dachte ich mir, das reiche erstmal.

Deine Ausgaben der Fun Vision sind dagegen deutlich älter, aus dem Jahr 1994. Du sagtest mir im Vorfeld schon, du hast die Nr. 3 (März/April 1994), die Nr. 4 (Mai/Juni 1994) und die Nr. 10 (Dezember 1994). Tiefste SNES-Ära also, wogegen meine Hefte aus der Spätphase des Nintendo 64 stammen. Wir haben also das Glück, dass unser Hefte den Lebenszyklus der Fun Vision fast vollständig abdecken. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich das Heft von 1994 bis 2000 verändert hat.

Doch bevor ich zur Geschichte des Magazins noch ein paar Worte sagen möchte: Gab es einen bestimmten Grund, warum du dir die Hefte ersteigert hast? Rein aus Neugier, just for fun? Was haben dich die drei Ausgaben gekostet?
Du kanntest die Fun Vision ja auch nicht von früher, oder? Was hast du damals gelesen?

#04: christian // Online-Fundstücke

Dann ist die Fun Vision auch fast an dir vorbeigegangen. Damals habe ich tatsächlich gar nichts davon mitbekommen. Meine Zeitschriften waren zu der Zeit das Club Nintendo Magazin und die Bravo Screenfun. Meine drei Fun Vision-Ausgaben entdeckte ich im Juli 2019 zufällig bei eBay, als ich dort eigentlich nach Spielen gesucht habe. Pro Heft habe ich 2,50 Euro bezahlt. Wenn ich mich richtig erinnere, wurden noch weitere Ausgaben angeboten, aber da wollte ich auch erst einmal schauen, wie interessant das mir bis dahin unbekannte Magazin überhaupt ist.

Die Ausgaben wählte ich anhand der auf dem Cover angepriesenen Berichte aus: Teenage Mutant Hero Turtles – Tournament Fighters (Nr. 3) und Skyblazer (Nr. 4) haben mich angesprochen, weil beide Spiele aus heutiger Sicht eher wenig bekannt sind. Bei Ausgabe 10 war es dagegen reine Nostalgie für den Klassiker Donkey Kong Country (das auf dem Cover vermerkte DKC-Werbevideo war bei mir leider nicht dabei).

#05: sylvio // Nintendo-Magazine in den 1990ern
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Leute wie du sind dann wohl der Grund, warum in Ausgabe 2/2000 kein Geringerer als Donkey Kong(!) zum „Videospielheld des Millenniums“ gewählt wurde. Na gut, die Veröffentlichung von Donkey Kong 64 wenige Monate zuvor dürfte auch eine Rolle gespielt haben. So oder so wäre das heute unvorstellbar. Ein Magazin mit beigelegter VHS-Kassette natürlich auch. Daran erkennt man, dass wir uns nicht nur in der Prä-Internet-Ära (als Massenmedium), sondern auch in der Prä-DVD-Ära befinden. Also zumindest bei deinen Ausgaben. Meine Ausgabe 7-8/1999 wirbt nämlich schon auf dem Cover damit, dass man „Jetzt im Internet!“ sei.

Ich möchte auf den Lebenszyklus der Fun Vision gern etwas genauer eingehen wollen, und damit das Heft in der Geschichte deutscher (Nintendo-)Spielemagazine etwas präziser verorten.

Du sagtest es ja schon: Die Fun Vision war ein Heft der 90er. Und zwar erschien sie erstmals 1993. Damit ist sie, und das überraschte mich in der Recherche für diese Unterhaltung dann doch, eines der ältesten Nintendo-only-Magazine Deutschlands. So verzeichnet kultboy.com zunächst ein „Kostenloses Musterexemplar“ und dann für November/Dezember 1993 die eigentliche Erstausgabe.
Die (meinem Eindruck nach weit berühmtere) Total! ging ebenfalls 1993 in den Verkauf, allerdings noch einige Monate früher. Sie brachte es bereits 1993 auf sieben reguläre Ausgaben, die erste davon im Juni.
(Der Vollständigkeit halber könnte man auch noch das Club Nintendo Magazin erwähnen, das seit 1989 erschien, aber das gab es ja nie an den Kiosken zu kaufen.)

