SteamWorld bedeutet Perfektion. Bedeutete es. Bis 2019. SteamWorld Quest erreicht weder die qualitative Höhe der Vorgänger noch die spielerische Tiefe anderer Kartenspiele wie Slay the Spire.

SteamWorld kennt keine Genre-Grenzen. Ob Adventure, Strategie- oder Kartenspiel – das Ziel der Entwickler Image & Form ist nach eigener Aussage, Fans sanft aus ihrer Komfortzone und in neue Genres zu schubsen. Doch blieben diese Fans bei SteamWorld Dig und Heist nur am Ball, weil Zugänglichkeit auf Raffinesse traf.

Easy to learn, hard to master, lautete die Formel. Doch SteamWorld Quest ist way too easy to master. Selbst auf höchstem Schwierigkeitsgrad bleiben sämtliche Gefechte abseits der Bosse trivial. Ein wahrer Motivationskiller in einem taktischen Spiel, welches zu 95% aus Kämpfen besteht. Ein wenig wie Final Fantasy XIII – viel Action, verwässert durch seichte Eintönigkeit. Und keine Städte. Aber wer hätte in diesem generischen Setting schon Städte erkunden wollen?

Auch das Einfügen sabbelnder Roboter macht die 08/15-Fantasywelt nicht fantasievoll. Die Dialoge der SteamWorld-Spiele waren nie ein Aushängeschild, doch waren sie bisher stets charmant. Nur trägt „charmant“ kein 20-stündiges RPG.

Das Bauen des eigenen Kartendecks sollte das Ganze auflockern, doch bilden die Karten vom Spielanfang bereits die dominante Strategie. Nicht die raffinierteste, aber die einfachste, sicherste und effizienteste. Buffs und plumpe Haudrauf-Moves machen Karten mit komplexen Nebeneffekten redundant. Der RNG-Faktor beim Kartenziehen ist das einzige Salz in der Suppe. Er sorgt für die wenigen Momente der spontanen Improvisation, welche strategische Spiele so spannend macht. Zugegeben, das ist ein Balanceakt auf dem Frusthochseil. Aber immer noch besser, als gar nicht abzuheben.

Was bleibt, ist seichtes Nebengeplänkel für den Podcastabend. Und – jetzt kommt die Wende – dafür ist SteamWorld Quest äußerst empfehlenswert. [pg]


SteamWorld Quest: Hand of Gilgamech
Image & Form / Thunderful, 25. April (Switch) & 31. Mai 2019
Nintendo Switch, Windows PC, Mac, Linux (GOG, Steam)
Executive Producer: Brjánn Sigurgeirsson
Director: Peter Johansson