Die Games-Lesetipps der Woche sind wieder da – zum mittlerweile einhundertundelften Mal.

Heute komme ich wieder einmal nicht drumherum, Artikel der Kollegen zu empfehlen, die wieder einmal fremdgepostet haben: Pascal erinnert sich auf seinem eigenen Blog an seine Erlebnisse mit Halo 3 – und mich damit daran, dass ich einen ähnlichen Artikel einmal über Perfect Dark schreiben sollte. Johannes schrieb einen Gastartikel für geekgefluester.de und schreibt dort über sein Scheitern in einem meiner Lieblingsspiele: Stronghold.

Und, ich sagte es erst kürzlich, Porträts alter Spielezeitschriften stehen bei mir hoch im Kurs, und deshalb schafft es auch Andrés Vorstellung eines mir unbekannten (weil vor meiner Zeit erschienenen) Heftes in diese Auswahl, und zwar ein Porträt der Joystick.

Über diesen nostalgieschwangeren Themen hinaus geht es heute um das Free-to-Play-Modell, um Ghost Recon: Wildlands und „Bolivien“, und um historisch fragwürdige Einheiten in Age of Empires II. Und auch eine neue Reihe bei JPGames.de, die denkwürdige Protagonisten porträtiert, hat mir gut gefallen und komplettiert damit die rein deutschsprachige Auswahl dieser Woche.

Hauptgericht und Dessert bilden wie üblich sehenswerte Video-Empfehlungen von Pascal (Metro Exodus, Daemon x Machina, Rain World) und den hörenswerten Podcast-Tipps von Johannes – einen davon müsst ihr offenbar innerhalb der nächsten zwei Wochen hören, es sei denn, ihr findet anders als wir eine Möglichkeit zum Download. Andererseits passt die Frist auch ganz gut: denn in zwei Wochen gibt’s von uns ja schon die nächsten Tipps. Bis dahin! [sk]


Lesenswert

Rückschau: Joystick – Portrait einer Spielezeitschrift
(videospielgeschichten.de, André Eymann)

[…] An so manchen Zeilen über geliebte oder liebgewonnene Titel verweile ich beim Lesen minutenlang, da der Autor mit seinen Worten genau die Sinneseindrücke einfängt, die auch mich beim Spielen überwältigt hatten. Dann weiß ich, dass es noch andere da draußen gibt, die ähnlich denken wie ich. […] Neben den redaktionellen Fertigkeiten, die man von einer solchen Publikation erwartete, waren es vor allen Dingen die konkreten Texte und die Gedanken der Menschen hinter den Zeilen, die einen Zeitschriften- und Spiele-Kult begründeten oder eben auch nicht. Schnell konnte ein neuer Titel durch das Urteil eines Redakteurs in den Olymp der Videospiele oder aber auch in die Hölle wertlosen Ramsches geschrieben werden. […]

Eigentlich will ich doch nur mein Halo 3 zurück <3
(kritischertreffer.com, Pascal Graßhoff)

[…] Ich stand um elf Uhr morgens auf, schmiss die laut tosende Xbox 360 an und verbrachte dann 14 Stunden bis drei Uhr nachts ohne Rückenlehne vorm Fernseher. Zugegeben – diese Ferien waren ein ziemlicher Einzelfall, aber so einsam wie sie klingen, waren sie gar nicht. Plötzlich hatte jeder meiner Schulfreunde eine Xbox 360 mit Halo 3 und mein sozialer Kreis verlagerte sich für die Dauer von zwei Wochen (und in abgeschwächtem Maße darüber hinaus) auf Xbox Live. Tagsüber plauderten wir und schauten einander beim Bauen von Maps zu – was bedeutete, dass eine Handvoll Spieler stundenlang untätig im Kreis rannten. Abends ging es dann ans Eingemachte: Endlich durften wir die neu kreierten Maps testen; inklusive benutzerdefinierter Spielmodi, für welche Halo 3 eine erschlagende Breite an Einstellungsoptionen bot – von der Stärke der Schilde bis hin zur Justierung der Schwerkraft. […]

Mein Schönstes Scheitern: Nostalgische Belagerungskriege zum Haareraufen – Erinnerungen an Stronghold (2001)
(geekgefluester.de, Johannes Alvarez Lopez)

[…] Hier war für mein jüngeres Ich Schluss. Ende. Das behäbige Manövrieren der Truppen in Kombination mit dem absoluten Fehlen von jeglicher Hilfestellung seitens des Spiels führte nur ein ums andere Mal zum elendigen Ableben meiner leidtragenden Armee. Kein Weiterkommen möglich auch nach etlichen Versuchen, viel Gefluche und gefühlten Litern vergossenen Schweißes. Let’s Plays gab es damals noch nicht, daher kam ich auch nicht auf die Idee, Taktiken für diese in meinen Augen unschaffbare Mission aus dem Internet aufzutreiben. Was ich jedoch fand, waren Cheats, welche in den frühen 2000ern noch eine ganz andere Kultur und Blütezeit hatten, als heutzutage. […]

Top 5: Historisch „fragwürdige“ Einheiten in Age of Empires II.
(videospielhistoriker.wordpress.com, Björn Hennig)

