Immer wieder donnerstags: Die Games-Leseempfehlungen der Woche. Heute mal wieder besonders interdisziplinär, an den Schnittpunkten von Geschichte und Moral, Urbanismus und Point-and-Click, Fetisch und Finanzen. Anders ausgedrückt: über Thimbleweed Park, Through the Darkest of Times, und Lara In Trouble. Plus: Das neue Blog-Projekt Language at Play über Sprache und sexuelle Identität in A Foretold Affair.

Und weil Daniel im Urlaub ist, kommt der Hörtipp der Woche wieder einmal von mir: die markanten Stimmen von Auf ein Bier in einer köstlichen Melange mit den sanften Flüstertönen von „Doomian“ Fabu. [sk]


Through the Darkest of Times – Interview mit den Entwicklern
(videospielgeschichten.de, André Eymann mit Jörg Friedrich & Sebastian Schulz)

[…] Wann kam euch die Idee zum Spiel zum ersten Mal? Gab es dazu ein Schlüsselerlebnis? […] Ich entwickelte einen Prototyp, mit dem ich allerdings nicht zufrieden war und der dann für einige Jahre in der Schublade verschwand. Bis Ende 2016 zwei Dinge zusammen kamen: Ich hatte Zeit und suchte nach einem neuen Projekt und Donald Trump wurde zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Da fiel mir der Prototyp wieder ein und ich fragte Sebastian, ob er nicht Lust hätte mit mir zusammen ein Spiel über den deutschen Widerstand zu machen. […]

A Foretold Affair und die Freiheit der Wahl des eigenen Geschlechts
(languageatplay.wordpress.com, Pascal Wagner)

[…] A Foretold Affair schafft es, eines der lautesten Argumente von Genderkritikern auszuhebeln: Statt nachträglich aufgesetzter Erklärungen liefert es eine natürliche, ja für die Geschichte unabdingbare Integration der Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität. Ich würde ja gerne sagen, so etwas sollte es öfter geben, aber nur wenige Spielwelten dürften eine solche natürliche Einbindung von pansexueller Identifikation zulassen. Es ist also in dem Sinne kein „Schritt in die richtige Richtung“, sondern eher ein Meilenstein auf dem Weg zum Idealzustand. […]

Game Cities: The Urbanism of Thimbleweed Park
(medium.com, Konstantinos Dimopoulos)

[…] Being greeted by a Thimbleweed Park City Limit sign may seem banal, but it is a very effective, and very simple way of delineating the core urban area of the game, while also catering to the expectations of experienced urban dwellers (us humans, that is). Mentioning the population and elevation is another little yet realistic world-building touch, as is the fact that the first building players run into, their first contact with the town, is a dilapidated, abandoned house. The tone is instantly set. Thimbleweed Park is not a thriving community. […]

Wenn Fans Vergewaltigungen crowdfunden
(broadly.vice.com, Nina Kiel)

[…] Ein Teilaspekt des Films, der eigentlich der niedrigen Produktionsqualität geschuldet war, fügt sich dabei seltsam passend in das Gesamtwerk ein: Die mal angst-, mal schmerzerfüllten Schreie Laras entstammen den Kampf- und Sturzsequenzen aus der Spielvorlage, weil sich die Studiogründer damals keine Synchronsprecherin leisten konnten. Der Grund dafür, dass der erste Film des Studios sexualisierte Gewalt darstellte, war also akuter Geldmangel. […]


Hörenswert

DOOMIAN Spezial: Auf ein Bier
(Doomian; 26.06.2017; 01:33:01)

Die versammelte Mannschaft von Auf ein Bier zu Gast beim Doomian Spezial: Neuzugang Wolfgang Walk ist auf einer Mission, Jochen Gebauer konfrontiert den Gastgeber mit Geschwätz von gestern, Sebastian Stange freut sich auf ein solides Abenteuer in Mittelerde und André Peschke denkt über’s Älterwerden nach. [sk]

Lust auf mehr? Die Games-Lesetipps der Woche gibt es immer donnerstags bei Spielkritik.com. Die letzte Ausgabe von Lesenswert findet ihr HIER.

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