Beach Spikers von Sega AM 2 ist nicht nur ein exzellenter Port eines exzellenten Arcade-Games, es ist vor allem auch eines der besten Multiplayer-Spiele auf dem GameCube.

Die Olympischen Sommerspiele in Rio nähern sich schon wieder ihrem Ende. Schon früh im Verlauf dieser Spiele zog ein Sport Aufmerksamkeit auf sich, der für eine Austragung in Brasilien wie gemacht schien: Beachvolleyball konnte das Publikum begeistern wie noch nie zuvor. Am Ende durften sich brasilianische und deutsche Teams über Gold freuen. Im Laufe der Jahre hat es die Randsportart auch schon zur einen oder anderen Videospielumsetzung gebracht (sicherlich öfters, als das etwa bei Hallenvolleyball der Fall sein dürfte): „Blobby Volley“ sieht man selbst heute noch auf Schulcomputern laufen und das Dead or Alive Xtreme Franchise war erst kürzlich wieder in einiger Munde. Der Volleyball-Part der Tecmo-Produktion spielte in diesen Diskussionen allerdings kaum noch eine Rolle und so befindet sich Beachvolleyball auf Konsolen derzeit im Dornröschenschlaf.

Das war einmal anders: Für die kurze Dauer von gerade einmal zwei Jahren explodierte das Sub-Genre geradezu: Das Jahr 2003 sah nicht nur die Veröffentlichung von Dead or Alive Xtreme Beach Volleyball, damals noch ein XBox-Vorzeigetitel und begleitet von viel Kritikerlob, sondern auch vom etwas anarchischeren Outlaw Volleyball (ebenfalls XBox) sowie Acclaims Summer Heat Beach Volleyball auf der Playstation 2. Bereits im Vorjahr hatte es Segas „Beach Spikers: Virtua Beach Volleyball“ aus der Spielhalle exklusiv auf den GameCube geschafft – und dankenswerterweise auch nach Europa.

Legt man Beach Spikers heute in den GameCube ein, kann es gut passieren, dass man erst einmal ein bisschen staunt: Kaum ein GCN-Spiel ist optisch dermaßen gut gealtert! Auch nach 15 Jahren schaut die Grafik noch immer absolut annehmbar aus, sodass man kaum einmal das Gefühl hat, es hier mit einem Retro-Game zu tun zu haben. Vielmehr entspricht die Grafik dem, was heute eine hervorragende Leistung im Mobile-Bereich wäre und sogar die niedrige Auflösung sieht man dem Spiel kaum an. Und dann die Dynamik: Blitzschnelles Arcade-Gameplay mit einer bis auf ganz wenige Ausnahmen sauberen 60er Framerate. Flüssige, realistische Animationen, detailverliebte Arenen, stimmungsvolle Lichteffekte und Echtzeit-Schatten. Ein besonderes Highlight: Der dreidimensionale, Polygon-basierte Sand, dessen anfängliche Jungfräulichkeit mit fortschreitender Dauer des Matches von den Spuren eurer Spielerinnen und des Balls ordentlich durcheinander gewirbelt wird.

Apropos Spielerinnern: Während Segas anderes und ungleich bekannteres Arcade-Meisterwerk Virtua Tennis anfangs noch ganz auf Männer beschränkt war, so sind in Beach Spikers ausschließlich Frauen auf dem Platz (anders als bei Virtua Tennis allerdings ohne Lizenzen). 16 Nationalteams stehen zur Wahl, die meisten davon typische Beachvolleyball-Nationen. Bei näherer Betrachtung fällt leider auf, dass sich die Körperproportionen aller Spielerinnen bis aufs letzte Polygon gleichen und sich nur ihre Köpfe sowie die ihnen übergestülpten Texturen (also Hautfarbe und Trikots) individuell unterscheiden. Gerade beim Aufeinandertreffen ethnisch sehr unterschiedlicher Spielerinnen fallen diese stattlichen Universal-Proportionen negativ ins Auge und generell tragen sie dazu bei, dass die an sich exzellente Optik doch ein wenig steril daherkommt (und somit auch nicht den realistischen Look des hauseigenen Tennis-Konkurrenten erreichen kann bzw. möchte). Zur GameCube-Oberklasse zählt die Grafik aber zweifellos.

