Fortschritt contra Stillstand: die Leseempfehlungen der Woche, heute wieder besonders umfangreich. Mit dabei: Joyce Weisbecker, die erste Frau in der Geschichte der Videospielentwicklung und zugleich der womöglich erste Indie Developer. Das Brettspiel Go – 2500 Jahre menschliche Spielstrategien gegen ein 72 Stunden altes neuronales Netzwerk.

Geschichte wiederholt sich: Nazis, Wolfenstein und das Hakenkreuz in Games, in gleich zwei aktuellen Artikeln. Ebenfalls im Doppelpack: Archaeogaming – Hühner und Katzen im alten Ägypten, insektoide Aliens aus den Tiefen des Alls. Last but not least: das beste aller Super Nintendos – ein Guide. [sk]


Rediscovering History’s Lost First Female Video Game Designer
(fastcodesign.com, Benj Edwards)

[…] Looking back, Joyce Weisbecker does not particularly want to be known as the first female video game developer. To her, that is merely a coincidence. Instead, she considers herself possibly the first “indie” video game programmer, since she was an independent contractor and not an employee of RCA. […]

Künstliche Intelligenz: Ein Gott braucht keine Lehrmeister
(spiegel.de, Christian Stöcker)

[…] Binnen drei Tagen spielte AlphaGo Zero 4,9 Millionen Partien gegen sich selbst. […] Menschen spielen seit etwa 2500 Jahren Go. Schon nach dem ersten Sieg von AlphaGo gegen Lee Sedol war klar, dass künftig Menschen von Maschinen lernen könnten. Nun aber, eineinhalb Jahre später, hat ein in Sachen Hardware und Software weniger aufwendiges System binnen drei Tagen eine noch vergangenes Jahr unerreichte Meisterschaft in dem Spiel erlangt. Und das, ohne eine einzige Information über von Menschen erdachte Strategien zu bekommen. […]

„Wolfenstein 2: The New Colossus“: Nazis trinken Erdbeermilch
(zeit.de, Matthias Kreienbrink)

[…] In und um Wolfenstein 2 zeigt sich also eine intelligente Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, mit Gewalt, mit Verlust, mit Widerstand. […] Geradezu absurd ist jedoch, dass in der deutschen Fassung ebenso wie in der englischen alles an dieser Ideologie nach dem Dritten Reich aussieht und klingt, dass es keinerlei Verwechslungsgefahr mit einem anderen Regime gibt, und dass in diesem Spiel der Zeichen und Symbole trotzdem eines nicht vorkommen darf: das Hakenkreuz. Denn Videospiele sind ja keine Kunst. […]

Gewalt gegen Nazis: Muss sich Wolfenstein rechtfertigen?
(wired.de, Daniel Ziegener)

[…] Das neue Wolfenstein ist eine wilde Mischung aus Parodie und Rachefantasie, irgendwo zwischen Iron Sky und Inglorious Basterds. Und doch gibt es viele unwirkliche Parallelen zur aktuellen politischen Lage in den USA. […] Wolfenstein ist so wenig subtil, dass ein defensives „keep your politics out of our games” einfach nicht mehr funktioniert. Ausgerechnet Bethesdas Marketing-Direktor Pete Hines fasst das kompromisslos zusammen: „Wenn du kein Nazi bist, gibt es keinen Grund, nicht gegen Nazis zu sein.” […]

Wortreich #3: Spielertypen und Motivation, oder: Wie wir uns selbst in Ketten legen
(thevirtualmirror.wordpress.com, Wolfgang Walk)

[…] Wenn wir also – und mit „wir“ meine ich die Games-Industrie im Allgemeinen – wie bisher die Herausforderung oder Schock als Imperativ eines Game Designs verstehen, dann schließen wir – der statistische Beleg ist erbracht – einen erheblichen Teil der Menschheit aus der Kunstform Spiel aus. […] Wir befinden uns da als Designer auch in einer Blase: Weil Spiele, die um diese chemischen Prozesse herum designt werden, den Markt erschaffen haben, werden heute sehr überwiegend Menschen zum Beruf Game Designer hingezogen, bei denen der Mechanismus genauso funktioniert: Adrenalin und Dopamin = geiles Game. […]

Das Hühnchen-Paradoxon von Assassin’s Creed Origins: Warum einige Tiere unsterblich sind – und andere nicht
(archaeogames.net, Dom Schott)

[…] Der antike Autor Herodot berichtet uns sogar von einer verstörenden Szene, bei der er Augenzeuge war und die ihm die Bedeutung dieser Tiere vor Augen führte: Als ein Ägypter nach einer herumlaufenden wilden Katze trat, die seinen Weg gekreuzt hatte, stürzten sich die umstehenden Menschen sofort auf den Tierquäler und schlugen ihn zornig blutig.
Und hier stand ich nun mit meinem Bogen und wollte herausfinden, was passiert, wenn ich in dieser Spielwelt eine Katze attackierte. Ja, ich weiß, wie das klingt. […]

Studying the Thargoids: the intrepid players facing Elite Dangerous’s greatest threat
(pcgamesn.com, Lewis Packwood)

[…] The Canonn is a huge science community with over 3,000 members that was formed in 2014, with the aim of studying the many mysterious artefacts littered throughout the Elite Dangerous universe. […] Gavin and other members of the community have been methodically analysing the habits of the Thargoids, and they have a few ideas about what they are looking for. […]

Guide: Powering Up Super Power – Finding The Ultimate SNES Console
(nintendolife.com, Matt Buxton)

[…] Internally, the Super Nintendo hardware went through two major revisions. The later models consolidated some of the machine’s custom hardware onto a single piece of silicon. These machines are referred to by SNES enthusiasts as “1-chip”. 1-chip consoles are highly sought after, because they produce a much crisper, sharper RGB image when used with a properly wired RGB SCART cable and suitable TV or upscaler. Finding one of these rarer 1-chip consoles is tricky. […]

Lust auf mehr? Die Games-Lesetipps der Woche gibt es jetzt immer freitags bei Spielkritik.com. Die letzte Ausgabe von Lesenswert findet ihr HIER.

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