Party-RPG

Dokapon Kopie

Es kommt äußerst selten vor, dass ich mich von einem Spiel derart angegriffen fühle.

Eine Kreuzung aus J-RPG und Mario Party gehört wohl zu den fragwürdigsten Spielkonzepten, die man sich vorstellen kann. Dokapon Kingdom ist ein Spiel, von dem wohl nur die wenigsten schon gehört haben. Ursprünglich für die Playstation 2 erschienen, hat es die Wii-Umsetzung des Titels 2010 erstaunlicherweise auch nach Europa geschafft und kann gleichermaßen als Kuriosität und als Geheimtipp bezeichnet werden. Genau wie in der Mario-Party-Reihe bewegt ihr euch würfelnd über das Spielbrett; Sieger ist, wer am Ende einer festgelegten Anzahl von Runden das meiste Geld vorweisen kann. Minispiele gibt es keine, stattdessen kämpft ihr in Old-School-Rollenspielmanier gegen Monster und Mitspieler, Haupteinkommensquelle ist allerdings das Erobern und Entwickeln von Städten.

Ich hatte das Spiel nur einige Tage daheim und währenddessen nicht die Gelegenheit, den Multiplayer-Mode gemeinsam mit anderen Mitspielern auszuprobieren. Ungeachtet anfänglicher Aha-Erlebnisse ob seines Einfallsreichtums und seiner mutmaßlichen Spieltiefe, hat mir Dokapon Kingdom allein nicht lang viel Spaß gemacht, was nicht nur daran liegt, dass es wie bei Mario Party langweilt, wenn die CPU an der Reihe ist, sondern vor allem daran, dass das Gameplay mit einer erstaunlich steilen Lernkurve einhergeht. Es ist nicht so, dass das die Spielregeln übermäßig kompliziert wären, aber das Spiel bestraft denjenigen, der nicht geschickt genug vorgeht, gnadenlos. Es braucht einige Erfahrung aus früheren Spielrunden, um gegen die CPU Land zu sehen, und selbst dann sorgt der immens hohe Glücksfaktor immer wieder für Frust – der Screenshot oben ist also durchaus symptomatisch.

Besagte Lernkurve dürfte auch das größte Problem beim Spiel mit Freunden sein. Ich kann mir vorstellen, dass man mit Dokapon Kingdom richtig viel Spaß haben kann, allerdings nur, wenn der Rahmen stimmt: Anders als Mario Party ist Dokapon kein Spiel, in das man ohne Vorkenntnisse einsteigen kann. Gelegenheitsspieler dürften ohnehin überfordert sein und selbst diejenigen, die Erfahrungen im Rollenspielgenre mitbringen, müssen einige Runden absolviert haben, bis sich ein Gefühl einstellt, zu wissen wie man vorgehen muss. Wer es tatsächlich schafft, des Öfteren zwei oder drei ausreichend engagierte Mitspieler vor dem Fernseher zu versammeln, findet in Dokapon Kingdom ein Art Hardcore-Variante von Mario Party vor, die auch die wahnwitzige Option auf Matches mit einem Umfang von über einhundert Stunden bietet. Wie gut Dokapon Kingdom jenseits des originellen und erstaunlich gut funktionierenden Spielkonzeptes wirklich ist, dürfte vor allem davon abhängen, wie ausbalanciert die zahlreichen Spielelemente sind und inwiefern unterschiedliche Strategien zum Sieg führen können. Ich bin da eher skeptisch, allerdings habe ich das Spiel für eine ausreichend fundierte Einschätzung nicht lang genug spielen können.

In Hinblick auf Grafik und Sound ist „zweckmäßig“ wohl das freundlichste, was sich darüber sagen lässt. Man braucht sich nur die in den Textboxen verwendete Schriftart anzuschauen, um zu erkennen, wie vollkommen unambitioniert die Entwickler an die technische Seite des Spiels herangegangen sind. Das Spiel kommt in vielen Punkt recht verschroben daher, fast wie ein Hobbyprojekt, das sich mangels Budget ganz auf das Kern-Gameplay konzentriert, aber dort immerhin den Eindruck hinterlässt, dass echte RPG-Liebhaber am Werk waren.

In der Fachpresse wurde Dokapon Kingdom kaum rezipiert und wenn doch, hat es einige erstaunlich gute, teils sogar sehr gute Kritiken erhalten. Das Spiel ist nicht ganz einfach zu bekommen, bzw. bei Ebay oder Amazon nur zu recht hohen Preisen. Mit etwas Glück ist sich der ein oder andere Gebrauchtwarenhändler der Seltenheit des Games nicht bewusst und haut es günstig raus. Für Einzelspieler allenfalls eine interessante Kuriosität, ist das Spiel für RPG-Liebhaber mit einem Faible für Multiplayersessions auf jeden Fall einen Blick wert.

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