FÜNFTER EINTRAG

Control ist nicht perfekt. Control besitzt die Macken, die andere Spiele unserer Zeit mit einem ähnlich hohen Produktionsbudget ebenfalls haben. Dinge, die man auch aus Control ausnahmslos streichen könnte: Das völlig uninteressante Crafting-System, immersions-killendes Looting von Materialien und eine gähnend langweilige Skillpunkteverteilung der Marke „Mache 20% mehr Schaden mit Fähigkeit X“. In anderen Worten: Die parasitäre RPG-ifizierung all jener Spiele, die auch ohne entsprechende Spielmechaniken wunderbar funktionieren würden, hat auch Control ergriffen. Ein ziemlicher Stimmungskiller können auch die ständigen und teils lang andauernden Framerate-Einbrüche sein (und ich habe, was das angeht, normalerweise wirklich starke Nerven).

Doch trotz dieser Defizite ist Control ein atmosphärisches Glanzstück. Im Laufe des Spiels wird das Älteste Haus, und damit gleichzeitig die räumliche Erschließung von diesem, zum eigentlichen Star. Die spezifischen Interaktionsweisen mit den Paranormalitäten der verschiedenen Räumlichkeiten werden allmählich internalisiert und die Rolle der Direktorin immer dankbarer angenommen. Die Kämpfe und die einhergehende Agilität, mit der wir uns durch die Gegnerhorden schießen und schleudern, bereiten auch beim zwanzigsten oder fünfzigsten Mal noch große Freude. Die ästhetische Gestaltung zwischen übernatürlicher Erhabenheit und menschlich gezähmter Bürokratie lädt ein; entweder zum tiefschürfenden Analysieren, oder zum bloßen Betrachten und Aufsaugen der hier erzeugten Aura.

Nach dem für mich eher enttäuschenden Quantum Break wurde mit Control wieder ein Universum kreiert, das gekonnter an die Stärken eines Alan Wakes anknüpft. Mit all seinen Mysterien, Nebenaktivitäten, und ästhetischen Erfahrungen von kultischer Überhöhung und Bizarro-Horror hat Remedy ein atmosphärisches Abenteuer erschaffen, das mich ab der ersten Sekunde in seinen Bann gezogen hat.

Beinahe so, wie ein besessener Kühlschrank, der einen mit paranormalen Kräften dazu zwingt, ihn pausenlos anzustarren. Beinahe. [ja]

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