Liebe Leserinnen und Leser,

unser Quest-Log im November ist da. Bedingt durch die EGX Berlin sind wir eine Woche später dran als üblich, und vielleicht auch um ein oder zwei Inventories ärmer, aber das soll das gesellige Miteinander nicht trüben.

Ganz im Geiste des heute erschienenen Death Stranding wollen wir Brücken bauen, Menschen miteinander verbinden und zum Teilen bewegen: So verraten wir euch wieder einmal, welche Spiele unsere Redaktion gerade spielt, welche Filme wir schauen, welche Bücher wir lesen, und welche Musik wir hören. Wir empfehlen euch zwei unserer liebsten Bestandsartikeln und versammeln Meinungen zu einem Thema des Monats.

Natürlich heißen wir auch wieder einen handverlesenen Gast willkommen: Als „Freund des Hauses“ mit von der Partie ist diesmal Tuan Anh, dessen smarte Tweets zu Spielen und Filmen ich schätzen lernte und den ich jüngst auf der EGX Berlin auch persönlich kennenlernen durfte.

Das Thema des Monats dreht sich diesmal um Blizzard, Blitzchung und die Blizzcon. Erik, unser Gast und ich verraten, was wir von der ganzen Sache halten.

Und ihr so? Wir freuen uns auf euer Feedback. [sk]


BACKTRACKING: Die Bestandsartikel des Monats

tencent22

Empfohlen von Sylvio: Feature: Tencent Games – Chinas sanfter Riese?

Ich schrieb diesen Artikel im April letzten Jahres, als Tencent hierzuland kaum einem ein Begriff war, in der einen oder anderen Spiele-News allerdings schon auftauchte. „Und es mehren sich die Zeichen, dass all das nur der Anfang sein könnte“, orakelte ich damals – und siehe da, so kam es auch. Als ich das Feature ein halbes Jahr nach seiner Erstveröffentlichung im GAIN-Magazin auch bei uns veröffentlichte, musste ich den Text bereits umfangreich aktualisieren. Ein weiteres Jahr später müsste der Artikel vermutlich neu geschrieben werden – so präsent ist Tencent seither auch in der westlichen Wahrnehmungen geworden. Da deutschsprachige Porträts des Unternehmens, die nicht zugleich zu Dramatisierung und Sensationalisierung neigen, weiter rar sind, verwundert es nicht, dass das Interesse am Artikel ungebrochen hoch ist.

batch_batch_Bildschirmfoto 2019-09-13 um 18.43.47

Empfohlen von Erik: Eliza – Mental Health-Dystopie für Visual Novel-Neulinge

Das Genre der Visual Novels hat sich – auch im Westen – durch japanische Titel wie die Danganronpa- oder Zero Escape-Reihe seinen Weg in die Herzen vieler SpielerInnen gebahnt. Markenzeichen dieser Spiele sind unter anderem ihre stilisierten, überzeichneten Charaktere sowie ihre komplexe Narration. Zachtronics, bekannt durch Werke wie Spacechem, versuchen sich mit Eliza an einer Visual Novel mit einem westlicherem Spin. Was wäre, würde es statt PsychotherapeutInnen künftig eine App geben, die bei mentalen Problemen helfen soll? Und welche Konflikte entstehen aufgrund der Arbeit an einem solchen Projekt? Unser Redakteur Pascal hat Eliza unters Mikroskop gelegt. Ob das Spiel es schaffen konnte, unseren Visual Novel-verdrossenen Kollegen vom Genre überzeugen?


INVENTORY: Die aktuellen Favoriten der Redaktion
foto7_2Sylvio @mussakku_laden

Spielt: Darksiders III, Record of Lodoss War, Oddworld: Abe’s Oddysee
Liest: Philippe Djian: Blau wie die Hölle; alte Nintendo Fun Vision-Hefte (aus Gründen)
Schaut: The Expanse, Lazarus (Theater), Herr der Ringe
Hört: Lana Del Rey: Lust for Life, Alice Cooper: Breadcrumbs
Und sonst? Hat wieder Spaß an der Uni und bereitet sich mit großen Schritten auf seine zweite Bachelorarbeit vor.

ybhkbibl_400x400Iris @HiVidGa

Spielt: A Plague Tale, Killzone: Shadowfall, Assassin’s Creed: Odyssey
Liest: Mal dies, mal das (Zeitschriften). Hat im Moment wenig Muße zum Bücherlesen.
Schaut: Lottergeist Beetlejuice, Bojack Horseman, Joker
Hört: Regard, MackyPancake, Steve Aoki
Und sonst? Ist endlich in Rostock eingezogen und hat wieder Zeit für die Dinge, die wichtig sind im Leben.

FQfN8Yx7_400x400Johannes @Jominathor

Spielt: Nicht wirklich viel, wägt aber momentan ab, ob er mit Outer Worlds oder Disco Elysium mehr Spaß hätte.
Liest: Yann Martel: Life of Pi
Schaut: Burning, Parasite, und weiterhin Scrubs
Hört: Das Podcast UFO
Und sonst? Hat nach einem chaotischen letzten Semester nun endlich seine Bachelorarbeit angemeldet.

