Die handverlesenen Games-Lesetipps der Woche melden sich zurück!

Nach zweiwöchiger Pause besteht an lesenswerten Beiträgen aber auch wirklich kein Mangel: Pascal Wagner über den Gegenwert der Freundschaft in Persona, Blue Reflection und anderen. Eron Rauch über die Alternative zum Arbeitswahn in Videospielen. Florian Zandt über Retro als Folge des kulturellen Gedächtnisses. In der Normandie nichts neues: Marcus Dittmar über die Gewissheiten von CoD WWII und die Unsicherheiten von South Park. Reaktionen zu Xenoblade Chronicles 2 und eine innovative Form des Reviews (am Beispiel von The Division) lest ihr in der englischsprachigen Sektion.

Einen Hörtipp gibt es nach langer Zeit auch mal wieder: Petra Fröhlich – über lange Jahre Chefredakteurin der PC Games – erzählt bei Auf ein Bier von der goldenen Ära der gedruckten Spielemagazine.

Ob es nächste Woche eine neue Ausgabe Lesenswert geben wird, mag ich aus Zeitgründen noch nicht versprechen – mindestens einen neuen Artikel gibt es aber auf jeden Fall! [sk]


South Park | Die rektakuläre Zerreißprobe: Der Tyrann
(siebenvonzehn.wordpress.com, Marcus Dittmar)

[…] Dass South Park seinen Vorhang lieber wieder zuzieht statt nach Heilung zu suchen, ist symptomatisch für die wachsenden Unsicherheiten im Zuge des rapiden gesellschaftlichen Wandels in den USA. So unbeholfen wie mit Themen wie Sexismus und Rassismus umgegangen wird, so planlos wie jeder soziale Trend verwurstet wird, kann der Titel mit zunehmender Spielzeit das Zerbröckeln seiner zynischen Fassade nicht verhindern. […]

Freunde sind wie…
(indieflock.net, Pascal Wagner)

[…] Die Persona-Reihe beinhaltet zugleich die beste Darstellung von Freundschaft in Videospielen, die ich kenne und die furchtbarste, die ich mir in einem interaktiven Medium überhaupt vorstellen kann. Für die beste Darstellung halte ich sie natürlich, weil die Persona-Serie quasi die einzige ist, die überhaupt versucht, den Prozess des Freundefindens spielerisch umzusetzen. […]

The Division – Aesthetic Review
(thethesaurusrex.com, Taylor Hidalgo)

[…] New York City swells with snow. It hails from the skies and bleeds from the streets, spilling corpses and garbage and death. Trash and body bags line the streets and alleys, Christmas lights and discarded decorations appear like ghosts in the margins, invisible save for brief moments as the agents trudge the streets. Although everything is festive, nothing feels celebratory. It all feels a little subdued, as if waiting for the next blizzard, the next gunshot, or the next tragedy. […]

Videospiel-Aufgaben: Nach Feierabend wird weitergearbeitet
(spiegel.de, Eron Rauch)

[…] Während sowohl Entwickler als auch Spieler sich mehr und mehr an diesen Kreislauf der Workification gewöhnen, hat er dabei längst begonnen, einzuschränken, wie wir die Grenzen und Möglichkeiten dieses Mediums wahrnehmen. Zu spielen bedeutet zu grinden. Entspannung wird mit Leistung verwechselt. Fantum ist nun gleichbedeutend mit der Bereitschaft, unser Hirn abzuschalten, während wir möglichst effizient sinnlose Aufgaben bewältigen. Dieser Zustand ist besonders beunruhigend, da, wie der Künstler Arjuna Newman feststellt, „die Kultur von heute die Lebenserfahrung von morgen bestimmt“. […]

Warum sich der Reiz von Retro-Games mit Jan Assmanns Gedächtnistheorie erklären lässt
(lostlevels.de, Florian Zandt)

[…] Warum werden ikonische Figuren wie Pac-Man und Co. synonym für virtuelle Videospielwelten gehandelt, mindestens seit Helmut Kohl und vermutlich noch für die kommenden Jahrzehnte? Warum erinnert sich der in Umfragen viel zitierte „Mensch von der Straße“ an und verknüpft klare Assoziationen mit dem gelben Knödel mit rudimentären Gesichtszügen? Das Stichwort lautet: Gedächtnistheorie. Genauer: kulturelles Gedächtnis. […]

It turns out there are a lot of angry people on the internet
(amostagreeablepastime.com, Lucius P. Merriweather)

[…] I’m happy to play the Xenoblade games, but I think if anyone wandered in while the above character was on the screen, I’d have a hard time justifying why I was playing something with a sort of, I don’t know, porn-parody lacy cat woman bobbling about on the screen. […] This is just a sample of the comments – and currently there are around 800 replies to this tweet. What really struck me is how angry the replies were to what seemed to me to be a fairly harmless comment on a pretty damn ridiculous character. […]

Call of Duty WWII: Nur ein Zahnrad
(siebenvonzehn.wordpress.com, Marcus Dittmar)

[…] Nachdem sich die Konkurrenz im vergangenen Jahr mit der historisch eher freien Interpretation der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts ein goldenes Näschen verdient hatte und der eigene Krieg der Zukunft so steril und ausgehöhlt daherkam, dass Großaktionäre eine Gewinnwarnung fürchten mussten, kehrt man dieses Jahr also zu den eigenen Wurzeln zurück. Plötzlich brüllt da wieder ein behelmter Mann mit Kautabakfahne Durchhalteparolen im Kugelhagel, es öffnen sich die gepanzerten Luken der Landungsboote und wie ein älteres Ehepaar, das jedes Jahr dasselbe Hotel im Schwarzwald bucht, weiß man genau, was einen jetzt erwartet. […]


Hörenswert

Runde 139: Erinnerungen an die goldene Zeit (ft. Petra Fröhlich)
(gamespodcast.de; 03.12.2017; 01:59:54)

Die goldene Ära das deutschen Spielejournalismus: Ex-PC Games-Chefredakteurin Petra Fröhlich trinkt bei Auf ein Bier ein Wasser und spricht mit Jochen Gebauer und Sebastian Stange über über Spieletests auf Disketten, creepy Starschnitt-Leserbriefe, den „kalten Krieg“ mit der GameStar, und PR-Manager mit sehr genauen Wertungsvorstellungen. Charmante Anekdoten aus rauchverhangenen Redaktionsräumen, die gute alte Zeit. [sk]

Lust auf mehr? Die Games-Lesetipps der Woche gibt es jetzt immer freitags bei Spielkritik.com. Die letzte Ausgabe von Lesenswert findet ihr HIER.