Das Harvest Moon 64 Bauerntagebuch (II). Die Tage 2 bis 7.

Farming like it’s 1999! Hier geht’s zum ersten Teil des Bauerntagebuchs.
Der Frühling des ersten Jahres. hm64cover

2. Tag

Ich muss so bald wie möglich Geld verdienen und habe mir vorgenommen, heute mindestens eine Parzelle Ackerland zu bestellen. Doch die Tage sind kurz und so gelingt mir auch heute nicht mehr, als zumindest die Böden zweier Parzellen vorzubereiten. Danach muss ich nämlich feststellen, dass der örtlichen Samenhändler bereits geschlossen hat… Geschäfte, die 5 Uhr nachmittags schließen: Auch daran muss ich mich erst wieder gewöhnen.

Mir kommen Zweifel, ob ich meiner Aufgabe wirklich gewachsen bin. Ich wusste natürlich, dass viel Arbeit, mitunter stupide Arbeit auf mich warten würde, hätte mir das Leben auf dem Land allerdings entspannter vorgestellt… Da ich ohne Saatgut nicht viel tun kann, besuche ich die kleine Kneipe, auf die mich auch der Bürgermeister schon hingewiesen hatte. Fünf Leute sind im Raum, den Inhaber eingeschlossen. Die Preise scheine mir für eine Dorfkneipe allerdings ordentlich gepfeffert: 300 für ein Glas Wein, sogar 350 für ein Bier! Das entspricht ziemlich genau dem, was ich auch in meinen Taschen habe, was aber für den Kauf der Saaten am nächsten Tag reichen muss. Immerhin darf ich ein Glas Wasser umsonst haben.

karenMir fällt ein hübsches Mädchen ins Auge, das mit ihren kolorierten Haarsträhnen so gar nicht in das Bild der traditionsverliebten Dörfler passen will. Als ich sie anspreche, reagiert sie ruppig und signalisiert mir, dass ich sie in Ruhe lassen soll. Nun gut… In einer Ecke sitzt ein kräftiger Herr, der zwar nicht gut riecht, dessen bärtige Grummeligkeit mir aber irgendwie sympathisch erscheint – aber auch er hat keine Lust, mit mir, dem Fremden, dem Neuling zu schwatzen. Einzig ein braungebrannter junger Kerl zeigt sich aufgeschlossen. Ungefragt erzählt er mir von den Differenzen zwischen irgendeinem Elternpaar und ihrer Tochter, der das Leben auf dem Dorf offenbar zu öde ist… Ein Mädchen vom Dorf, das sich nach den Orten sehnt, denen ich gerade entflohen bin? Das bringt mich ins Grübeln. Auf dem Weg nach Hause mache ich einen kleinen Umweg in den Wald um Moon Mountain und sammle ein paar Beeren. Dann kehre ich zurück in mein karges, düsteres Heim und ich fühle mich ein wenig einsam.

3. Tag

Ich bin wieder guten Mutes und breche gleich bei Morgengrauen in die Stadt auf – nur um festzustellen, dass ich diesmal zu früh dran bin. Vor 9 Uhr öffnet der Florist bzw. Samenhändler nicht! Ich vertrete mir bis dahin die Beine und spreche mit einem alten Mütterchen im Schaukelstuhl, das meint, sich an mich zu erinnern. Ich leider nicht an sie.
Endlich darf ich beim Samenhändler vorstellig werden. Ich hatte das Glück, einige der Beeren, die ich an meinem ersten Tag im Ort auf Moon Mountain gesammelt hatte, bereits verkaufen zu können und kann mir daher gleich zwei Päckchen Saaten leisten. Ich entscheide mich für Rüben, die zwar wenig einbringen, nach Auskunft der hilfsbereiten Floristin allerdings am schnellsten wachsen. Danach bin ich effektiv pleite.
Mit größter Vorsicht bringe ich die Samen auf den vorbereiteten Parzellen aus, um bloß nichts von dem teuren Saatgut zu verschwenden. Das Farmleben erscheint mir von Tag zu Tag stressiger und den Rest des Tages verbringe ich in den Bergen, um Beeren zu sammeln, um Geld zu verdienen…

4. Tag

Das Wässern der Feldfrüchte erscheint mir jetzt schon mühsam. Wie wird das erst sein, wenn meine Felder wachsen? Dennoch, während ich auf meinem ersten selbst geschaffenen Einkommen entgegensehe, erweitere ich das Ackerland. Ich erlaube mir einen Spaziergang durch die Stadt; den Abend lang klopfe ich Geröll bis zur Erschöpfung. Ich muss aufpassen, dass ich es in meiner Frustration nicht übertreibe.

5. Tag

Es regnet… Welch Sinnbild meiner Stimmung. Mit trüber Miene verlasse ich das Haus und… Ich sehe, dass die erste Saat meines Bauerndaseins aufgegangen ist! Zarte Pflänzchen haben seit dem Abend ihren Weg aus der Erde gefunden! Außerdem stattet mir der Bürgermeister einen weiteren kurzen Besuch ab, um mir zu erklären, dass morgen das große „Planting Festival“ stattfinden wird. Ich bin mir nicht sicher, was ich mir darunter vorzustellen habe, freue mich aber, die Dorfbewohner kennenlernen zu dürfen.