Meer und Strand und Partystimmung (und Pringles)

Noch entscheidender ist freilich das schnelle, unkomplizierte Gameplay, das sich ähnlich wie das von Virtua Tennis mit dem Analogstick und zwei Knöpfen zufrieden gibt: A, B und A und B gleichzeitig sind alles, was es braucht, um hochspannende Ballwechsel auf Feld zu legen. Arcade-typisch ist allein dennoch recht bald die Luft raus, auch wenn ein World-Tour-Modus eine Weile bei der Stange hält, in dem ihr euer eigenes Team erstellen und trainieren könnt. So liegt die große Stärke von Beach Spikers wie auch beim Tennis-Kollegen im Mehrspielermodus. Nur Super Smash Bros. und evtl. noch TimeSplitters 2 dürften häufiger alle vier Controllerports meines GameCube beansprucht haben. Tatsächlich ist gerade Beachvolleyball prädestiniert für spannende 2-gegen-2-Matches, da sich durch das zumeist zweimalige gegenseitige Zuspiel der Teamkameradinnen noch stärker als etwa im Tennis-Doppel ein wirklich kollegiales Spielgefühl entwickelt, das gute Abstimmung belohnt und zwei Spieler schnell zu einem echten Team zusammenschweißen kann.

Die unkomplizierte Arcade-Spielmechanik sorgt dabei in aller Regel dafür, dass Neulingen der Spieleinstieg leicht fällt, vereinzelt bin ich aber auch Zeuge von Problemen geworden. Anders als etwa in den meisten Tennisspielen ist die Kamera nicht fix hinter einer der beiden Spielfeldhälften platziert, sondern schwenkt der Flugbahn des Balles folgend von einer Hälfte zur anderen. Das schaut enorm dynamisch aus, erfordert allerdings eine gewisse Eingewöhnung und hat zur Folge, dass sich eure Spielerinnen zeitweilig außerhalb des Bildausschnittes aufhalten. Die Minimap am unteren Bildschirmrand sollte dieser Problematik entgegenwirken; allerdings verwirrt, dass sich die Spielerinnen einem undurchsichtigen System folgend mitunter auch automatisch fortbewegen. Wer da nicht auf die Karte schaut und ggf. gegensteuert, steht schnell und im wahrsten Sinne des Wortes „ganz blöd da“.

Eine spezielle Art von Realismus verströmen die neun verschiedenen Volleyball-Plätze: Fantasiearenen zwar, dafür mit ausgeprägtem Markenfetisch: Coca-Cola, Pringles oder Swatch begegnen euch nicht nur als Bandenwerbung sondern bringen gleich ihre eigenen individuell animierten Arenen mit; die virtuellen Volleybälle werden von Olympia-Ausstatter Mikasa beigesteuert, die Dresses von Mizuno. Wenn am Spielfeldrand ein Nissan rotiert, dann ist das Werbung ohne Wenn und Aber und manch einer dürfte dieses Brand-Placement als aufdringlich empfinden. Ich fand es in diesem Kontext gleichwohl eher stimmungsvoll. Hübsch umgesetzt ist auch die sicherlich GCN-exklusive Nintendo-Arena, die von drei riesigen Aufblas-GameCubes geschmückt wird: In violett und schwarz und im auf ewig Japan-exklusiven Orange.

Auf alle Fälle kommt bei Beach Spikers fantastische Arcade-Stimmung auf. Das fängt schon vor dem Titelbildschirm an, wo ihr vom bekannten, ungemein cheesigen „Seeeegaaaa“ Jingle begrüßt werdet, gefolgt von einem sanft gesäuseltem „Sega AM two“. In den kaum vorhandenen Ladezeiten bemüht sich ein debil-fröhliches „Thank you! Enjoy the Game!“ unermüdlich um die richtige Einstellung. Beach Spikers auf dem GameCube ist bis heute problemlos und zu bemerkenswert niedrigen Gebraucht-Preisen zu bekommen. Dank 60Hz-Option bietet auch die PAL Version eine uneingeschränkt authentische Arcade-Erfahrung. Fortsetzungen oder Ports auf anderen Konsolen gibt es bis heute leider keine.

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