Die zweite „Welle“ an Nintendo-Magazin-Gründungen folgte dann 1997 mit dem Erscheinen das Nintendo 64. Da kamen dann nahezu zeitgleich die N-Zone wie auch die 64 Power neu auf den Markt, sodass es von 1997 bis 2000 nicht weniger als vier(!) konkurrierende Nintendo-Magazine gab. Und das, obwohl das N64 bekanntlich kein übermäßiger Erfolg war.
Und vier, das waren offenkundig zwei zu viel: Auch der Pokémon-Hype konnte nicht verhindern, dass die beiden älteren Vertreter im Jahre 2000 fast zeitlich die Segel streichen mussten. Also Total! und Fun Vision. Lediglich die N-Zone und die mittlerweile in big.N umbenannte 64 Power konnten sich in die GameCube-Ära retten.

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Hast du etwas Genaueres in Erfahrung bringen können, wie und warum die Fun Vision 2000 schließlich eingestellt wurde – oder wie sie entstanden ist? Denn – und das ist der zweite Punkt, der mich im Zuge dieser meiner Neubegegnung erstaunt hat – die war ja seit der ersten Ausgabe ein „offizielles“ Nintendo-Produkt.

#06: christian // Die freundliche Redaktion aus der Nachbarschaft

Was die Relevanz angeht, sollte die Fun Vision für Nintendo-Interessierte dann ja eigentlich schwer zu übersehen gewesen sein. Dass ich es dennoch tat, lag bei näherer Überlegung vermutlich daran, dass ich erst gegen Ende der 90er durch die Bravo Screenfun dazu kam, mir Spielezeitschriften am Kiosk zu kaufen, und mich als frischgebackenen PlayStation-Besitzer wohl keine Hefte mit Nintendo 64-Covern angesprochen haben. Das Club Nintendo Magazin wurde ja über andere Kanäle vertrieben, weshalb ich das schon von früher kannte. Vielleicht wollte Nintendo mit einem lizenzierten Magazin wie der Fun Vision ja dafür sorgen, dass sie auch im regulären Zeitschriftenhandel präsent sind?

Übrigens habe ich damals nicht nur die Fun Vision-Hefte selbst verpasst, sondern auch die Tatsache, dass sie quasi direkt vor meiner Nase produziert worden sind: Die Redaktion, zu der auch die Agentur Art+Work gehörte, saß in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main, und der Verlag, die deutsche Niederlassung von Tokuma Shoten Publishing, im Frankfurter Vorort Neu-Isenburg. Dass ein japanischer Verlag – der auch einige Spiele für Nintendo-Systeme herausgebracht hat – hinter der Fun Vision steckte, könnte dem Lizenz-Deal mit Nintendo natürlich geholfen haben. Später hat der Verlag gewechselt, in der Ausgabe Nr. 10 vom Dezember 1994 war es dann der Pro Verlag für Publikationen, ansässig wiederum in Frankfurt.

Die Agentur Art+Work existiert übrigens weiterhin und ist unter anderem immer noch für Verlage und Nintendo tätig. Aber zumindest von der deutschen Niederlassung von Tokuma Shoten Publishing finde ich keinen Nachweis mehr, ebenso wenig vom Pro Verlag für Publikationen (es gibt nur einen Verlag mit ähnlichem Namen, der aber vermutlich nicht derselbe ist).

Wie man an meinen Mutmaßungen merkt, habe ich leider nicht besonders viele Informationen zum Hintergrund, Werdegang und Ende der Nintendo Fun Vision herausfinden können. Vielleicht finden sich in den späteren Ausgaben ja noch einige Hinweise?

