…for the duration of the game, he lives among signs…

Spielkritik und die ersten Inhalte sind nun seit gut drei Wochen online, und so ist es an der Zeit, noch einmal ganz offiziell hallo zu sagen und alle Leser ganz herzlich willkommen zu heißen, die zukünftigen eingeschlossen. Ich freue mich, dass meine ersten Beiträge schon den ein oder anderen Like erhalten und sich sogar schon einige Follower eingefunden haben. Das ist auf jeden Fall motivierend, vielen Dank für euer Interesse!

Dieser Blog ist nicht mein erstes Onlineprojekt zum Thema Videospiele, aber es ist das erste seit langem. Mir stellte sich also die Frage, in welche Richtung ich hier gehen möchte und anfangs schien es mir hilfreich, ein konkretes Konzept zu entwickeln. Ich bin dann aber zu dem Schluss gekommen, dass es der offenen Erprobung meiner Ideen und Vorstellungen bedarf, und dass das in einem möglichst freien Rahmen geschehen sollte, um mich nicht voreilig einzuschränken. Noch dazu mangelt es mir in einigen Bereichen an praktischen Erfahrungen, und so ist Spielkritik für mich zunächst einmal auch eine Möglichkeit, solche Erfahrungen zu sammeln. Dieser Blog ist gleichzeitig mein persönliches Übungsfeld, in dem ich meine Fähigkeiten und Vorstellungen entwickeln möchte, als auch der bewusste Versuch, etwas Interessantes, im besten Falle Relevantes, zum Thema Videospiele beizutragen.

Spielkritik ist, kurz gesagt, ein Raum für Experimente. Hier möchte ich versuchen, ob mir bestimmte Dinge gelingen, und schauen, wie sie beim Leser ankommen. Welche Einfälle das sind, mag ich hier noch nicht sagen, da sich ihre endgültigen Formen oft erst während des Schreibens abzeichnen und ich kaum abschätzen kann, welche ich zuerst umsetzen und online bringen werde, und welche erfolgreich sein werden. Auch deshalb bin ich vor einigen Wochen so abrupt und kommentarlos eingestiegen. Die Entwicklung des Projektes Spielkritik wird wohl einige Zeit dem Trial-and-Error-Prinzip folgen müssen. Allerdings habe ich die Absicht, diese konzeptuelle Freiheit, auch Verspieltheit, immer mit inhaltlicher Professionalität zu verbinden.

Den Untertitel des Blogs – life among signs – habe ich gewählt in Anlehnung an eine Passage in Steven Pooles auch heute noch uneingeschränkt empfehlenswertem Buchklassiker „Trigger Happy“. In einem der Kapitel betrachtet der Autor Videospiele aus semiotischer Perspektive – eine Methode, die auch ich sehr interessant und gewinnbringend finde und in Zukunft stärker selbst verfolgen möchte. Doch unabhängig vom Kontext semiotischer Analyse erscheint mir die Phrase als eine erstaunlich akkurate Beschreibung dessen, was wir in der Praxis als das Gameplay wahrnehmen. Und wenn auch zu einem guten Game mehr gehört (oder gehören kann), so ist es doch zuerst das Gameplay, welches Videospiele von anderen Kunstformen unterscheidet. Daneben kommt in jenen Worten aber auch das Potential von Videospielen zum Ausdruck, den Spieler mit der emotional wirkmächtigen Illusion unmittelbarer Lebendigkeit zu fesseln, und somit, in der Wahrnehmung des involvierten Spielers, mehr zu sein, als eine festgelegte Kombination von Regeln und Zeichen.

„Living among signs“ beschreibt somit einerseits Natur und Wirkung von Videospielen sehr treffend, als auch dass diese Worte den beabsichtigen Tenor dieses Blogs widerspiegeln, der Games gleichermaßen mit Begeisterung und Hingabe, als auch mit journalistischer Professionalität und Wissenschaftlichkeit begegnen soll. Nun möchte ich auf keinen Fall behaupten, dass das irgendwie neu und so noch nie da gewesen sei – das ist glücklicherweise nicht der Fall. Es gibt nur längst noch nicht genug davon, und das trifft, denke ich, auf den deutschsprachigen Raum noch stärker zu als auf den englischsprachigen.