[…] Wörtlich übersetzt steht das Wort „Gbeto“ für Jägerin und stammt aus Fon, einer in Westafrika gesprochenen Sprache. Wer sich nun fragt, warum man denn außerhalb von Age of Empires II noch nie davon gehört hat… fragt sich das auch mit Recht. Denn der Gbeto ist selbst eine kreative Eigenschöpfung der Entwickler. Als historisches Vorbild dienen hier die sogenannten „Dahomey Amazons“, ein ebenfalls komplett aus Frauen bestehendes Regiment, welches aber nicht in Mali, sondern im Benin diente. Mali? Benin? Hauptsache Afrika… Auch nicht im Mittelalter, sondern erst ab dem 17. Jahrhundert. […]

Re: »Free to play« und warum dir manche Spiele einen Flow ins Ohr setzen wollen
(fabu.fm, Fabu)

[…] Die Deutschen haben ein ganz besonderes Verhältnis zum Free-to-play-Modell. Ein Blick auf die größten Spielefirmen zeigt, dass sich 7 von 10 Unternehmen in den Top 10 auf Browser- und Mobilegames spezialisiert haben, die sich über Mikrotransaktionen finanzieren. Hier kann man also nicht von einer kleinen Sparte sprechen, sondern vom finanzstärksten Sektor der hiesigen Spielebranche. Großem Erfolg wird im Allgemeinen eine hohe Relevanz zugesprochen. Im direkten Vergleich mit dem internationalen Markt zeigt sich aber auch, dass diese Titel im videospiel-historischen Kontext wenig bis keine Relevanz aufweisen. Nicht zuetzt daran zu erkennen, dass selbst die heimische Spielepresse Goldeseln wie Forge of Empires und Konsorten kaum Beachtung schenkt. […]

Behind the Polygons
(jpgames.de, Sprinkles)

[…] Kann man ihm diverse Gräueltaten aus vergangenen Tagen verzeihen? Gibt es jemals eine Zeit oder Grenze, zu der man sagen kann „jetzt hat er seine Schuld beglichen“? Kann man sich wirklich gänzlich ändern, oder ist man tief im Inneren immer noch der Gleiche? […] Kratos ist komplex, kein Protagonist, den man lieben oder hassen soll. Er hat aufgehört zu polarisieren und ist zu etwas geworden, das unsere Moralvorstellungen herausfordert und uns zwingt, nachzudenken. […]

Oh, wie schön ist doch „Bolivien“!
(gameexperience.de, Jens)

[…] Ghost Recon Wildlands ist kaum zwei Stunden am Stück aushaltbar, aber perfekt für die kleine halbe Ballerstunde nebenbei. […] Es wird auch alles gut, wenn ausländische Spezialeinheiten mit Waffengewalt Angehörige von Kriminellen entführen und (kaum verhinderbar) dann und wann unschuldige Zivilisten um die Ecke bringen. Das alles verantworten wir als Chef der Einheit. Entweder gemeinsam mit den KI-Kameraden oder wahlweise gemeinsam mit Freunden im Koop oder im öffentlichen Spiel mit „Fremden“ (um Gottes Willen). […]


Sehenswert

Stumm ist dumm | Metro Exodus
(youtube.com, Gamesground, 00:07:04)

Stumme Protagonisten sind sooo frühe 2000er. Erfahrt in diesem anschaulich produzierten Video am eigenen Leibe, wieso es im Jahr 2019 keine Ausrede mehr für stumme Hauptfiguren gibt. [pg]

Recommending Rain World
(youtube.com, Matthewmatosis, 00:08:24)

Selbst Matthewmatosis wurde mit diesem Indie-Kleinod nicht sofort warm. Dann jedoch entdeckte er, wie Rain World die gnadenlosen Herausforderungen des Tierdaseins reflektiert. [pg]

The Unmarketable DAEMON X MACHINA
(youtube.com, Hugrazy, 00:07:02)

Daemon x Machina sei jeder Erfolg der Welt gegönnt, aber wahrscheinlich wird es damit doch nichts. Welche Faktoren genau machen das Spiel so chronisch massenuntauglich? [pg]


Hörenswert

6 Music’s History of Video Game Music
(bbc.co.uk; 10.03.2019; 00:59:44)

Ein aufwändig produziertes und lebhaft gestaltetes Radiofeature des BBC zur Geschichte und Evolution von Musik in Videospielen. Folge 2 beschäftigt sich zudem mit dem Schreiben von Spielmusik. Achtung! Beide Folgen sind scheinbar nur noch 18 Tage in der Mediathek verfügbar, also besser schnell hören! [ja]

SU005 – Tick Tock: A Tale for Two
(sCREWup; 14.03.2019; 00:24:51)

Basti und Caro vom sCREWup-Podcast erzählen in dieser Folge von ihren Erfahrungen mit dem kreativen Coop-Titel Tick Tock: A Tale for Two. Allein die Tatsache, dass der kooperative Ansatz dieses Spiels weder eine Internetverbindung noch sonst irgendeine Vernetzung der beiden Spielenden voraussetzt, dürfte neugierig machen. [ja]

Pixeldiskurs-Podcast #131 – Let it go
(Pixeldiskurs; 16.03.2019; 02:18:10)

Können Spiele eine beinahe schon an das Stockholm-Syndrom erinnernde Bindung erzeugen? Wieso spielen weiterhin eine Menge Menschen Anthem, obwohl der Titel in seinem momentanen Zustand unfertig und inhaltsarm erscheint? Über die Fragen zur gefühlten Verantwortung des Weiter- und Fertigspielens grübeln Tobias Klös und Stefan Simond. [ja]


Lust auf mehr? Die Games-Lesetipps der Woche gibt es jetzt jeden zweiten Freitag auf SPIELKRITIK.com. Die vergangene Ausgabe von Lesenswert findet ihr HIER.