OKhjZsqh_400x400Pascal @PascalGrasshoff

Spielt: Luigi’s Mansion 3, Ring Fit Adventure, Neo Cab, Telling Lies
Liest: Phil Collins: Not Dead Yet, Fachliteratur über die Beatles
Schaut: die großartige Vietnam War-Doku auf Netflix, Killing Eve
Hört: Jeden Morgen die Apple Music Radio Show von Elton John.
Und sonst? Hatte immer „Angst“ vor 40h Vollzeit-Job, findet das aber vielleicht doch besser als so manchen Uni-Stress („Lasst es bald vorbei sein…“).

Erik @snoopykoira

Spielt: Dragon Quest XI S, Ori and the Blind Forest
Liest: 30 Bücher des deutschen Kanon für ein Literaturseminar
Schaut: Jack Whitehall: Travels with My Father
Hört: Eurobeat Mega Mixes, diverse japanische Jazz- und Math-Alben
Und sonst? Artikel über Hongkong sind weit aufwendiger, als er dachte.

i4CNp7lv.jpg-large
Freund des Hauses: Tuan Anh @KeunGom

Spielt: Fire Emblem Three House; League of Legends; Nine Hours, Nine Persons, Nine Doors
Liest: M. R. Carey: The Girl With All The Gifts; viele Mangas wie z.B. Barakamon, Cells at Work
Schaut: Parasite (Empfehlung), The IT Crowd, Hunter x Hunter
Hört: Man With A Mission, Tom Walker, (G)I-DLE
Und sonst? Kümmert sich liebevoll um seinen Pile-of-Shame; und ist im Moment jede Woche im Kino.


SIDE QUEST: Blizzard, Blizzcon, Blitzchung

Erik meint:

Mir fällt es schwer, zu glauben, Blizzard habe Blitzchung ausschließlich wegen ihres Turnierregelwerks gebannt. Seine ursprüngliche Strafe – ein permanenter Bann und das einbehaltene Preisgeld – steht in keinem Verhältnis zu seiner Aussage oder der eigenmächtigen Handlung generell. Mehrere Overwatch League-Spieler äußerten sich während ihrer Streams homophob oder verwendeten ableistische Beleidigungen. Die Konsequenz: temporäre Spielverbote und Geldstrafen. Ich würde lachen, wäre es nicht so tragisch. Es hat nicht geholfen, dass die Entschuldigung Blizzards während der BlizzCon keine war und Jayne, einer der Coaches des Overwatch League-Teams Dallas Fuel, einen Tweet löschen musste, der die Zensur Blitzchungs beanstandete. Wenn Blizzard eins kann, dann ihre Kredibilität schneller als ihre Esports-Titel gegen die Wand zu fahren.

Tuan Anh meint:

Blizzard hat mit der Aktion gegen Blitzchung sehr viele Sympathiepunkte einbüßen müssen und die darauffolgende Begründung und die Verringerung der Strafe haben es nicht besser gemacht. Dass es eine Entschuldigung auf der Blizzcon gab, war bitter nötig. Jedoch war sie meiner Meinung nach sehr vage. Auf die Entlassung der Caster und die Sanktionen gegen Blitzchung wurde nämlich überhaupt nicht Bezug genommen. Es war für mich eine reine PR-Entschuldigung. Aus finanzieller Sicht verstehe ich es irgendwie, dass Blizzard es sich nicht mit China verscherzen wollen, aber aus menschlicher Sicht ist es für mich unvereinbar. Hoffentlich äußert sich Blizzard nochmal zu dieser Thematik.

Sylvio meint:

In der Causa Blizzard-Blitzchung zeigen sich die unerfreulichen Folgen der Vermählung von politischer bzw. ideologischer Zensur einerseits mit kommerzieller Zensur andererseits, wie sie uns in den kommenden Jahren (und nicht nur im Zusammenhang mit China) wohl noch häufiger beschäftigen wird. Vor einfachen Erklärungen sollte man sich allerdings hüten: So wurde Blizzards Vorgehen u.a. von Spielern in den sozialen Medien gerne mit der 5-Prozent-Beteiligung des chinesischen Internet-Giganten Tencent am Unternehmen erklärt, doch dürfte dieser Faktor tatsächlich eher nachrangig sein. Stattdessen zeigt bereits der Umstand, dass Blizzards Spiele in Festland-China traditionell von Tencents Hauptkonkurrenten NetEase vertrieben werden, dass die Realität komplexer ist und Interessenssphären in der globalisierten Spieleindustrie nicht entlang von Ländergrenzen verlaufen.


Logbucheintrag Ende. Im Dezember melden wir uns wieder – mit neuen Empfehlungen alter Beiträge, neuen Favoriten in Film, Funk und Fernsehen, und neuen Meinungen zu einem neuen Thema des Monats. Und natürlich mit einem neuen Freund (oder einer neuen Freundin) des Hauses. Wir hoffen, ihr bleibt uns treu. Bis dahin!