Da meine Pflanzen heute nicht gewässert werden müssen und ich keine neuen Saaten kaufen kann, entdecke ich die stille Schönheit eines verregneten Sonntags. Ich stelle fest, wie angenehm es ist, einmal gezwungen zu sein, nichts zu tun und zu entspannen. Beim Spaziergang durch den regennassen Wald stoße ich auf eine Gruppe Zimmermänner, die mir die Erweiterung meines Hauses anbieten, wenn ich je Bedarf – und die beträchtlichen finanziellen Mittel – dafür hätte.

Danach erklimme ich das Weingut, das auf einem Hügel in der Mitte des Ortes gelegen ist, und werde unvermittelt Zeuge einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen dem „modernen“ Mädchen aus der Kneipe und dem grimmigen Kerl, der in der Ecke saß – und offenbar ihr Vater ist! Das Mädchen läuft Flüche ausstoßend davon, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Im Nachhinein frage ich mich, ob es ungehörig war, das Weingut nun überhaupt noch zu betreten. Im Gespräch mit den Eltern kann ich die gesenkte Stimmung fühlen und wenigstens die Mutter schien den Tränen nahe.

Daheim auf meiner Farm kommt mir die Idee, meine Kräfte zu sparen und die kleineren Steine auf dem Acker nicht in ihre Einzelteile zu klopfen, sondern zu nutzen um die äußeren Grenzen meines Grundstücks zu markieren. Darüber vergesse ich die Zeit und falle erst weit nach Mitternacht ins Bett…

6. Tag?

Das Planting Festival! Beim Aufwachen stelle ich fest, dass mein Tagebuch und der Kalender voneinander abweichen… Laut meiner Zählung sollte es der 6. Tag des Frühlings sein, weil heute aber das Planting Festival stattfindet, muss es bereits der 8. sein. Hmm… Ich beschließe, meine Zählung unverändert fortzuführen, spätestens mit dem Beginn des Sommers, sollte sich die Sache aufklären.

Ich wässere pflichtgetreu meine Felder, dann laufe ich ins Dorf. Alle Geschäfte sind geschlossen und die Bewohner auf dem Marktplatz zusammengekommen. Wie ich sie alle gemeinsam sehe, fällt mir einmal mehr auf, welch seltsame Synthese aus Ost und West diesem entlegenen Landstrich doch eigen ist: Die Kleidung älteren Herrschaften erinnert mich an Ethnien Ostasiens, andere Leute kleiden sich, als ob sie in einer Art Fantasy-Frankreich lebten. Die Architektur, die Feste und das Essen… In allem lässt sich dieser Mix aus Ost und West erkennen – manchmal als harmonische Synthese, manchmal als Verwestlichung begleitet vom Verschwinden des Alten.

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Das Planting Festival, dessen Ursprünge ich nicht kenne, setzt sich aus zwei Aktivitäten zusammen: Dem Aufstieg eines Heißluftballons zum einen, dem gemeinsamen Fliegenlassen gasgefüllter Luftballons zum anderen. An diese haben die Dorfbewohner kleine Saatentütchen angebunden, die – so die Intention und Hoffnung – in die weite Welt entschweben und neue Pflanzen an entlegenen Orten hervorbringen sollen. Eigentlich eine schöne Tradition. Auch ich darf mich beteiligen. Nachdem die Ballons als farbenfroher Reigen in die Höhe gestiegen sind, drückt eines der Mädchen ihre Hoffnung aus, dass ihre Saaten auf meinen Feldern landen mögen. Ich fühle mich nicht mehr ganz so fremd im Ort und gehe wohlgestimmt schlafen.

7. Tag

Die erste Rübenernte! Ich werfe die Ernte in die Box, aus der sie mein Abnehmer am späten Nachmittag abholen wird, rechne mir aus, wie viel ich damit wohl verdienen werde und zeige mich zufrieden. Vom letzten Geld, das ich vom gelegentlichen Beerensammeln übrig habe, kaufe ich Samen für Kartoffeln und eine mir unbekannte Art Kohl und säe sie auf den bereits vorbereiteten, zusätzlichen Parzellen aus.

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Punkt 5 Uhr geht die Bezahlung auf mein Konto ein, das nun erstmals einen vierstelligen Betrag anzeigt: Zur Feier des Tages gehe ich in die Kneipe – und werde mir heute endlich ein Bier leisten können! Außerdem hoffe ich, das Mädchen vom Weingut dort wieder anzutreffen. Leider ist dem nicht so, und so trinke ich, gerade noch ekstatisch, mein Bier mit einem gewissen Gefühl der Enttäuschung… Wo sie nach dem Streit mit ihren Eltern wohl hingegangen ist?

Das lokale Bier ist stark (oder vielleicht habe ich auch einfach nicht genug gegessen) und mir wurde ein wenig schwummrig im Kopf. Ich laufe heim zur Farm, besoffen Holz hacken. Hohl hallen die Hiebe der Axt, die schon mein Großvater benutzt hat, durch den weiten, einsamen Hof.


Den nächsten Teil des Bauerntagebuchs lest ihr voraussichtlich am Sonntag. [sk]

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