Die heutige Ausgabe von Lesenswert steht ganz im Zeichen der Geschichte und ihrer Darstellung in Videospielen. Als Einstieg: Eugen Pfister über die Rolle der Geschichtswissenschaft in Bezug auf Games. Zur Vertiefung: Aurelia Brandenburg über tatsächliche und imaginierte Authentizität in der Fantasy. Und als Fallbeispiele: Sexualisierte Rüstungsmode und das Weiterleben einer Lost City in der digitalen Imagination.

Oben drauf: Nachwuchs-Entwicklerinnen im Interview, die besten Bücher über Games und Daniels Podcast-Empfehlungen – mit erstklassiger Videospielmusik und allerersten Spielerfahrungen. [sk]


„Wie es wirklich war.“ – Wider die Authentizitätsdebatte im digitalen Spiel
(gespielt.hypotheses.org, Eugen Pfister)

[…] Im folgenden möchte ich argumentieren, warum es grundsätzlich falsch ist, die Frage nach der Authentizität historischer Spiele zu stellen, denn sie fußt auf einem fehlgeleiteten Verständnis von Geschichte und Geschichtsforschung. […] Wir dürfen nie vergessen, dass Spiele mit einem historischen Setting nicht Quellen der dargestellten Epoche, sondern Quellen der darstellenden Epoche sind, also der transportierten Geschichtsbilder. […]

„Historische Korrektheit“ von Fantasy-Welten ist Quatsch
(geekgefluester.de, Aurelia Brandenburg)

[…] Verabschieden wir uns also von dem Begriff der „historischen Korrektheit“ und sehen uns dasselbe Thema unter passenderem Namen an, nämlich der historischen Illusion. Das, was wir also eigentlich diskutieren, ist die Frage, ob eine mittelalterlich inspirierte Fantasy-Welt noch glaubwürdig sein kann, wenn sie zum Beispiel Themen wie Sexismus streicht oder vielleicht sogar Frauen in Machtpositionen darstellt. […]

Wer „Boob Armor“ sagt, muss auch „Schamkapsel“ sagen
(archaeogames.com, Dom Schott)

[…] Die Mode der Schamkapsel mit ihren unverkennbaren sexuellen Implikationen gewann schnell an Beliebtheit und wurde als metallener Genitalschutz auch auf ritterliche Rüstungen übertragen. […] Die Schamkapsel erfüllt damit einen ähnlichen ästhetischen Sinn wie die Boob Armor, verfügte im Gegensatz zu ihrem weiblichen Gegenstück aber auch eine grundlegende Schutzfunktion und hat sogar tatsächlich einmal existiert – und doch findet sie in der Videospielwelt schlichtweg nicht statt. […]

The Lost Kowloon Walled City in Hong Kong as Represented in Video Games
(untappedcities.com, Michelle Young)

[…] Claimed by both Hong Kong and China but administered by neither, Kowloon Walled City also became a dystopian breeding ground for illegal activity-opium dens, brothels, gambling houses, unlicensed medical clinics, and a thriving drug trade run by mafia syndicates. […] The population of the city grew from 10,000 in 1971 to more than 35,000 by the late 1980s, but the borders were fixed. With nowhere to go but up and nobody to regulate, the architecture was constructed ad-hoc without official building codes. And when it was demolished in 1993, Kowloon Walled City became a true no-man’s land, existing only in our mind’s eye. […]

Mädchen erklären, wie sie die Gaming-Branche revolutionieren würden
(broadly.vice.com, Catherina Kaiser)

[…] „Ich habe mich immer gefragt, was passiert gewesen wäre, wenn ich mit 12 oder 13 von der Möglichkeit erfahren hätte, beruflich Spiele zu programmieren“, sagt Glenna Buford. […] Bereits zum zweiten Mal hat die studierte Mathematikerin deshalb einen speziellen Games-Workshop für Mädchen organisiert. […] Wir haben die jungen Talente gebeten, uns ihre Spiele zu zeigen und mit ihnen über eine Industrie gesprochen, die sich nach wie vor vor allem an junge Männer zu richten scheint. […]

7 lesenswerte Bücher für Gamer
(fried-phoenix.de, Gudrun Hoffmann-Schoenborn)

[…] Viele Gamer tun es regelmäßig und mit ausdauernder Leidenschaft. Morgens, abends, nachts, ja manchmal sogar in öffentlichen Verkehrsmitteln! Die Rede ist, wie es der Titel fast vermuten lässt, natürlich vom Lesen. […] Hier möchte ich euch […] sechs Titel vorstellen, die Gaming und geschriebenes Wort wunderbar miteinander verbinden. […]


Hörenswert

Plauschangriff – Videospiel-Musik #12
(Rocket Beans TV, 22.05.2017, 01:29:23)

Alle halbe Jahre wieder präsentiert Gregor eine Auswahl an unterschiedlichster Videospiel-Musik. Angereichert mit Hintergrundwissen schafft er damit ein zeitloses und abwechslungsreiches Hörvergnügen. Die aktuellste Folge beinhaltet Musikstücke aus Spielen wie Dark Souls 3, Metal Gear Solid 5 oder auch dem aktuellem Prey. [dm]

Folge 6: Das erste Spiel unseres Lebens – und warum es so wichtig war
(GameStar, 06.05.2017, 01:08:28)

Dimi, Maurice und Michael berichten von ihren ersten bewussten Videospielerfahrungen und stellen sich dabei die Frage, inwiefern diese ihr jetziges Spielverhalten beeinflusst haben könnten. Durch die vielen Anekdoten aus ihrer Kindheit gerät diese Folge charmant und lebendig – ist aber auch weiterhin sehr interessant. [dm]

Lust auf mehr? Die Games-Lesetipps der Woche gibt es immer donnerstags bei Spielkritik.com. Die letzte Ausgabe von Lesenswert findet ihr HIER.

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