Eine feine Auswahl handverlesener Lesetipps – auf Deutsch und Englisch, vom kleinen Blog bis zum Leitmedium. Diese Woche:

Stolz sein auf die Leistungen deutscher Soldaten im zweiten Weltkrieg? Für gewisse Politiker ein offenbar ganz dringendes Anliegen. Dass militärische Leistungen und die Beteiligung am Völkermord sich nicht einfach trennen lassen, ist ein Fakt, der Markus Grundmann den Spaß an der Wehrmachts-Kampagne in Sudden Strike 4 verdirbt.

Rainer Sigl schreibt über die Problematik riesiger Spiele und was es für die Branche (und manche Freundschaft) bedeutet, wenn Spieler über Jahre hinweg nur noch einen einzigen Titel spielen. Außerdem: Quake und das Vergessen. Auf Freud’scher Grundlage: Der Überfluss der Darstellungen von Badezimmern in Spielen. Und ein Guide über die Arbeit als freier Spielekritiker.

Eine Podcast-Empfehlung gibt es auch mal wieder: Wolfgang Walk bei Auf ein Bier, zu Themen, die im September bewegten. Bis nächste Woche! [sk]


Warum ich einfach nicht Wehrmacht spielen mag
(eurogamer.de, Markus Grundmann)

[…] In Sudden Strike 4 ist die Kampagne der Wehrmacht gleich die erste, mit der euch das Spiel auf den Weg schickt. Ihr steuert stolze deutsche Generäle durch den Zweiten Weltkrieg, in die Feldzüge gegen Polen und Frankreich und stets soll es dabei nur um deren militärische Leistung gehen. […] Hier erscheint die Wehrmacht eben gerade nicht als verbrecherische Armee, die neben ihren „normalen Armeetätigkeiten“ eben auch die Nazis bei der Durchführung des Holocaust und eines ungerechtfertigten Angriffskrieges unterstützt hat, sondern nur als Armee, die gleichberechtigt […] versucht hat, eine andere Armee auf dem Schlachtfeld zu besiegen – wie das in einem solchen Strategiespiel eben ist. […]

Entspannt nachlassen
(seniorgamer.wordpress.com, Harzzach)

[…] Die Jahre gingen ins Land, eigentlich nicht viele, im extrem schnelllebigen Spielebereich aber eine halbe Ewigkeit, und Quake geriet allmählich in Vergessenheit. Nicht in spielekultureller Hinsicht, sondern eher in spielerischer Hinsicht. […] Wie schaffe ich diese eine Map? Wo sind die nötigen Power-Ups? Wo sind die Secrets mit den nötigen Power-Ups? Wann setze ich ein Power-Up sinnvoll ein? Welche Waffe setze ich gegen welchen Gegner effektiv ein? Wann (!) setze ich welche Waffe ein? Wo stehen welche Gegner? Bei welchen Gegnern verwende ich eher suboptimale Waffen, um Munition für andere Gegner zu sparen? So ziemlich alles vergessen. […]

„GTA Online“ oder „Destiny“ und sonst nichts: Die Schattenseiten des Megatrends Riesenspiele
(derstandard.at, Rainer Sigl)

[…] Mein Freund B. spielt keine Videospiele mehr. Früher konnte man sich mit ihm wunderbar über viele Neuerscheinungen unterhalten, er leistete sich um sein Erwachsenenbudget so ziemlich alle größeren Must-have-Titel, spielte die meisten davon durch und freute sich oft schon monatelang vorher auf besonders vielversprechende Games. Seit fast drei Jahren ist Schluss damit, denn so lange hat er keine Zeit mehr für andere Spiele als „Destiny“. […]

A Short Guide to Freelance Writing
(mashxtomuse.com, Andreas Inderwildi)

[…] This is a short guide to freelance writing, or perhaps rather a hodgepodge collection of things I learned in my (short) time as a freelance game critic. […] It might seem like a good idea to pitch ideas involving the most recent trends and sometimes that’s the case, but you should consider a few things first: […] By the time your piece reaches its potential readers, they will likely have already moved on to the next big thing. It might be a better idea to pitch a novel angle involving perennial favourites, like Bloodborne or The Witcher 3, even if they’re older titles. That way, you don’t have to worry for weeks or months that your piece will be outdated by the time it’s published, which can be detrimental for your mental health as well as your productivity. […]

Why Are Video Games Obsessed With Bathrooms?
(waypoint.vice.com, Matt Margini)

[…] In his essay on „Infantile Sexuality,“ Freud made the controversial claim that, as children develop, their erogenous zones move from the mouth to the anus to, finally, the genitals. A Freudian would find it hard not to see the first wave of video game bathrooms as the products of a kind of industry-wide anal phase, shaped by potty humor and an almost excessive fascination with poop. Duke Nukem 3D was arguably the first first-person shooter to feature a 3D environment that felt real, weighty, and interactive. It was also the first first-person shooter to feature a bathroom—an incredibly detailed bathroom where you could open and close the stall door, inspect your churlish face in the mirror, and invade the privacy of an alien trying to defecate. […]


Hörenswert

Runde #128: Die kunterbunte Wolfgang-Wundertüte
(Auf ein Bier; 17.09.2017; 01:33:19)

In dieser ebenso kurzweiligen wie meinungsstarken Folge, die eigentlich nur eine Notlösung war, sprechen Wolfgang Walk und Jochen Gebauer querbeet über kulturelle Unterschiede in den Grundprämissen des japanischen Gamedesigns, über PewDiePie, Firewatch, Valve und Zensur!!1!elf, sowie über den zukünftigen Nebula Award für Game Writing. Hochqualitative Denkanstöße inklusive. [sk]

Lust auf mehr? Die Games-Lesetipps der Woche gibt es jetzt immer freitags bei Spielkritik.com. Die letzte Ausgabe von Lesenswert findet ihr HIER.

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