#07: sylvio // Die offizielle Nintendo-Lizenz

Es ist schon ein wenig seltsam, dass Nintendo einem Magazin sein Siegel gab, während sie selbst das offizielle Club Nintendo Magazin rausbrachten. Vielleicht wollte man so – neben der von dir erwähnten Sichtbarkeit – einfach gern mehr Einfluss haben auf das, was die Leute am Kiosk über die eigenen System zu lesen kriegen, zumal einige Monate zuvor die Total! auf den Plan getreten war. Denkbar ist natürlich auch, dass die Initiative vom Verlag ausging und sich dieser – aus welchen Gründen auch immer – um diese offizielle Lizenz bemühte…? In jedem Fall ist davon auszugehen, dass der Verlag Lizenzgebühren an Nintendo zahlte. Ein Zusatzverdienst war es für Großostheim/Kyoto also allemal.

Nun gut, mehr werden wir mit Mutmaßungen nicht klären können. Deshalb in diesem Zusammenhang nur noch eine Sache: Die allerletzte Ausgabe der Fun Vision, deren Cover hier bei kultboy.com zu sehen ist, trägt auf ebendiesem nicht länger das Nintendo-Siegel. Das muss nichts bedeuten – vielleicht hat man es auch schlecht vergessen, oder anderswo hingepackt, oder es war ein Extra-Umschlag drum herum, o.ä. Aber es ist doch zumindest ein interessantes Detail.

Dass die Fun Vision für Fans schwer zu übersehen gewesen sei, muss ich zumindest für das Jahr 1999 (als ich begann, Magazine zu kaufen) verneinen.
Soweit ich das beurteilen kann, gehörte die Fun Vision, wie übrigens auch die Total!, zu den Heften, die man eher selten an den Kiosken fand. Zumindest zu dieser Zeit und bei mir auf dem Land. Da waren die big.N und insbesondere die N-Zone weit verbreiteter, was sicherlich auch ein Grund war, warum ich als Leser zu denen fand. Das Ganze könnte aber auch ein Indiz sein, dass es um Fun Vision und Total! in diesen Jahren nicht mehr so gut stand. Denn wie gesagt, im Jahr 2000 sollten beide Magazine eingestellt werden.

Doch zurück zu den Anfängen: Dass so vergleichsweise früh im Lebenszyklus der Fun Vision der Verlag wechselte, wirft natürlich Fragen auf. Wie ein Vergleich der jeweiligen Impressen zeigt, blieben die leitenden Mitarbeiter im Großen und Ganzen allerdings dieselben und auch an der Mitarbeit der Art+Work GmbH änderte sich nichts. Und sollte sich auch in den kommenden Jahren nichts ändern. Die Impressen in meinen Heften von 1999 führen nämlich genau dieselben leitenden Persönlichkeiten auf, die auch schon in deiner Nr. 10 an der Spitze stehen. Das heißt, Wolfgang Lutterbach als Herausgeber und Oliver Gubba als Chefredakteur. Das ist doch eine ganz erstaunliche Beständigkeit.

Einige Dinge über den Pro Verlag konnte ich ebenfalls in Erfahrung bringen. Schau dir hier einmal an, was auf der Verlagswebsite im Internet-Archiv als Selbstdarstellung zu lesen ist: Hier.

Das heißt also: Der Pro Verlag wurde erst 1994 von dieser Art+Work GmbH gegründet, die du schon erwähntest, und die auch schon am Heft mitgearbeitet hatte, als das noch von Tokuma Shoten Publishing herausgebracht wurde. Und offenbar war die Fun Vision über mehrere Jahre hinweg auch die einzige (oder zumindest die einzig nennenswerte) Publikation, die der Pro Verlag im Portfolio hatte.

Ich weiß nicht, was der unternehmerische Fachausdruck wäre, aber so, wie sich mir die Sache darstellt, hat man sich sozusagen von Tokuma Shoten Publishing unabhängig gemacht und „das Heft selbst in die Hand genommen“, wie man hier so treffend sagen kann. Der vorherige Leiter der Redaktion, Wolfgang Lutterbach, wurde im Zuge dessen der Geschäftsführer des Pro Verlag und Herausgeber der Fun Vision. Insofern ist der Verlagswechsel auch kein Bruch in der Geschichte der Fun Vision, sondern vielmehr ein Schritt zur verlegerischen Eigenständigkeit.