…a pragmatic criterion: whether or not a theory is inspiring or useful…

Der erste längere Beitrag auf Spielkritik ist meine mehrteilige Kritik zu Project Zero 2: Wii Edition. Umfangreicher geworden als ursprünglich geplant, ist dieser Artikel selbst ein Zeugnis meines „Herumprobierens“, das in diesem Falle wohl in einer Art Mittelweg mündete. Daher steht meine gewiss unvollkommene, erste Kritik, von der ich eigentlich nur hoffe, dass sie einigen Lesern etwas Interessantes bietet, auch nicht unbedingt prototypisch für meine beabsichtigten Schwerpunktsetzungen.

Es wird mir in meinen Reviews nicht darum gehen, notwendigerweise jedes Element eines Spiels gleichermaßen zu beleuchten, bzw. gar zu bewerten. Das Ziel ist es, ausgewählte Aspekte auf besonders gründliche Weise zu untersuchen und dabei auch solche Ansätze einzubringen, die man in klassischen Spiele-Reviews eher selten findet (und die dort unverhältnismäßig erscheinen könnten). Ich habe nicht vor, meine Kritiken als typische Einschätzungen der Gesamtqualität eines Spiels, oder gar als Kaufberatung zu konzipieren. Auch deshalb entfällt eine abschließende Punktewertung. Den klassischen Spieletest lehne ich dabei keineswegs ab – ich denke nur, dass sich die intensivere kritische Auseinandersetzung mit Spielen noch sehr viel stärker als bisher auch auf methodisch anderen Ebenen bewegen und ein breiteres Spektrum an Perspektiven einschließen sollte. Tatsächlich bin ich der Meinung, dass die gegenwärtig existierende Videospielkritik im Vergleich etwa zur Literatur- oder Filmkritik noch sehr wenig (oder besser: sehr einseitig) entwickelt ist (und auch hier: dass dies für den deutschsprachigen Raum noch viel stärker gilt als etwa für den englischsprachigen), auch wenn sie selbstverständlich ihre ganz eigenen, zweifellos bewahrenswerten Methoden entwickelt hat (wie eben den klassischen, um Objektivität bemühten Spieletest, für den sich in dieser Form kein Äquivalent in der Literatur- oder Filmkritik findet, auch wenn sein Fetisch zur numerischen Abschlusswertung in jüngerer Zeit sogar auf auf einige Buchrezensionen abfärbt).

In jedem Fall soll dieser Blog mehr bieten als Kritiken zu einzelnen Spielen. Einige Rubriken, die ich für die nahe Zukunft geplant habe, heute aber noch unerwähnt lassen möchte, sollten das unterstreichen. Fest steht eigentlich nur dieses: Es soll hier um Videospiele gehen, aus verschiedenen Blickwinkeln, und solange die Beiträge (wie ich hoffe) interessant sind, ist inhaltlich und stilistisch fast alles möglich. Für mich steht lediglich fest, dass es sich hier nicht um einen persönlichen und vordergründig subjektiven Blog handeln soll, und genau so wenig um einen dezidiert wissenschaftlichen. Gewisse thematische und methodische Schwerpunkte bzw. Vorlieben dürften sich im Laufe der Zeit herauskristallisieren; aber vielleicht sage ich dazu auch ein andermal mehr.

Und nebenbei gesagt: Wenn es hier in nächster Zeit vor allem um Spiele auf Nintendo- und in etwas geringerem Umfang Sega-Konsolen geht, so liegt dem keine gewollte Schwerpunktsetzung zugrunde und auch keine grundsätzlich Präferenz für diese Plattformen. Es ist einfach so, dass es mehrheitlich diese Konsolen und deren Spiele sind, die ich selbst nutze und die damit den größeren Anteil an meinen aktiven Erfahrungen mit Spielen ausmachen.

Für die unmittelbare Zukunft habe ich einen längeren Beitrag zum ehemaligen Club Nintendo Magazin geplant, der möglicherweise auch die Basis für ein oder zwei neue Rubriken legen könnte. Ein anderer Schwerpunkt wird in den kommenden Wochen wohl auf Horrorgames (auf Nintendo-Konsolen) liegen. Nach einer intensiven Zeit mit Project Zero 2 bin ich in diesem Genre gerade richtig drin. Im Moment spiele ich etwa das ungeliebte Escape from Bug Island, habe in diesem Falle aber etwas anderes vor, als eine Kritik zu verfassen. Lasst euch überraschen.

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