Der Frühling des ersten Jahres: Routine stellt sich ein.

8. Tag

Regen. Im grauen Morgenlicht ernte ich die letzten noch verbliebenen Rüben. latest-3.pngDanach laufe ich ins Dorf, um weiteres Saatgut zu besorgen. Während ich warte, dass die Geschäfte öffnen, spaziere ich über den verregneten, menschenleeren Marktplatz und fühle mich zur selben Zeit verloren und frei. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, oder ob ich einfach nur dem Regen entfliehen möchte, aber zum ersten Mal seit meiner Ankunft in Flower Bud Village setze ich einen Fuß in die kleine Dorfkirche. Der dicke Pastor mit den runden Brillengläsern schaut aus wie einer englischen Krimiserie entsprungen, ein alter Kohleofen hält das Gebäude warm und vermag auch mich ein wenig aufzuwärmen.

Beim Samenhändler begegne ich heute gleich zwei attraktiven Frauen, mit denen ich das Vergnügen bisher kaum hatte: die Tochter der Floristin selbst, sowie die charmante Konditorstochter. Nachdem ich die benötigten Samen gekauft habe, spaziere ich zur Green Ranch, die südlich des Dorfzentrums bzw. südwestlich von meiner eigenen Farm liegt: Nun, wo meine Einkünfte eine gewisse Stabilität erreicht haben, möchte ich gern wissen, was ich für Nutztiere aufbringen müsste. Leider sind sogar die Hühner für meine Verhältnisse noch viel zu teuer: 1500 G.

Im Stall treffe ich das rothaarige Mädchen Ann, die Tochter des Besitzers, die auf mich wie ein stereotypisches, unbekümmertes Bauernmädchen wirkt, und damit eher uninteressant… Ich denke wieder an das Mädchen vom Weingut, das ich seit Tagen nicht gesehen habe, und beschließe, sie so bald als möglich aufzusuchen.

9. Tag

Mittlerweile ist es wirklich viel Arbeit geworden, sämtliche Pflanzen zu wässern, aber die Profite können sich sehen lassen. Am Nachmittag treffe ich Karen (so ist ihr Name, wie ich von ihren Eltern erfahren habe) auf dem Weingut, wo ich ihr Blumen schenke, die ich im Wald gepflückt habe. Sie bedankt sich, hat aber auch heute kein Interesse, sich noch weiter mit mir zu unterhalten.

Später am Abend gehe ich noch einmal in den Wald und treffe am Fuße des Moon Mountain einen alten Angler, der mir eine Angelrute schenkt! Aufgeregt angle ich bis tief in die Nacht – und ohne jeden Erfolg. Es ist zwei Uhr, als ich endlich in mein Bett falle…

10. Tag

Da ich kaum vier Stunden geschlafen habe, fühle ich mich am Morgen schon erschöpft… Dennoch habe ich das Gefühl, in letzter Zeit besser mit meiner Zeit zurecht zu kommen und einen gewissen Rhythmus gefunden zu haben: Zwar tue ich zwischen 6 Uhr morgens und 3 Uhr nachmittags nichts anderes, als meine Felder zu wässern, am Abend allerdings kann ich die Berge erkunden und Leute in der Kneipe treffen.

So auch heute – und siehe da: Auch Karen ist endlich wieder anwesend! Ich freue mich sehr, auch wenn ihr Verhalten mir gegenüber so abweisend ist wie immer. Für gewöhnlich bin ich ja der Biertyp, doch heute, ihr zuliebe, trinke ich ein Glas Wein, der, wie ich doch hoffe, vom Weingut ihrer Eltern stammt.

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11. Tag

Ich erinnere mich, dass ich seit zwei Tagen stolzer Besitzer einer eigenen Angel bin und breche gleich am Morgen in den Wald auf. Ich versuche mein Glück am kleinen Fischteich, dann am Fluss…, ich verschwende den halben Tag und fange doch nicht einen einzigen Fisch.

Erst bei Sonnenuntergang fällt mir ein, dass ich die Pflanzen noch nicht gewässert habe! Ich renne also heim, so schnell ich kann, doch seit der letzten Aussaat habe ich der Pflanzen ungehörig viele. Ich gieße bis spät in die Nacht, wie lang genau weiß ich nicht, ich habe nicht einmal die Zeit, auf die Uhr zu schauen…

12. Tag

Der letzte Tag war offenbar zu viel für mich: Als ich aufwache, fühle ich mich sterbenselend. Krank! Mir bleibt keine andere Wahl, als heute im Bett zu bleiben. Zum Glück besitze ich bisher kein Vieh, das versorgt werden müsste.

13. Tag

Es geht mir schon wieder besser. Als ich vor die Haustür trete, kommt mir ein Mann entgegen, der sich selbst als Vagabund bezeichnet und eigentlich ganz nett wirkt; offenbar wird er einige Zeit im Dorf verbringen. Nach einem kurzen Schwätzchen schaue ich meine Felder an, die ich gestern nicht besuchen konnte – und ich rechne mit dem Schlimmsten.

Doch siehe da: eine dicke Ernte wartet nur darauf, abgeerntet zu werden! Ich bemühe mich, das schnell zu erledigen, sodass ich noch am Nachmittag den Weinberg und, hoffentlich, auch Karen besuchen kann. Erneut schenke ich ihr einige Blumen, erneut begegnet sie mir kühl.

14. Tag

Ich erfahre, dass ein Pferderennen bevorsteht! Dann erinnere ich mich, dass mir der Bürgermeister einst geraden hatte, vor Ende des Frühlings auf der Green Ranch vorbeizuschauen, sollte ich selbst Interesse an einem Pferd haben. Spätestens jetzt sollte ich das wohl tun…

Die meisten Leute in Flower Bud Village zeigen wenig Vertrauen in meine Fähigkeiten; sie betrachten meine Versuche, die Farm auf Vordermann zu bringen, mit Skepsis, zweifeln daran, dass es mir mit meinem Engagement ernst ist, oder haben einfach nur ein Lachen für mich übrig. Ein paar wenige allerdings wünschen mir Erfolg. Der Bürgermeister gehört dazu, oder das Mädchen, mit dem ich auf dem Planting Festival sprach. Und der Inhaber der Green Ranch ganz offensichtlich auch! Er schenkt mir doch tatsächlich ein junges Pferd! Ich weiß zwar nicht, ob das Tier etwas „taugt“, hab von Pferden keine Ahnung (und mag sie ehrlich gesagt auch nicht; ich fand schon immer, sie sehen seltsam aus, mit ihren dicken Bäuchen, dürren Beinen). Aber wie sagt das Sprichwort?

Noch ist der geschenkte Gaul allerdings kaum mehr als ein Fohlen und nicht wirklich zu irgendetwas nütze. Den Rest des Tages verbringe ich damit, den wertvollen Kohl einzufahren und die anderen, noch nicht erntereifen Pflanzen zu wässern. Für einen Besuch in der Kneipe bleibt heute leider keine Zeit mehr. [sk]


Falls euch das Bauerntagebuch gefällt und ihr mehr lesen möchtet, dann hinterlasst doch einen Comment oder erzählt von euren eigenen Abenteuern in Harvest Moon (64)! Wer zum ersten Mal hier vorbeischaut, findet alle bisherigen Tagebucheinträge HIER.

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