#08: christian // Alles im Kasten
slow4a

Dann kann man die Nintendo Fun Vision insgesamt wohl als zeitweilige Nebentätigkeit einer Agentur betrachten. Ich würde gerne darauf eingehen, wie unabhängig diese ausgeführt worden ist. Im Gegensatz zum Club Nintendo Magazin enthielt die Nintendo Fun Vision Wertungen. Diese erfolgen in separaten Kästen am Ende der Artikel, selbst wenn es sich dabei nur um eine Lösungshilfe für das jeweilige Spiel handelt. Die Reviews selbst sind eher beschreibender Natur und enthalten in der Regel keine kritischen Anmerkungen, die Wertungen beschränken sich also ausschließlich auf die Kästen.

Diese enthalten allgemeine Informationen, darunter auch eine nützliche Feature-Liste, in der etwa aufgeführt wird, ob es Continues, Passwörter oder einen batteriegestützten Speicher gibt. Übrigens eine Information, die ich auf modernen Retrospiele-Webseiten oft schmerzlich vermisse. Wenn ich Spiele auf der Original-Hardware genießen möchte, ist es schon hilfreich vorher zu wissen, ob man ellenlange Passwörter aufschreiben oder die Konsole über Nacht anlassen muss. In weiteren Kästen werden Faktoren wie Grafik, Sound, Spielspaß, aber auch Härtegrad beleuchtet und in einem Fazit zusammengefasst. Bei kürzeren Berichten gibt es oft nur den Fazit-Kasten. Dort finden sich durchaus deutliche Kritikpunkte wie ruckelnde Grafik, fehlende Passwortfunktion, mangelnde Tiefe, oder ein zu hoher Schwierigkeitsgrad. Auf eine Zahlenwertung wird verzichtet – selbst aus heutiger Sicht eine sehr fortschrittliche Praxis. Irgendwelche Verrisse sieht man übrigens nicht. Laut einem beantworteten Leserbrief werden richtig schlechte Spiele von vornherein aussortiert und tauchen gar nicht erst im Heft auf.

Das Thema Bewertung macht bei mir auf den ersten Blick zumindest einen schlüssigen Eindruck. Doch auch wenn hier im Gegensatz zum Club Nintendo Magazin die Redaktion nicht aus Nintendo-Angestellten besteht, bleibt ein fader Nachgeschmack: Es ist unklar, ob das Nintendo-Siegel vielleicht Auflagen zur Meinungsäußerung mit sich brachte. Ob die Trennung zwischen Text und Wertung aus Absicht, redaktioneller Unerfahrenheit, oder zwecks Reduzierung von Kritik erfolgte. Ein gewisser Interessenkonflikt besteht zudem darin, dass einige der besprochenen Titel auch Werbeanzeigen im selben Heft haben. Und die aussortierten Rohrkrepierer werden auch nicht zumindest nochmal gelistet. In einer Antwort auf einen entsprechenden Leserbrief wird explizit auf wirtschaftliche Interessen verwiesen; mit Inserenten und Spieleherstellern wolle man es sich auch nicht verscherzen.

Wie ist dein Eindruck von der Unabhängigkeit der Nintendo Fun Vision Wertungen, Sylvio? Hat sich in den späteren Heften noch mal etwas am System geändert?

#09: sylvio // Was sind eigentlich „game guides“?

Ich denke, die Frage nach der Unabhängigkeit rückt ein Stück weit in den Hintergrund, wenn man sich anschaut, wie die „Reviews“ der Fun Vision konzipiert waren und welchem Zweck sie dienten. Daher, lass uns diese Frage vielleicht noch zwei, drei Kommentare nach hinten schieben und uns die Reviews zuerst noch etwas näher betrachten, bzw. wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelten.

In den fünf Jahren, die zwischen „deinen“ und „meinen“ Ausgaben der Fun Vision liegen, hat sich da nämlich einiges getan. Fortsetzung folgt…


Inhaltsverzeichnis

Rechtliche Hinweise zu Heftauszügen